„Goldpreis in der Kristallkugel“

by • 22. Oktober 2013 • BörsenvisionenComments (0)1118

Inder lieben Gold, besonders als Geschenk zur Hochzeit. Die Heiratssaison beginnt nun. Die indische Notenbank schätzt die Goldimporte für das Gesamtjahr auf 900 bis 1000 Tonnen. Allerdings hat sich die indische Regierung etwas einfallen lassen, um die Nachfrage zu drosseln. Plusvisionen hat bei Dominik Lochmann, Geschäftsführer der ESG Edelmetall-Service, nachgefragt.

Wie reguliert Indien den Goldmarkt?
Indien hat neben der Anhebung der Importsteuer für Gold auch eine 80/20-Regelung eingeführt. Händler, die Gold importieren, müssen mindestens 20 Prozent davon auch wieder exportieren. Außerdem dürfen Banken keine Konzessionslager mehr anbieten, sodass die Goldhändler sich selbst um die Finanzierung ihrer Lager kümmern müssen. Viel Gold wird nun geschmuggelt. Entsprechend steigt die Nachfrage in den Nachbarländern. Die Aufkaufaktionen der anderen asiatischen Länder machen den momentanen direkten Wegfall der Indiennachfrage mehr als wett. Für den europäischen Markt sind die Auswirkungen gering.

Hat der Dollar Einfluss auf die Goldpreise?
Da Gold in Dollar gehandelt wird, spielt für uns im Euroland der Wechselkurs natürlich eine Rolle. Eine direkte Korrelation zwischen dem Goldpreis in Dollar und dem Wechselkurs gibt es dagegen kaum noch. Dazu ist das System der Goldpreisfindung zu kompliziert und Währungen wie der chinesische Renminbi und die indische Rupie haben nachfragebedingt für den Goldpreis eine größere Bedeutung.


Auch der Shutdown in den USA hat dem Goldpreis kein Auftrieb gegeben …
Just in dem Moment, als jeder mit steigenden Preisen rechnete, wurde der Goldpreis durch gezielte Verkäufe von US-Banken – wie im April dieses Jahres – auf Talfahrt geschickt wurde.

Trauen Sie sich noch eine Prognose zu?
2013 ist das Umfeld, was Euro-Krise, Staatsschuldenkrise, Niedrigzinspolitik und deren Auswirkungen auf den internationalen Konjunkturmotor angeht, aus meiner Sicht eher pro Gold anzusehen. Warum die Kurse dennoch niedriger sind als im Vorjahr, liegt neben den offensichtlichen Marktmanipulationen auch an steigenden Aktienmärkten. Viele Großinvestoren, die Gold nicht als langfristiges Kriseninvestment betrachten, haben Gold verkauft, um mit dem Geld auf den Fahrt aufnehmenden Aktienzug aufzuspringen. Aufgrund dieser Markteingriffe lassen sich mit logischen volkswirtschaftlichen Überlegungen leider keine zuverlässigen Preisprognosen mehr abgeben. Jede Kristallkugel würde zu ähnlich exakten Ergebnissen führen.


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