Monatsarchiv für Oktober 2010

Lohnenswerte Aktien

In den vergangenen zehn Jahren waren Aktien ja nicht unbedingt das, was man als gute Anlage betrachtet. Mit Aktien gab es aufgrund von Rückschlägen und Crashs im besten Fall wenig oder nichts zu verdienen und häufig war es sogar so, dass unter dem Strich ein Verlust stand. Dagegen waren “risikofrei” Anlagen wie Staatsanleihen meist die bessere Wahl. Dabei verspricht doch die Theorie etwas ganz anderes: Wer ein höhere Risiko eingeht, also mithin in ein Unternehmen mit dem entsprechenden unternehmerischen Risiko investiert, dem steht auch eine höhere Rendite zu. Wenn dem anders wäre, würde (stark vereinfacht) ja sonst niemand ein Unternehmen gründen, sondern sein Geld mit Staatsanleihen verdienen. Ganz nebenbei: Das wäre schlecht für die Wirtschaft (uns alle), da reale Werte in einer freien (sozialen) Marktwirtschaft nur in Unternehmen geschaffen werden. So weit das Lehrbuch. Aber es war eben ganz anders. Und die spannende Frage lautet nun: Warum war das so und wird das so bleiben?

Das schlechte Aktienjahrzehnt kam wahrscheinlich dadurch zustande, dass zur Jahrtausendwende Aktien horrend überbewertet waren. Es brauchte zehn Jahre, um diese Übertreibungen bei Aktien abzubauen. Inzwischen sind Aktien größtenteils wieder fair bewertet — teilweise sogar unterbewertet, vor allem gegenüber (Staats-)anleihen. Immerhin weisen beispielsweise 10-jährige Bundesanleihen ein “KGV” von rund 40 [100/2,5] auf. Um seine investierten 100 Euro bei den zurzeit gebotenen Mickerzinsen hereinzuverdienen (Amortisationsmethode) bedarf es somit 40 Jahre Geduld. Das des DAX liegt hingegen laut boerse.de derzeit nur bei rund 10.

Ergo: Wer jetzt Geld anzulegen hat, sollte doch eher in Eigenkapital (Aktien) investieren. Die Chancen auf eine erkleckliche Rendite mit einem Aktieninvestment dürften in den kommenden Jahren ungleich besser als in den zurückliegenden zehn Jahren sein und vor allem scheinen die Risiken geringer als bei Anleihen.

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Thomas Schumm am 27. Oktober 2010 in Folge dem Geld

Deflation der Deflation

Die Angst Deflation weist derzeit eindeutig deflationäre Tendenzen auf. Das heißt, die Angst vor Deflation scheint zu schwinden. Heute verkaufte The Treasury erstmals in der Geschichte der Auktionen Treasury Inflation Protected Securities (TIPS), also inflationsgeschützte US-Staatsanleihen, mit einer negativen Rendite von 0,55 Prozent. Das kann man getrost als Hinweis darauf nehmen, dass der Markt davon ausgeht, der US-Notenbank (Fed) werde es gelingen, durch ihr zweites Quantitative Easing Programm (QE2 — Käufe von Staatsanleihen, vulgo: Geld drucken)  Inflation zu erzeugen. Auch sonst am US-Anleihenmarkt gibt es Anzeichen dafür: Die Rendite der 30-jährigen Treasuries erhöhte sich jüngst um rund 50 Basispunkte. Deflation scheint am US-Anleihemarkt nicht mehr das Thema zu sein. Käufer von Staatsanleihen, nicht nur amerikanischer, sollten deshalb wachsam sein.

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Thomas Schumm am 25. Oktober 2010 in Folge dem Geld

DAX macht Spass

Der DAX ist derzeit richtig schön anzusehen. Da komme (fast), was da wolle, ob eine Leitzinserhöhung in China, ein eigentlich gar nicht so guter ZEW-Konjunkturindikator, der aber besser als erwartet ausgefallen ist, und trotzdem geht es mit unserem guten alten DAX weiter nach oben, leicht zumindest. Das zeugt von Stabilität, von Robustheit, wie sie von Börsianern geschätzt wird. Klar, die Krise ist noch nicht vorbei, wie dies auch heute EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark wieder betont, aber die deutsche Wirtschaft kam doch bislang mit der Bewältigung derselben ziemlich gut zurecht. Angesichts des nun anspringenden Binnenkonsum kann man sich sogar über einen selbstragenden Aufschwung freuen.

Wären nur nicht noch diese Schulden in der Welt. Besonders in den USA, wo die Verantwortlichen zur Finanzierung weiter Geld drucken wollen, was mittel- bis langfristig nicht funktionieren wird, weil es noch nie funktioniert hat. Der Dollar wird deshalb tendenziell schwächer tendieren und Gold/Silber stärker (mit Rückschlägen). Und: Die Bereinigung der Staatsschulden wird in den USA, Japan und Europa noch Jahre in Anspruch nehmen, was — tendenziell — die Wachstumsraten drücken wird. Also haben wir Spaß mit dem DAX, so wie er sich derzeit gibt.

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Thomas Schumm am 20. Oktober 2010 in Die Börsen-Nachrichten

Sprunghaft

Die gute Nachricht ist:
Die amerikanische Notenbank (Fed) pumpt weiter Geld ins System. Das freut die Börsen, auch den DAX. Er überspringt heute eine wichtige charttechnische Marke. Bei rund 6400 Punkten verläuft die obere Begrenzungslinie des bisherigen leicht aufwärtsverlaufenden Seitwärtstrends. Hinzu kommen recht gute Unternehmensmeldungen (Quartalszahlen bei Intel und JP Morgan). Hieraus könnte man schließen, dass die deflationären Gefahren für die Weltwirtschaft vielleicht doch nicht so groß sind wie vermutet. Aber egal, die Fed pumpt in jedem Fall. Womöglich ist es ja das, was die Börsen freut.

Die schlechte Nachricht ist:
Die amerikanische Notenbank (Fed) pumpt weiter Geld ins System. Der Schweizer Investmentguru Marc Faber prognostiziert deshalb einen Staatsbankrott der USA, so in zehn bis fünfzehn Jahren. Sein Rat: Finger weg von Anleihen. Vom Dollar übrigens auch, der werde wohl auf Null fallen.  In diesem Zusammenhang spricht Faber gerne von der “Zimbabwe School of Economics” gesprochen. Also dem massenhaften Drucken von Geld zur Sanierung maroder Staatsfinanzen.

Wenn der Ökonom Ludwig von Mises recht behält mit seinen Theorien, dürfte es vorher jedoch noch eine sogenannte Katastrophenhausse (Crack up Boom) geben, bei der vor allem Sachwerte, somit auch Aktien, gefragt sind.

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Thomas Schumm am 13. Oktober 2010 in Die Börsen-Nachrichten

Casus Belli Pecunia

Wir haben ja Krieg dieser Tag, Währungskrieg. Zumindest wird so gesprochen.

Was passiert ist:
- Der Euro steigt wieder gegenüber dem Dollar. Hauptgrund sind hier wohl die besseren Konjunkturaussichten im Vergleich zu den Vereinigten Staaten. Die Leitzinsen befinden sich in Europa auch schon auf dem Nullpunkt.
- Die Japaner haben dieser Tage den Leitzins auf Null gesenkt und pumpen Geld ins System und den Deflationsdruck und die Yen-Aufwertung zu mildern.
- Die Amerikaner haben angekündigt ihre Geldpolitik weiter zu lockern — ist das überhaupt noch möglich? –, sollte sich die dortige Konjunktur nicht bald auf den Pfad der Erholung begeben. QE2 — Quantitative Easing 2.

Das alles wirkt so, als nähmen die Beteiligten zumindes billigend in Kauf, dass die jeweilige Währung gegenüber anderen Währungen an Wert verliert, um so wettbewerbsfähiger zu werden. Ob es wirklich schon ein Währungskrieg ist? Eher nicht.

Manoj Pradhan und Alan Taylor, Analysten bei Morgan Stanley, haben nun in einem Artikel “No ‘Currency War’…Yet” aber Auslöser ausgemacht, die zu einem Währungskrieg führen könnten: Ein Wachstumsschock in den G10-Staaten, ein Wachstumsschock in den Emerging Markets und eine große quantitative Lockerung in den G4. Sie stufen etwas derartiges allerdings nicht als ihr wahrscheinlichstes Szenario ein. Sie glauben eher an eine Verständigung zwischen den Spitzenpolitikern (IWF-Treffen in Washington vom 9. bis 11. Oktober), an ein anhaltendes Wachstum in den Emerging Markets und das die Emering Markets weiter Währungsreserven aufbauen werden. Letztlich könne aber nicht die Wahrscheinlichkeit eines Währungskriegs gänzlich ausgeschlossen werden.

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Thomas Schumm am 07. Oktober 2010 in Folge dem Geld