Horst Köhler ist als Bundespräsident abgetreten. Wer wird Nachfolger? Lena? Würde es werden, ist aber noch nicht alt genug. Für das Amt des Bundespräsidenten muss man mindestens 40 sein. Lena ist gerade 19. Wer dann? Klar. Franz Beckenbauer. Ist ohnehin eine bessere Wahl als Lena. Er hat schon alles gewonnen, alles erreicht, als Spieler, Trainer, Mensch. Ist selbst längst Lichtgestalt.
Den brauchen wir für Deutschland, wenn wir jetzt Abschied nehmen müssen von Umverteilung und Wohlstandsstaat. Sein Rat: Bälle flach halten, hoch gewinnen. Mit ihm als Bundespräsident wird Deutschland vermutlich wieder Wachstumsraten von 7 bis 8 Prozent erreichen — mindestens. Selbst die Chinesen werden staunen.
Mit Beckenbauer als Bundespräsident wird selbst Sparen und Wachstum miteinander vereinbar sein. Mit genialen Pässen wird er den Weg durch das Eurodickicht und die Abwehrreihen der Spekulaten weisen. Also: “Geht’s raus und spielt’s Fußball.”
Thomas Schumm am 31. Mai 2010 in Die Börsen-Nachrichten
Gut, dass wir die Chinesen haben. Und diese auch noch den Euro lieben. So sehr, dass sie dies auch öffentlich bekunden. Vielleicht sorgen sich ja die Chinesen, dass ihnen der Euro abhanden kommt und ihnen nur noch der andere Währungspartner, der Dollar, bleibt, der ja auch nicht gerade toll aussieht mit seinen Schulden. Auf jeden Fall reagierten die Märkte sehr erleichert darüber, dass die Chinesen an ihren Euro-Engagements festhalten wollen und diese womöglich sogar noch ausbauen.
Mit DAX und Euro Stoxx 50 geht es steil nach oben. Plötzlich ist an den Märkten auch die Rede davon, dass die Eurozone und insbesondere Deutschland von einem schwachen Euro wirtschaftlich profitieren könnten. Ohnehin sei der Euro vorher überbewertet [hört, hört] gewesen und hätte dadurch Exporte gebremst. Damit sei nun endlich Schluss.
Seltsam, dass die Märkt dies erst jetzt reflektieren, wo doch die ganz Aktion doch wohl unter anderem dazu galt [oder?], den Euro soweit zu schwächen, dass auch noch die Letzten in Europa auf den Weltmärkten mithalten können. Aber versteh’ einer die Börsen.
Interessanter Artikel zum Thema:
Die Mär von der Spekulation von Otmar Issing
Thomas Schumm am 27. Mai 2010 in Die Börsen-Nachrichten
von Jochen Sanio
Die Aussichten für das Jahr 2010? Wird, was heute noch gehalten
hat, morgen brechen? Im internationalen Finanzsystem lauern
noch genügend Gefahren, welche die Welt aus den Angeln heben
könnten, noch dazu aus Ecken, in denen kaum jemand größere Risiken
vermutet hat.
Es scheint sie kaum noch zu geben, die
sicheren Häfen, in denen man Zuflucht suchen kann, wenn die
Stürme über die internationalen Finanzmärkte fegen.
Auch sie [die Lebensversicherer] können sich nichts
sehnlicher wünschen, als dass so bald wiemöglich wieder
normale Zeiten einkehren. Doch danach sieht es nicht aus.
Die Finanzmärkte werden nur dann ihre Funktionsfähigkeit
zurückgewinnen, wenn sie einen neuen Ordnungsrahmen
erhalten, der die übergroßen systemischen Risiken
unter Kontrolle bringt.
Interpretation:
Haben wir da richtig gelesen? Der Autor schreibt davon, dass im internationalen Finanzsystem noch genügend Gefahren lauern, dass es übergroße systemische Risiken gebe. Müssen wir uns noch mehr Sorgen machen, als wir uns ohnehin schon machen? Will uns der Autor eindringlich warnen? Doch ein Lösung lässt er offen. Auch sichere Häfen gebe es kaum noch, orakelt er. Ja wohin dann mit dem Geld? Es bleibt wohl nur noch ausgeben. Dafür ist Geld wohl auch da und nicht zum Anlegen …?
[Anmerkung der Redaktion: Der Autor ist Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin.]
Thomas Schumm am 26. Mai 2010 in Börsen-Lyrik
Jetzt also Spanien. So oder so ähnlich ging es doch auch mit Griechenland los, oder? Wobei die Staatsverschuldung in Spanien längst nicht griechische Ausmaße annimmt. Die spanischen Probleme liegen eher am Arbeitsmarkt und der Industriestruktur. Hier liegt der Sprengsatz. Eine Arbeitslosigkeit von rund 20 Prozent, eine Jugendarbeitslosigkeit von 40 Prozent und eine Wirtschaft, die stark vom Bau abhängig ist, sind keine guten Voraussetzungen für einen notwendigen Sparkurs. Entfaltet zudem die dortige Immobilienkrise ihr ganzes Potenzial, sieht es auch für den Bankensektor schnell sehr düster aus. Jüngst musste ja bereits die Sparkasse Caja Sur gerettet werden. Wird jetzt tatsächlich gespart, droht eine Beschleunigung der Abwärtsspirale. Es riecht nach deflationärer Krise oder zumindest Rezession. Börsen mögen das gar nicht. Aber so ist das mit Kreditkrisen. Diese lassen sich letztlich nur durch besagten deflationären Schock oder Inflationierung beseitigen.
Thomas Schumm am 25. Mai 2010 in Die Börsen-Nachrichten
Im Spannungsfeld zwischen extremer Verunsicherung (durch die Politik), Deflation (Sparen) und Inflationierung (Notenbanken) werden Prognosen für Aktien-, Anleihen- und Devisenmärkte immer schwieriger und die Ausschläge zunehmend erratischer. Der Börsentag heute ist ein Musterbeispiel dafür.
Erst sackte der DAX kräftig ab, dann begann die fulminante Aufholjagd — fast schon ein One-Day-Reversal. Die 200-Tage-Linie hat gehalten. Hat sich sogar ein Morningstar herausgebildet? Insgesamt gar nicht so schlecht. Man wird sehen.

Beim Euro-Dollar ging es ebenfalls aufwärts. Auch hier scheint noch Platz nach oben zu sein, was allerdings einstweilen am übergeordneten Abwärtstrend nichts ändert. 1,30 Dollar scheinen angesichts der umgekehrten Kopf-Schulter-Formation (30-Minuten-Chart) möglich.

Thomas Schumm am 21. Mai 2010 in Folge dem Geld
Ansteckungsgefahr. Die Anleger haben immer noch Angst vor dem, neudeutsch, Contagion Risk. Zwar haben die Investoren nach Rettungspaket am 10. Mai wieder etwas Mut gefasst, aber insgesamt bleibt doch ein mächtiges Bibbern.
Morgan Stanley Global Risk Demand Index (GRDI) erreichte am 7. Mai ein 10-Jahres-Tief.

Interessant auch das der Euro-Dollar-Kurs vor diesem Hintergrund eine besondere Schwankungsfreude (Volatilität) beziehungsweise ein hohes Abwärtsmomentum entwickelt hat. Wohl ein Hauptgrund für das Eingreifen der Politik, wie Sophia Drossos von Morgan Stanley schreibt.

Die Wahrscheinlichkeit für eine Intervention beziffert Morgan Stanley deshalb auch mit 30 Prozent (was eine hohe Interventionswahrscheinlichkeit bedeutet).

Thomas Schumm am 21. Mai 2010 in Folge dem Geld
Fluchtpunkt Bundesanleihen. Die Lage heute: Aktien will keiner mehr haben, obwohl Sachwerte — auch Schweizer Aktien nicht. Gold als klassische Krisenanlage wird auch eher verkauft (kein Wunder nach der Hysterie der vergangenen Tage). Insgesamt geht des mit Edelmetallen eher gen Süden. Rohstoffe sind nicht sehr gefragt, Öl überhaupt nicht. Der Euro hält sich recht wacker, fällt aber auch leicht. Es ist offensichtlich: Der Markt will nach unten. Wer Gründe dafür sucht wird zur Genüge fündig.
Vor allem verunsichert die Kakophonie aus der Politik. Leerverkäufe hier. Leerverkäufe ausweiten. Leerverkäufe weiterlaufen lassen. Finanzmarktsteuer ja oder nein. Regulierung. Keiner kennt sich mehr aus. Also wird mit den Füßen abgestimmt; dorthin, wo es einem derzeit am sichersten erscheint: in Richtung Bundesanleihen. Diese steigen heute, wiedereinmal.
Thomas Schumm am 20. Mai 2010 in Folge dem Geld
Was war das denn heute an den Börsen? Die Reaktion, dass die Bafin in Deutschland Leerverkäufe auf bestimmte Finanzaktien, europäische Staatsanleihen und Kreditausfallversicherungen (CDS) verboten hat? Kleine beleidigte Börse, du … Angeblich seien die Märkte geschockt durch den deutschen Alleingang, über dessen Sinnhaftigkeit man doch sehr zweifel muss. Es stünde um Europa noch schlechter als ohnehin schon angenommen, wurde munter interpretiert. Die deutschen Regierenden seien von blanker Panik getrieben. Letzteres könnte stimmen. In Sachen Finanzen wirkt “Berlin” wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen, mit Verlaub.
Etwas mehr Ruhe, Gelassenheit und Souveränität täte sicherlich nicht nur den Märkten gut. Nicht Leerverkäufe und CDS’ sind Schuld an der Misere — sie haben sie allenfalls verstärkt –, sondern das unglückliche hantieren mit “Rettungspaketen” und “Rettungsmaßnahmen”. Inzwischen haben die Märkte die Politik dort, wo sie sie haben wollten: in der Ecke. Noch dazu wurden Verträge verletzt (jedes EU-Land ist für seine Finanzen selbst verantwortlich — kein Bail out) und die Reputation der EZB beschädigt (Staatsanleihen kaufen).
Und: Die Märkte verhalten sich vor dieser Kulisse keineswegs irrational (“Wolfsrudel”). Risiken werden neu bewertet (was auch eine Aufgabe der Märkte ist) und die Preise entsprechend angepasst. Wenn griechische Anleihen kein Anleger mehr haben will, dann dürfte dies einen Grund haben, oder? Den Anpassungs-Mechanismus will die Politik — weil zu unbequem? — aber anscheindend außer Kraft setzen.
Heute wurden deutsche Staatsanleihen gekauft und der Euro hat sich wieder deutlich berappelt. Ansonsten ist so ziemlich alles an Aktien gefallen, was nur fallen konnte. Auch Gold wurde gegeben. Begründung: Deutsche Staatsanleihen gelten nach wie vor als Hort der Sicherheit. Bei Euro und Gold war nach der Hysterie eine Gegenreaktion überfällig. Die Konsolidierung bei Aktien ist noch nicht ausgestanden.
Thomas Schumm am 19. Mai 2010 in Die Börsen-Nachrichten
Franklin D. Roosevelt erklärte in seiner Antrittsrede zum Amt des US-Präsidenten 1933: „Die Kreditgeber bestimmten die Religion und als einzige Methode zur Lösung der Schuldenkrise schlagen sie noch mehr Schulden vor“. Das war vier Jahre nach Beginn der großen Depression.
Ich fürchte(?), wir sind in eine neue Zeitrechnung eingetreten. Das mit dem Schuldenmachen ist Vergangenheit. Aus dem einfachen Grund: Es finden sich immer weniger Anleger, die all die Schulden kaufen können und wollen. Der Nimbus des Staats, der nicht pleite gehen kann ist nach der Griechenland-Krise deutlich angekratzt. Vielen Investoren schwant, dass auch Großbritannien, Japan, die USA, Spanien, Italien, Portugal nicht weit von ihrem Griechenland entfernt sind. Deshalb müssen/mussten jetzt auch die Notenbanken in den USA (Fed), in Großbritannie (Bank of England) und Europa (EZB) den Anleihen-Schrott aufkaufen.
Das zwingt die Handelnden zum Umdenken. Ein hochnervöser und völlig verunsicherter Außenminister Guido Westerwelle zeigt, wie ein Politiker moderner Prägung dasteht, wenn er nichts mehr zu verteilen hat und doch so gerne verteilen möchte (Guido geliebte Steuersenkungen).
Die Kassen sind leer. Neue Schulden machen ist schwierig. Also, es bleiben zwei Wege: Sparen/Einnahmen erhöhen oder Inflationieren.
Es hat den Anschein, dass es die Politik (zunächst) mit dem Sparen beziehungsweise mit dem Einnahmen erhöhen versuchen will. Die Vorschäge: Finanzmarktsteuer (Merkel/Schäuble), bei der Bildung kürzen (Koch). [Nun gut, Inflationiert wird ja auch schon ein bisschen.]
Was das heißt: Wir dürften in naher Zukunft ein paar “nette” Verteilungskämpfe erleben.
Ring frei!
Die guten Jahre sind vorbei!?
Thomas Schumm am 18. Mai 2010 in Wirtschaftswunder
Es bleibt (einstweilen) dabei: Gold ist gesucht und der Euro wird gegeben. Wer will es den Leuten verdenken nach all den unschönen und hinlänglich diskutierten Ereignissen in jüngster Zeit. Inzwischen ist “alles” bekannt, “alles” zerredet — und auch “alles” in den Kursen drin (zumindest kurzfristig)? Ist es Zeit für eine Gegenreaktion? Euro rauf. Gold runter. Die Schere ist schon sehr weit aufgegangen (siehe Chart). Vielleicht sollten Gold-Haussiers und Euro-Baissiers erstmal langsam tun.

Thomas Schumm am 17. Mai 2010 in Folge dem Geld
Kann den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch politisch bitte mal jemand stoppen!? Mit Verlaub: Hat der Herr sie noch alle? Sollen wir allen Ernstes bei unseren Kitas, Kindergärten, Schulen, Universitäten — sprich unserer Zukunft [wir haben keine Rohstoffe] — sparen, um das Geld anschließend in den Club Med (Griechenland, Spanien, Italien, Portugal) zu überweisen? ICH GLAUBE ES HACKT!
Der Euro ist ruiniert (siehe aktuelle Devisenkurse von 1,23 Dollar), gut, dies lässt sich nicht mehr ändern. Aber dass wir jetzt auch noch unsere Zukunftsfähigkeit aufs Spiel setzen sollen, ist schon ein starkes Stück. Dass es ein deutscher Politiker fordert, könnte so mancher als subversiv wahrnehmen.
Thomas Schumm am 15. Mai 2010 in Schämecke
Herr Trichet, seines Zeichens EZB-Chef, meint, wir Deutschen sollen doch wieder mehr sparen. Schließlich gebe es hierzulande eine “Tradion gesunder Staatsfinanzen” [er meint wohl die Zeit zwischen 1945 und 1970, aber gut]. Deutschland müsse in dieser Hinsicht wieder eine “Vorbildfunktion in Europa” einnehmen.
Ähm …? Wozu? Dafür, dass das hier Ersparte in einer Transferunion Richtung Griechenland, Portugal, Spanien, Italien oder sonstwohin fließt? Ich fürchte, wir haben in den vergangenen Jahren schon viel zu viel gespart (bei aller Liebe zur Solidarität). Während es in anderen Ländern die schönsten Wirtschaftssauen gab, quälten wir uns mit Hartz I bis V, Konsumverzicht und Rente mit 67 (und jetzt quält uns Herr Koch). Ohne diese Anstrengungen wäre jetzt ohnehin diese Transferleistungen (nach den notwendigen Transfers und Solidaritätszuschlägen für die Wiedervereinigung) nicht möglich.
Ich bin mir gar nicht sicher, ob Deutschland überhaupt noch sparen sollte. Besser ist es vielleicht, wenn wir den Rest noch selbst verprassen, ehe auch unsere Kreditwürdigkeit dahin ist. In diesem Sinne: Lasst es krachen, ihr Schwäbischen Hausfrauen!
Thomas Schumm am 14. Mai 2010 in Wirtschaftswunder