Monatsarchiv für Januar 2011

Aufschwung 2.0

Der Wirtschaftsboom in Deutschland geht weiter, zunächst jedenfalls. Im Januar steig der Ifo-Geschäftsklimaindex zum vierten Mal in Folge. „Die deutsche Wirtschaft startet schwungvoll in das neue Jahr“, konstatiert Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Auch Jörg Zeuner, Chefvolkswirt des Liechtensteiner Vermögensverwalters, VP Bank, ist zuversichtlich, was die weitere Entwicklung Deutschlands (zumindest im ersten Halbjahr) und auch der Weltwirtschaft angeht. Er hat dafür sieben Thesen:

Erstens: Internationale Wettbewerbsfähigkeit durch Lohnzurückhaltung
Deutschland hat sich im Vergleich mit anderen Euroländern im zurückliegenden Jahrzehnt einen erheblichen Vorteil bei den Lohnstückkosten erarbeitet. Während diese in Frankreich um 20 Prozent und in Griechenland, Italien und Spanien um über 30 Prozent gestiegen sind, liegen sie in Deutschland lediglich 5 Prozent höher als um die Jahrtausendwende.

Zweitens: Intensive Handelsbeziehungen mit den Schwellenländern
Der deutsche Exportsektor profitierte im zurückliegenden Jahr besonders von den intensiven Handelsbeziehungen mit den Schwellenländern. Rund 13 Prozent der deutschen Exporte sind für diese Länder bestimmt.

Drittens: Einsatz von Kurzarbeit in einer kurzen Krise zahlt sich aus
Eine wichtige Ursache für die schnelle wirtschaftliche Erholung Deutschlands liegt im beherzten Einsatz der Kurzarbeit in der Finanzkrise.

Viertens: Fallende Zinsen verbessern Kreditkonditionen deutscher Unternehmen
Aufgrund der Leitzinssenkungen der EZB nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers fielen mehrheitlich auch die Renditen der Staatsanleihen der Euroländer. Da die Kreditzinsen meistens an die Renditen der Staatsanleihen gebunden sind, begünstigte diese Entwicklung die Finanzierung neuer Investitionen deutscher Unternehmen.

Fünftens: Hoher Anteil der Industrieproduktion am BIP
Ein vergleichsweise hoher Industrieanteil sorgte im beginnenden Aufschwung für eine rasche Erholung – gerade vor dem Hintergrund der exzellenten internationalen Handelsbeziehungen Deutschlands und des schwachen Euros.

Sechstens: International herausragende Produktivität der deutschen Wirtschaft
Neben den Lohnstückkosten zeigt sich die Produktivität der deutschen Wirtschaft auch in Form des Beitrags zum BIP, der in einer Arbeitsstunde geleistet wird. Dieser liegt mit derzeit gut 40 Euro deutlich vor den USA und Großbritannien.

Siebtens: Wachstum der deutschen Wirtschaft wird sich 2011 fortsetzen
Die Wachstumsraten werden in diesem Jahr niedriger ausfallen und die US-Wirtschaft wird mit 2 Prozent schneller wachsen als die Eurozone mit 1,5 Prozent. Innerhalb der Eurozone wird Deutschland – nicht zuletzt aufgrund seiner spezifischen Wettbewerbsvorteile – mit einem BIP-Wachstum von bis zu 2,5 Prozent die wesentlichen Impulse geben.

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Thomas Schumm am 21. Januar 2011 in Konjunktur-Wundertüte

Die Zinswende

Die wirtschaftliche Entwicklung der Schwellenländer zählt ja zu den erstaunlichsten Dingen in den vergangenen Jahren. Ganz besonders auch wie diese die Finanzkrise überstanden haben. China etwa wuchs im zurückliegenden Jahr um 10,3 Prozent. Und trotz geldpolitischer Straffung hat es sich im vierten Quartal nochmals auf 9,8 Prozent (Jahresbasis) beschleunigt. Die Sorgen vor einer weiteren Geldverknappung durch die chinesische Notenbank werden dadurch nicht kleiner. Abzulesen ist das auch am chinesischen Aktienmarkt, der zuletzt nicht sehr viel hermachte.

Ein ähnliches Bild in Brasilien. Auch dort boomt die Wirtschaft. Am Mittwoch hat die brasilianische Notenbank den Leitzins um 50 Basispunkte auf 11,25 Prozent angehoben. Die Inflation soll im Zaum gehalten werden.

Und was ist mit Europa. Dort gibt es zwar nur geringe Wachstumsraten, mit Ausnahme des Wiederwirtschaftswunderlandes Deutschland, aber die Inflation scheint sich auch hier zu beschleunigen. In Großbritannien lag sie zuletzt bei 3,7 Prozent und in der Euro-Zone könnte es in Richtung 2,5 Prozent gehen. Wird auch die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen erhöhen? Ein kniffliges Unterfangen, denn einerseits will die Inflation eingedämmt werden und Deutschland könnte vielleicht etwas höhere Leitzinsen durchaus vertragen (jetzt profitieren wir von den niedrigen Leitzinsen), aber in weiten Teilen der Euro-Zone herrscht Tristesse und in allen türmen sich gewaltige Schuldenberger auf, die finanziert werden wollen. Wobei es auf der Hand liegt, dass die Finanzierung mit höheren Zinsen ungleich schwerer wird. Die Euro-Leitzinsen dürften deshalb auf absehbare Zeit nicht angefasst werden, was wiederum die Inflationssorgen an den Kapitalmärkten schüren könnte. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen liegt bereits wieder bei 3,1 Prozent, was natürlich auch damit zu tun hat, dass Deutschland immer mehr als Mit-Financier aller Schulden in der Euro-Zone gesehen wird.

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Thomas Schumm am 20. Januar 2011 in Folge dem Geld