In Konrad Hummlers famosen neuen Anlagekommentar 272 geht es richtig zur Sache. Ausgangspunkt ist die Frage: Warum ist Geld nichts mehr wert beziehungsweise warum bringt Kapital keine Renditen mehr? Konrad Hummler macht als Grund tiefgreifende strukturelle Probleme bei den großen Industriestaaten aus, wie eine extrem stimulierende Geld- und Fiskalpolitik, Quantitative Easing und etwa die Abkehr von einer Exit-Strategie zur Beendigung des Quantitative Easing. Er vermutet auch, dass sich unter der Führung des Dollars, gemeinsam mit dem Yen und dem Euro ein Art Tiefstzinskartell gebildet habe.
Seine Vorhersage lautet deshalb, dass sich die Gewichte aufgrund der von den entwickelten Nationen und Staatengemeinschaften gewählten Wirtschaftspolitik viel rascher als gedacht in Richtung der aufstrebenden Regionen der Welt verschieben. Was dann noch übrigbleibt, ist Geriatrie.
Seine Anlageempfehlung: Breit diversifiziert vermögen uns Aktienanlagen (das heisst „taugliche reale Projekte“) deshalb nach wie vor mehr zu überzeugen als garantiert renditelose Nominalwerte von maroden Staatsschuldnern.
Den kompletten Kommentar findet man hier
Thomas Schumm am 27. August 2010 in Folge dem Geld
Ist es mal wieder soweit? Kennt der Wahnsinn keine Grenzen mehr? Heute sank die deutsche Umlaufrendite auf 1,87 Prozent. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren nur noch mit 2,12 Prozent. Die Erkenntnis, die sich jetzt und hier durchsetzt: Geld ist nichts mehr wert, wenn man den Zins als Preis für das Geld unterstellt. DA KANN MAN JA SEINE KRÖTEN GLEICH VERSCHENKEN! [Entschuldigung, aber das muss einmal gesagt werden. Is doch wahr.] Und schuld sind — wieder einmal, möchte man fast sagen — die Amerikaner. Ihre Wirtschaft kommt einfach nicht in Gang. Heute waren es die Auftragseingänge für langlebige Güter, die enttäuschten. Da geht der positive Ifo-Geschäftsklimaindex glatt unter.
Schon ist sie da, die große Deflationsfurcht. Die Angst vor dem Double dip, der zweiten Rezession oder noch viel schlimmeren. Schließlich hält die US-Notenbank ihre Leitzinsen nahe Null und will auch weiter Anleihen kaufen.
Alle sind nervös und kaufen Sicherheit, aber ob es sich dabei auf diesem Renditeniveau wirklich um Sicherheit handelt oder eher um Risiko, welches immer großzügiger ins Depot einsickert, wird sich erst noch rausstellen.
Thomas Schumm am 25. August 2010 in Folge dem Geld
Die Hausse bei deutschen Anleihen setzt sich fort. Auch heute ging es wieder mit dem Bund-Future steil nach oben und mit den Renditen nach unten. Die Umlaufrendite knackte die Marke von 2 Prozent nach unten und notiert nun bei 1,97 Prozent. Wer sein Geld für zehn Jahre dem deutschen Staat leiht bekommt dafür derzeit nur noch 2,28 Prozent pro Jahr. Es gab Zeiten, da wären solche Zinssätze noch nicht einmal als Tagesgeld akzeptiert worden.
Aber die Anleger sind nach den jüngsten negativen Konjunkturdaten wohl nicht mehr bereit irgendwelche Risiken einzugehen und geben sich deshalb auch mit Mickerrenditen als Preis für höhere Sicherheiten zufrieden. Bildet sich hier eine “Sicherheitsblase” bei Anleihen oder signalisieren die Rentenmärkte einen herben Rückfall in eine Rezession? Man wird sehen.
Thomas Schumm am 20. August 2010 in Folge dem Geld
Eigentlich lief es mit dem DAX ganz gut heute. Bis, ja bis aus den USA Konjunkturdaten kamen. Da ging er in die Knie, der DAX. Zu schlecht fielen erneut die Zahlen aus. Mit der US-Wirtschaft läuft es einfach nicht. Diesmal war es der Philly-Fed-Index. Er knickte deutlich ein — eigentlich hatten Analysten einen Anstieg erwartet. So kam es wie es meistens kommt: Der Dow fällt — und wenn der Dow fällt, gibt auch der DAX nach.
Für den DAX wird es nun wieder brenslig. Der kurzfristige Aufwärtstrend ist in Gefahr, sollte es mit den Kursen weiter abwärts gehen. Nächster Halt nach unten wäre dann einstweilen bei rund 5930 Punkten.

Thomas Schumm am 19. August 2010 in Die Börsen-Nachrichten
Man geht auch heute wieder long beim Bund-Future, sprich es werden nach wie vor Bundesanleihen gekauft. Obwohl die Renditen für 10-jährige durch die Kaufwut nur noch 2,33 Prozent betragen, werden die Bestände offenbar weiter aufgestockt. Das verstehe nur, wer an weiter schwierige wirtschaftliche Zeit verbunden mit einer Deflation (also nicht Herr Westerwelle) glaubt.
Deflation? Inflation? Die Inflationsrate lag in der Eurozone im Juli bei 1,7 Plus im Jahresvergleich. Hauptgrund für den höheren Anstieg gegenüber Juni (plus 1,4 Prozent) waren gestiegene Energiepreise. Ohnehin sanken die Preise im Monatsvergleich Juni Juli um 0,3 Prozent. Zumindest von Inflation ist nichts zu spüren. Eher schon eine Ahnung von Deflation.
Ergo: Die Realverzinsung von 10-jährigen Bundesanleihen beträgt nur noch 0,63 Prozent. Klingt nach nicht viel, ist auch nicht viel. Was erwarten eigentlich die Anleger, die jetzt noch Bundesanleihen kaufen? Es muss etwas ganz großes [im Sinne von: schlimm, heftig] sein.
Bund-Future: Beindruckende Hausse

Thomas Schumm am 16. August 2010 in Folge dem Geld
von Rainer Brüderle
Wir erleben derzeit einen Aufschwung XL.
Interpretation:
Was will uns der Autor mit diesen wenigen Worten näherbringen?
In welche Stimmung will uns er versetzen?
In eine gute?
Geht es um einen billigen Aufschwung? Schließlich wissen wir alle, dass dort wo “XL” draufsteht, meist etwas billiges, was nicht viel taugt und meist auch schnell dahin geht drin ist.
Ist dem hier auch so?
Ob der 2,2 Prozent Quartalswachstum im Jahresvergleich können wir mächtig stolz sein. Auch über die 4,1 Prozent im Quartalsvergleich. Insgesamt könnten es in diesem Jahr mehr als 3 Prozent Wachstum werden.
Doch wird der Aufschwung von Dauer sein? Noch immer stützt sich das Wachstum vor allem auf den Export — und das macht anfällig für Rückschläge, wenn es mal im Ausland (USA, China, …) mal nicht so läuft.
Einstweilen freuen wir uns und konsumieren fleißig.
Thomas Schumm am 13. August 2010 in Börsen-Lyrik
Willkommen Deflationszeitalter. Seit fast genau 20 Jahren befindet sich die Umlaufrendite in einem mehr oder weniger stabilen Abwärtstrend (siehe Chart). Das in etwa auch der Zeitpunkt an dem der Eiserne Vorhang fiel und die Globalisierung einsetzt. Erste großes Deflationsopfer war/ist Japan. Werden weitere folgen? Die USA und auch Europa sind “heiße” Kandidaten. Vor allem die hohe Verschuldung erweist sich allenthalben als Hemmschuh.
Beispiel Griechenland. Dort sorgten die drakonischen Sparmaßnahmen im zweiten Quartal für ein Minus der Wirtschaftsleistung von 1,5 Prozent. Die Arbeitslosigkeit sprang auf 12 Prozent, wobei der Internationale Währungsfonds (IWF) selbst einen Anstieg auf 15 Prozent durchaus für möglich hält. Und die hohe Arbeitslosigkeit wiederum könnte über den Schlenker sinkende Konsumausgaben das Wirtschaftswachstum belasten. Wie das funktioniert ist derzeit in den USA(!) zu beobachten. Dort halten die einst so konsumfreudigen Amerikaner ihre Moneten plötzlich zusammen.
Milton Friedman sagte ja: Alles ein monetäres Problem. Also: Geld drucken. Wir werden sehen, ob es hilft.

Thomas Schumm am 12. August 2010 in Wirtschaftswunder
Was, beim Tenno, ist den mit dem Yen los? Er steigt als gebe es kein morgen mehr. Mittlerweile bewegt er sich auf dem Niveau des 15-Jahres-Hochs gegenüber dem Dollar. Man könnte fast meinen, Nippon strotzt nur so vor Vitalität. Doch: Die japanische Gesellschaft ist überaltert, die Jugend quält sich durch Praktika und Zeitarbeit, das Defizit des Staatshaushalts beträgt mehr als 200 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) und dies vor dem Hintergrund, dass die Alten keinen Grund mehr zum Sparen sehen — wozu auch, sie sind ja alt und können das Geld ausgeben. Gut, das ist positiv für den Konsum, aber dennoch könnte ein wichtiger und über lange Jahr zuverlässiger Financier von Japans Staatsdefizit wegfallen.
Alles keine Gründe, den Yen zu kaufen, oder? Welche Erkenntnisse bringt die Zinsseite? In Japan sind die Zinsen eher noch niedriger als in den USA. Also eher einer Argument gegen den Yen. Das Wirtschaftswachstum? Hier läuft es in der Tat ein wenig besser als in den USA und auch die Leistungsbilanz dürfte für Japan sprechen. Allerdings war der Leistungsbilanzbilanzüberschuss schon mal ausgeprägter und mit dem steigenden Yen dürfte die Exportindustrie Nippons nicht gerade florieren. So recht mag das auch nicht überzeugen, sich mit Yen einzudecken.
Was ist mit den Carry Trades? Günstig in Yen verschulden und irgendwo auf der Welt rentierlicher anlegen. Funktioniert auch nicht mehr so gut, da es (siehe oben) kaum noch Plätze auf der Welt gibt, wo die Renditen wirklich ausgeprägter sind (in den USA und Europa fallen die Renditen von Staatsanleihen gerade wieder munter). Zudem: Bei einem tendenziell steigenden Yen macht das nicht wirklich Spaß, schließlich wird der Yen-Kredit immer mehr wert.
Woran liegt es somit? Wird der Yen in dem Dreigestirn Dollar, Euro, Yen noch als die werthaltigste Währung angesehen? Es muss wohl so sein und außerdem versprechen sich Anleger wohl doch ein paar reale Zinserträge mehr als es den Anschein hat. Aber ob das auf Dauer aufgeht?

Thomas Schumm am 11. August 2010 in Folge dem Geld
von Ben Bernanke
Die Leitzinsen werden noch für einen längeren Zeittraum extrem niedrig bleiben.
Interpretation:
Was will uns der Autor sagen?
Ganz klar und aufgemerkt liebe Spekulanten: Bei Bedarf werden die Märkte weiter mit Liquidität zugeschüttet.
Thomas Schumm am 11. August 2010 in Börsen-Lyrik
Die Argumente an den Börse sind ja dieser Tage recht schnelllebig. Mal aufwärts, mal abwärts, mal Deflation, mal Inflation, mal alles in Ordnung, mal nichts in Ordnung … Ein Trend scheint sich aber zu festigen: Aktien und Anleihen steigen (zumindest leicht) gleichermaßen, was ungewöhnlich ist. Denn:
Wenn Aktien steigen, dann heißt das in aller Regel: die Konjunktur läuft besser, es lassen sich höhere Preise durchsetzen, die Margen verbesseren sich, die Gewinne klettern, Kapital wird stärker nachgefragt, die Risikoneigung der Anleger nimmt zu. Und irgendwann könnte auch noch Inflation drohen, wenn der Preisoptimismus der Unternehmen zu groß wird und die Notenbanken dies durch eine ausreichende Geldmenge auch begünstigen.
Wenn Anleihen steigen (Zinsen fallen), dann heißt das in aller Regel: mit der Konjunktur hapert es, die Nachfrage nach Kapital ist aus der Wirtschaft nicht so groß, die Risikoneigung der Anleger nimmt ab, ebenso wie die Inflationssorgen.
Mithin handelt es sich somit um gegenläufige Szenarien. Wie aber kann es sein, dass nun schon seit bald einem Jahr diese beiden Szenarien scheinbar so wunderbar harmonieren?
Es kann nur mit der äußerst expansiven Politik der Notenbanken zu tun haben. Wann immer es auch nur ein Anzeichen einer Konjunkturabschwächung gibt, wird neue Liquidität (zu der ohnehin schon reichlich vorhandenen) in Aussicht gestellt.
Das gefällt natürlich den Aktienmärkten.
Die Skeptiker (traditionell eher an den Rentenmärkten daheim) sehen indes darin nur eine weitere Bestätigung ihres Deflationsszenarios und kaufen vermeintlich sichere Staatsanleihen.
Wer sich wohl letzlich durchsetzt?

Thomas Schumm am 10. August 2010 in Folge dem Geld
Der DAX schafft den Sprung über die bisherige obere Begrenzungslinie. Ein klar positives Signal. Jetzt bleibt allerdings noch abzuwarten, ob es sich nicht bloß um eine Bullenfalle handelt. Noch ist der Ausbruch nicht signifikant genug. Aber freuen kann man sich ja schon mal. Zumindest bis zu den nächsten Arbeitsmarktdaten (am Nachmittag). Grundsätzlich jedoch zeigt der DAX Aufwärtswillen, was hoffen lässt für die nächste Zukunft.

Thomas Schumm am 06. August 2010 in Freudenstadel
Es bleibt dabei: Die Konjunktur in Deutschland (Europa) läuft besser als in den USA. Die deutsche Industrie schreibt im Juni 3,2 Prozent mehr Aufträge in die Bücher. Erwartet worden war ein Plus von “nur” 1,5 Prozent. Es sind vor allem Aufträge aus dem Ausland an die Luftfahrt- (Airbus) und Schienenfahrzeugbranche. Hier beträgt der Anstieg 5,7 Prozent. Im Inlandsgeschäft legten die Geschäft um mickrige 0,3 Prozent zu. Dank dem Export dürfte das zweite Quartal zu einem wahren Boomquartal werden. Konsequenterweise ist der DAX während der Vormittagssitzung auch deutlich gestiegen — wieder über den Stand von vor der Lehman-Krise geklettert.
Dann kamen die US-Arbeitsmarktdaten und mit ihnen die Enttäuschung. Die DAX-Gewinne schmolzen wieder ab. Zu groß sind die Bedenken vor einer weltweiten Konjunkturabkühlung ausgehend von den USA. Auch wird diskutiert, ob Amerika ein “verlorenes Jahrzehnt” aus hoher Arbeitslosigkeit und schwachem Wachstum drohe. Bislang kannte man diese “Eurosklerose” nur aus Europa. Für die Amerikaner wäre das ein Schock, aber die Arbeitslosigkeit oder die Furcht davor dämpft selbst die Konsumausgaben der hartgesottensten Optimisten. Nebeneffekt: Von einer Straffung der US-Geldpolitik dürfte in nächster Zeit nicht auszugehen sein. Eher noch von einer weiteren Lockerung (sofern das noch möglich ist).
Ergo: Die Börsen dürfen sich nach wie vor über reichlich Liquidität freuen und der Euro dürfte fester als der Dollar tendieren. Sorgen bereitet freilich die Weltkonjunktur. Und Gold? Hier riecht es nach schwächeren Kursen. Mit der Wirtschaftsschwäche in den USA verflüchtigen sich auch so machne Inflationssorgen, ungeachtet der superlockeren Geldpolitik der US-Notenbank Fed.
Thomas Schumm am 05. August 2010 in Folge dem Geld