Monatsarchiv für September 2010

Erstaunlicher Euro

Der Euro bleibt seiner derzeitigen Linie treu: Er steigt, was überrascht. Schließlich wird dieser Tage oft über einen möglichen Staatsbankrott Irlands gesprochen. Und dann sind da noch Portugal, Spanien und Griechenland. Aber offenbar wird dem Patienten Euro eine schnellere Genesung zugetraut als dem Patienten Dollar. Beide liegen ja eigentlich auf dem Krankenbett, wenn auch in unterschiedlichen Stationen. Dem Euro hält man die gute europäische Konjunkturentwicklung zugute. Beim Dollar hingegen befürchtet man, dass weitere Liquiditätsinfusionen zur Belebung der amerikanischen Wirtschaft nötig sind. Es sieht auch nicht so aus, als würde der Dollar in Kürze wieder erstarken.

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Thomas Schumm am 29. September 2010 in Folge dem Geld

Endstation Parkett

Welch’ ein grandioser Film über das allmähliche Ende des Parketthandels in Chicago oder die Börse und ihre Akteure überhaupt. Instinktsicher trifft Regisseur James Allen Smith immer wieder den Nerv. Ihm vertrauen sich die Trader offenbar an und sagen Dinge, wie für die Ewigkeit der Börsenwelt und öffnen auch schon mal den heimischen Waffenschrank. [Ich liebe die Amerikaner für ihren Hang zum Unkonventionellen und natürlich zu ihren Flinten und Pistolen.] Mike Walsh, ein Trader: “Viele von uns haben so gut wie keine Bildung”. Da passt es ins Bild, dass es in dem Film von “fuck”  und “fucking” nur so kracht. Wobei der Film diese Effekte keineswegs nötig hätte oder davon lebt, nein, der Film ist geistreich und hintergründig. Die Sprache der Trader sorgt aber für Parkettatmosphäre, was Spaß macht.

Hier ein paar meiner Lieblingssätze aus dem Preview (teilweise sinngemäß zitiert):

JEFF ANSANI [der schon mal glücklichere Zeiten erlebt hat]: Vielleicht haben Sie ja bemerkt, dass das Haus irgendwie sehr kalt ist. So kalt dürfte es hier nicht sein, wenn meine Frau und mein Sohn noch hier wären. Damals mussten es immer 22 Grad haben.

GREG RIBA: Mit Geld kriegst du die geilsten Mädchen. Ich hab ein Playmate gevögelt, ist das nicht der Traum eines jeden Mannes? Aber eines darfst du beim Traden nicht: Geld verlieren.

JEFF ANSANI: Auf einmal war ich ganz unten, dachte:  Oh, mein Gott! Ich hab alles verloren. Wir sind schließlich wieder zu meinen Eltern gezogen!

MIKE WALSH: Ich seh ihn an und er mich. Er sagt, “gehen wir raus, du Arsch!” Also machen wir das! Dieser Scheißkerl dreht sich um und schlägt mir mit der Faust ins Gesicht. Ich brülle: Du willst eine richtige Scheiß-Schlägerei, heh, Arschloch?! Er holt noch mal aus, ich duck mich und er schlägt eine fucking Fensterscheibe ein … Ich halte mich für einen sauberen Trader. Ich liebe den Handel — aber ich hasse die Typen hier.

PETE NARJARIAN: Die Typen sagen dir ins Gesicht: Du (bist so ein) fucking Idiot, unglaublich, dass du so einen fucking Trade gemacht hast. Du hast gesagt: Du machst wohl Witze. Erstens war das ein guter Trade, du bist bekloppt und zweitens: Halt die Fresse! Und wenn dich jemand nach einem Trade am liebsten erwürgen wollte, fand man das gut und wollte das wieder tun, denn dann hat man was richtig gemacht.

Immer wieder sehr authentisch. Immer wieder überraschend und erfrischend ehrlich. Traurig. Kurios. Zum Teil surreal anmutend. Aber der Film vermittelt durchaus auch ernste Einblicke in Wirtschafts- und Börsenleben. Unbedingt sehenswert.

Mehr über den Film unter Endstationparkett.de

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Thomas Schumm am 28. September 2010 in Freudenstadel

Kaufen gegen die Krise

Ja ham’ wir denn schon Weihnachten? Angesichts der Temperaturen draußen möchte man diese fast meinen, aber es ist noch nicht so weit. Da verwundert es umso mehr, was die GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) heute zu verkünden hat: Der Deutsche kauft wieder. Etwas vergleichbares kennt man eigentlich nur aus den frühen Wiedervereinigungszeiten. Die Älteren werden sich noch erinnern können, die Jüngeren kennen es vielleicht aus Erzählungen. Damals war der Konsum eine tragende Säule der deutschen Wirtschaftsentwicklung — wirklich! So kann es weitergehen, zumal es auf der Kasse ohnehin kaum noch etwas für das vielleicht vorhandene Ersparte gibt — und vielleicht in ein paar Jahren, wie die ganz düsteren Schwarzseher meinen, dass Geld futsch ist. Wir kaufen weiter gegen die Krise und die Geldentwertung an und alles wird gut.

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Thomas Schumm am 28. September 2010 in Konjunktur-Wundertüte

Hochstimmung

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn wird noch zum Überbringer guter Nachrichten: “Das konjunkturelle Hoch hält an.” Das Ifo-Geschäftsklima, eine Umfrage unter 7000 Unternehmen, verbesserte sich im September den vierten Monat in Folge.  Es erreicht sogar den höchsten Stand seit Juni 2007, eine Zeit, die weit vor der Lehman-Pleite liegt. Vor allem bei den Einzelhändlern scheint es besser zu laufen, so gut wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Chapeau! Wer hätte gedacht, dass sich diese Branche jemals wieder berappelt. Aber was will man auch schon mit seinem Geld machen, wenn es weltweit kaum noch eine erkleckliche Rendite für die einzugehenden Risiken gibt und der Staat immer mehr wollen könnte — also lieber ausgeben die Flocken.

Mit den Exporten — dem bisherige Wachstumstreiber — könnte es allerdings schwieriger werden, denn der Euro steigt, nicht zuletzt angetrieben von den guten Konjunkturdaten aus Deutschland. Wobei es nicht so ist, dass der Euro vor Stärke strotzt, man denke nur an Irland, Portugal, Spanien und Griechenland, sondern eher an der Schwäche des Dollars. Daran dürfte sich auch so rasch nichts ändern, zumal die amerikanische Notenbank (Fed) deutlich gemacht hat, dass sie an ihrer sehr lockeren Geldpolitik festhalten will solange es mit der US-Konjunktur nicht läuft.

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Thomas Schumm am 24. September 2010 in Konjunktur-Wundertüte

Rezessions-Soße

Was für eine Soße? Dabei macht die Soße doch bekanntlich den Geschmack. Aber auf den Geschmack da kommen die Börsianer derzeit gar nicht. Mal sind die Konjunkturdaten gut, mal weniger gut. Mal wird Double Dip für tot erklärt, dann ist Double Dip wieder angesagt, je nachdem. So bewegt sich der Aktienmarkt seitwärts und es hat auch nicht den Anschein, als ob sich daran etwas ändern könnte. Auch am deutschen Rentenmarkt scheint das eben erst eingestzte Sinken der Kurse (Anstieg der Renditen) schon wieder beendet — was normalerweise ein Anzeichen einer sich bessernden Konjunktur ist, aber was ist schon normal in diesen Zeiten, schließlich ging es auch mit den Kursen nach oben (Renditen nach unten) als die Konjunktur sich aus der Rezession befreite.

Heute passt das bestens in Bild. Die Konjunkturdaten sind gut durchgemischt, aus Irland gibt es auch keine besonders positiven Nachrichten und die Aktienmärkte tendieren, Sie ahnen es, seitwärts.

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Thomas Schumm am 23. September 2010 in Folge dem Geld

Tradition verpflichtet

Das Beruhigende: Es ist wie seit Jahrtausenden. Sind die Staatskassen leer und wahlweise steigen auch noch die Preise für Edelmetalle (beziehungsweise der Preis für Papiergeld sinkt), dann passierte historisch meist folgendes: Der Gehalt von Gold oder Silber in den Münzen (Zahlungsmitteln) wurde verringert. Gut, das Geld war dann zwar weniger wert, aber der Staatskasse tat es doch gut. Und was die alten Römer konnten, das können die Beamten im Berliner Bundesfinanzministerium (BMF) schon lange.

Nachdem die Preise für Gold und Silber derzeit wieder ihre Bergfahrt aufgenommen haben, die Marktteilnehmer sind mal wieder besorgt wegen der Weltkonjunktur und deshalb auch wegen der Schulden von Amerika, Spanien, Portugal, Griechenland, England, Italien, Japan und so weiter und so weiter … Deshalb füchte man wieder in den “sicheren Hafen”. Okay. Dass dann aber ausgerechnet auch Silber steigt, als ausgewiesenes Industriemetall, ist schon etwas seltsam. Aber gut, Silber ist ja das Gold des “kleinen Mannes”. Die großen kaufen somit Gold, die kleinen Silber. Aber lassen wir das. Zurück zum Thema.

Aus diesem Grund (weil Silber steigt) hat das BMF beschlossen, den Silbergehalt der 10-Euro-Silbergedenkmünzen (ein offizielles Zahlungsmittel, weshalb beim Erwerb auch keine Mehrwertsteuer anfällt) zu senken. Bislang bestanden (bestehen) die Silberling noch aus 18 Gramm 925 Sterlingsilber. Demnächst werden es nur noch 16 Gramm 625er Silber sein. Begründung: Man wolle “Rohstoffspekulationen” verhindern … Auch gut.

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Thomas Schumm am 15. September 2010 in Folge dem Geld