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Der feuchte Euro-Traum

by • 21. Januar 2015 • PlusvisionenComments (0)1417

Der DAX klettert weiter nach oben. Schön. Nun deutlich über die Marke von 10.000 Punkten. Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude. Es die Vorfreude auf noch mehr Geld. Ist das schon ein wenig Economy by Simbabwe? In Simbabwe lag die Inflationsrate 2008 offiziell bei rund 100.000 Prozent pro Jahr (inoffiziell vermutlich sehr weit darüber), weil man ein wenig zu viel Geld gedruckt hat, aber – die Aktienkurse stiegen tatsächlich mit 340.000 Prozent sogar noch schneller. Anleger sollten das vielleicht im Hinterkopf behalten, wenn es um Prognosen, insbesondere für den weiteren Kursverlauf, geht.

Es ist die Woche aller Wochen, geldpolitisch gesehen. In dieser Woche wird sich die Europäische Zentralbank (EZB) wohl für den großzügigen Aufkauf von Staatsanleihen mit frisch gedrucktem Geld entscheiden (englisch: Quantitative Easing – QE). Kaufen wir zwar nicht die EZB, sondern die einzelnen Notenbank in den Mitgliedsstaaten des Eurosystems, damit es keine Konflikte gibt, hinterher bei der Schuldenfinanzierung.

Aber eine Staatsschuldenfinanzierung soll QE natürlich nicht sein, darf gar nicht. Notenbank sind schließlich keine Staatsfinanzierer, was praktisch wäre, wenn der Staat das Geld für seine eigenen Schulden drucken könnte, egal welche Qualität diese Schulden haben.

Die EZB will – natürlich – die Deflation und die Konjunkturschwäche in der Eurozone bekämpfen. Nur dazu soll mehr Geld in den Kreislauf gepumpt werden, damit das Geld (durch Inflationierung) weniger wert ist/wird und nicht mehr, wie bei einer Deflation oder bei deflationären Tendenzen.

Und wenn es dann immer weniger wert wird, dann sollen die Konsumenten endlich das Konsumieren anfangen, damit ihnen das verwässerte Geld quasi nicht durch die Finger rinnt.


Zugleich gibt es noch angenehme Nebeneffekte dieses Kniffs: Die Zinsen bleiben niedrig oder fallen sogar durch die Anleihekäufe noch (steigende Anleihekurse bedeutet sinkende Renditen) – wenn denn aes überhaupt noch möglich ist – und der Euro wird geschwächt.

Überhaupt ist ja ein weicher Euro gut für die Exportindustrie, weil diese dann ihre Produkte günstiger in der Welt verkaufen kann – und nicht teurer, wie jetzt die Schweizer. Natürlich können wir alle uns gleichzeitig im Nicht-Euro-Ausland weniger leisten – so wie jetzt vermutlich den Ski-Urlaub in der Schweiz, wenn das Rösti plötzlich 40 anstatt 30 Euro kostet. Aber wer braucht schon ein Rösti in der Schweiz?

Dennoch, wie sagte einst der Wirtschaftsnobelpreisträger Gary Becker (1930-2014): “Economy is the art of making the most of life.” Wirtschaft gestaltet unser Leben. Die EZB will das Eurosystem um rund 1 Billionen Euro zusätzlich bewässern (Bilanzsumme ausweiten). Welche Effekt das haben wird? Inflation? Aktienhausse? Steigende Immobilienpreise? Konjunkturerholung? Keiner weiß das so recht. Es bleibt ein Experiment, aber es geht uns alle an.

Fakt ist: Die Notenbanken wollen die Schulden des Staats (zum Teil) übernehmen und drucken dafür Geld. Es kommen also viele viele Euro auf den Markt. Nun kann jeder selbst in sich gehen und überlegen, ob die Euros, die er in der Tasche hat mehr oder weniger wert werden, wenn es inzwischen Euros aus dem Notenbank-Himmel herabregnet. Letztlich lautet die Frage: Wenn so viel Geld gedruckt wird, warum werden wir dann nicht alle reicher/reich?

 

Bildquelle: Volker Kraus / pixelio.de


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