8,3 Prozent, wo gibt es heutzutage noch solche Zinsen – und ich meine nicht Kreditzinsen? Richtig, bei unserer guten alten Telekom. Für das abgelaufene Geschäftsjahr wird eine Dividende von 78 Cent ausgeschüttet. Auf Grundlage des aktuellen Kurses der Aktie errechnet sich eben jene sagenhafte Dividendenrendite.
Gut, dafür muss man auch ein gewisses Kursrisiko eingehen, schließlich hapert es bei der Telekom etwas mit der Strategie im Allgemeinen und der Strategie Geld zu verdienen im Besonderen. Weshalb die traditionellen Telefongesellschaften von bösen Analysten auch schon mal als dumb pipe bezeichnet werden (im Gegensatz zu dem Unternehmen, die mit der Web-Infrastruktur Geld machen). Volles Rohr dämlich daneben? Jetzt soll es Strategie 2.0 oder Web 2.0 oder etwas anderes richten – man weiß es eben nicht so genau.
Dennoch ist die T-Aktie sicher nicht uninteressant. Immerhin verspricht die Deutsche Telekom – jetzt kommt’s – in den kommenden drei Jahren eine Mindestdividende von 70 Cent (es sind diese Sätze, die wir Aktionäre so lieben)! Auf aktueller Kursbasis ergibt sich daraus eine Dividendenrendite von immerhin 7,4 Prozent (und das bei einem Unternehmen, das zu einem beträchtlichen Teil dem Staat gehört).
Wie immer gilt: Das ist natürlich keine Anlageempfehlung. Jeder ist für sein Erspartes selbst verantwortlich!
Thomas Schumm am 26. Februar 2010 in Fresh Money Buys
Generalstreik. Die Hellenen protestieren gegen die drastischen Sparpläne der sozialistischen Regierung. Sparen macht ja schließlich auch keinen Spaß. Und letztlich muss man für das Ersparte auch noch arbeiten und Steuern zahlen … Uuuuhh! Ganz schlimm.
Ein Transparent zieht die Aufschrift: “Das Volk und seine Bedürfnisse sind wichtiger als die Märkte.” Schön! Klar.
Bei allen berechtigten Bedürfnissen des griechischen Volkes, es hat sich nun mal in den vergangenen Jahren ganz extrem vom Geld anderer die netten Bedürfnisse bezahlen lassen. Liebe Griechen: Das war kein geschenktes Geld, es war eigentlich nur geliehen. Sollten wir uns in diesem Punkt falsch verstanden haben? Mithin sollte es auch mal wieder zurückgezahlt werden.
Jetzt geraten Märkte und Bedürfnisse aneinander. So ist das im Leben. Die Märkte überlegen, ob sie noch bereit sind, die (wachsenden) Bedürfnisse auf Dauer zu finanzieren. Noch sind sie es. [Im Übrigen möchte ich als EU-Steuerzahlen nicht dafür aufkommen, mir reichen unsere eigenen Bedürfnisse vollauf.]
Aber vielleicht sollte man ja den Hellenen dankbar sein. Sie drücken so herrlich den Euro, was doch ein hübsches Konjunkturprogramm für unsere Vizeweltmeister-Exportwirtschaft darstellt. Allerdings zickt Ben Bernanke heute wieder etwas rum, vor dem Kongress: Er will die Zinsen in den USA “außerordentlich” lang niedrig halten, was eigentlich nichts Neues ist. Der Euro zieht aber leicht ein. Evtl. sollten die Griechen noch etwas heftiger für unseren Aufschwung streiken, schließlich bezahlen wir sie dafür auch gut …

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Thomas Schumm am 24. Februar 2010 in Wirtschaftswunder
:: Ooooh …
:: Was ist denn?
:: Ooooooooh …
:: Ja red doch!
:: Die Börse …
:: Was ist denn mit ihr?
:: Sie fällt – tief.
:: Ich dachte alles sei wieder gut.
:: Dachte ich auch.
:: Und.
:: Nix ist gut: Ifo fällt – erstmals seit 10 Monaten, Verbrauchervertrauen fällt und die Arbeitslosigkeit steigt bei den Amis.
:: Ach.
:: Und die Commerzbank … ich sag nur: Leichen.
:: Leichen?
:: Die Leichen im Keller schwemmt es nun rauf … neue Abschreibungen auf faule Papiere. Und Merck.
:: Merck?
:: Da reicht schon ein magerer Ausblick, um die Aktie in den Keller zu schicken. Es sieht alles nicht gut aus.
:: So so …
Thomas Schumm am 23. Februar 2010 in Börsianer im Dauerstress
Die Märkte haben den Bernanke Blues. Sie tun überrascht. Dabei war klar, dass die Fed den traditionellen Abstand zwischen Fed Fund Rate (Leitzins) — derzeit bei 0,25 Prozent — und dem Diskontsatz — er steigt von 0,5 auf 0,75 Prozent — von einem Prozentpunkt wieder herstellen wird. Der erste Schritt Richtung “Normalität”. Der US-Diskont dürfte somit sogar weiter steigen.
Für die Finanzmärkte bedeutet das: Die Zeit des superbilligen Geldes geht zu Ende (langsam).
Für alle Spekulanten: Carry Trades auflösen, oder?
Für die Aktienmärkte: es könnte hie und da zu Kursrückgängen kommen (Carry Trades werden aufgelöst).
Für die Rohstoffmärkte: dito.
Thomas Schumm am 19. Februar 2010 in Die Börsen-Nachrichten
Was ist denn mit dem Daimler los? Oh Gottele. Im vergangen Jahr haben die Stuttgarter Konzernedelmarkenlenker satte 1,5 Milliarden Euro an die Wand gefahren (vor Steuern und Zinsen – Ebit). Schämt euch!
Immerhin – Chef Zetsche reumütig: “Das vergangene Jahr brachte auch für Daimler große Herausforderungen mit sich.”
So sooo.
Aber Herr Zetsche ist schon wieder optimistisch: “Wir kommen mit einem hohen Drehmoment aus der Krise.”
Mir als Daimler-Aktionär tun die gut sechs Prozent (bis jetzt) Kursverlust dennoch weh, sehr sogar. Zumal auch noch die Dividende GESTRICHEN wurde! DER DAIMLER ZAHLT KEINE DIVIDENDE MEHR!
Findet sich nach all den Integrierten-Technologie-Weltkonzern-Bauern denn niemand, der das Unternehmen solide führen kann?
Ich muss an Warran Buffett denken. Wie sagt er doch: “Ein Unternehmen muss so gut sein, dass es auch ein Idiot führen kann. Denn irgendwann wird ein Idiot kommen und das Unternehmen führen.”
Frage: Wie viele Idioten waren eigentlich schon bei Daimler?
Wenigstens ist der Ausblick positiv: 2,3 Milliarden Euro Ebit. Da wundert die negative Kursreaktion schon etwas. Es kann nur besser werden …
Thomas Schumm am 18. Februar 2010 in Schämecke
:: Was macht der DAX?
:: Er wartet.
:: Auf was?
:: Ob die 200 Tage-Linie hält.
:: Und, hält sie?
:: Hm. Sieht eher so aus, als will der Markt nach unten.
:: Ach.
:: Der Chinese will die Kreditvergabe weiter eindämmen durch höhere Mindestreserven der Banken. Und dann sind da noch die Griechen und die amerikanischen Verbraucher die weniger Vertrauen haben. Überall Nervosität. Öl fällt auch und der Euro sowieso und beim Gold schwankt’s. Aber vielleicht hält sie ja doch, die 200-Tage-Line.
:: Ach.
Thomas Schumm am 12. Februar 2010 in Börsianer im Dauerstress
Exit-Strategie. Der US-Notenbank-Chef Ben Bernanke bastelt an seiner Exit-Strategie.
Verkauf von Wertpapieren aus dem Fed-Bestand, aber erst wenn eine Straffung der Geldpolitik bereits im Gange sei und die Erholung der Wirtschaft auf einem stabileren Fundament stehe
Abschüpfen der (Überschuss-)Liquidität durch Repros oder Term Deposits
Anpassung des Diskont-Satze an historische Werte. Der Abstand zur Fed Fund Rate (Leitzins) soll wieder einen Prozentpunkt betragen. Derzeit: 0,25 Prozentpunkte.
Eine Straffung der Geldpolitik stehe nicht unmittelbar bevor und die Zinsen dürften noch für längere Zeit sehr niedrig bleiben
Klingt alles gut und nachvollziehbar.
Mit anziehenden Zinsen ist somit vorerst nicht zu rechnen.
Thomas Schumm am 11. Februar 2010 in Wirtschaftswunder
Nichts fürchten Notenbanker inzwischen mehr als den Contagion-Effekt. Dabei geht es um Ansteckung (engl. contagion). Keiner soll sich mehr infizieren beim anderen, wie damals bei den Lehman Brüdern. Die hatten das Virus in die Finanzwelt gebracht. Hauptsymptom: plötzlicher Zusammenbruch, akute Geldnot. Therapie: viel, viel Geld in den Kreislauf reinpumpen.
Deshalb kam es bei Griechenland auch so, wie es kommen musste. Um die Seuche einer möglichen grassierenden Staatenpleite gleich von Anfang an einzudämmen, wird jetzt Griechenland geholfen. Wie? Das ist noch offen. Aber allein die Ankündigung reicht bereits, um zu beruhigen.
Man darf aber gespannt sein, wie die Sparvorschläge der EU bei der griechischen Bevölkerung ankommen.
Thomas Schumm am 11. Februar 2010 in Wirtschaftswunder
Zugegeben, es ist kein echter Fresh Money Buy. Es handelt sich eher um die Frage: Sollte man oder sollte man nicht? Bertelsmann bietet (noch bis zum 22. Februar) den Inhabern der Genussscheine von 2001 einen Rückauf an. Kurs: 180 Prozent. Darin sind auch schon die Ausschüttung für dieses Jahr — 15 Prozent auf den Grundbetrag — enthalten (Ausschüttungen hängen bei Genussscheinen vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens ab). Netto werden somit 165 Prozent geboten.
Onvista errechnet bei einem derzeitigen Kurs von rund 173 Prozent hieraus eine (stattliche) Rendite von 8,7 Prozent.
So, was nun? Vielleicht lohnt die Frage: Warum will Bertelsmann zurückkaufen? Sie brauchen das Geld nicht mehr? Sie haben genug Geld? Sie können sich am Kapitalmarkt aktuell günstiger refinanzieren? Was sagt der Finanzvorstand Thomas Rabe: „Wir nutzen wie viele andere Unternehmen auch das derzeitige Marktumfeld, um unsere Kapitalstruktur zu optimieren und die Kapitalkosten zu senken“. Aha.
Entscheidend ist: Wird Bertelsmann bis zur ersten Kündigungsmöglichkeit 2017 brav seine Ausschüttungen in voller Höhe leisten? Wegen eines möglichen Imageschadens eines Ausfalls vermutlich ja. Aber wer weiß das schon.
Zunächst will Bertelsmann 150 Millionen (30 Prozent) zurückkaufen. Schließt aber weitere Rückkaufaktionen nicht aus.
Also, wer an Bertelmann (und deren Ausschüttungen) glaubt sollte eher nicht. Alle anderen gehen auf Nummer sicher und nehmen das Angebot an.
Thomas Schumm am 09. Februar 2010 in Fresh Money Buys
Der frühere US-Finanzminister, Henry Paulson, befand sich während der Finanzkrise am Abgrund. Deshalb heißt seine eben vorgelegte Autobiografie auch — Sie ahnen es … “On the Brink”. Und was hat man in der Regel am Abgrund? Angst, viel Angst. So auch Paulson, wie er freimütig bekennt. Und was macht man, wenn man Angst hat (zumindest die Gäubigen unter uns)? Sie beten. Gut, Paulson lässt beten, seine Frau, in der Stunde der größten Not, als die Situation am dramatischsten ist und zu entgleiten droht. Doch später schlüpfte er flink und gestärkt in seinen Kampfanzug (1. Platoon, 37484 Bataillon, 349485 Regiment usw.) und zog in die Schlacht. “Gemeinsam schaffen wir das.” Ganz in der Tradition amerikanischer Pioniere. So kennen wir das aus unzähligen Western, so wollen wir das.
Inzwischen ist Paulson auch noch geläutert und fordert strengere Regeln für die Finanzindustrie.
Thomas Schumm am 08. Februar 2010 in Börsen-Lyrik
Perlen sind es nicht
Die Perlen sind Euros
Und diese werden vor die Säue geworfen
Die Säue sind eigentlich PIGS*
Der Euro mag es nicht
Er fährt nach unten
Auf dem Highway to Hell[as]
*PIGS: Portugal, Irland, Griechenland, Spanien
Thomas Schumm am 05. Februar 2010 in Börsen-Lyrik
Es wird ja dieser Tage viel über Staatshilfen geplaudert. Soll man oder soll man nicht? Zwei Protagonisten dieses Meinungs-Spagats sind Friedrich August von Hayek (Freund der Freiheit) und John Maynard Keynes. Auf Econstories.tv haben sich die Autoren der Sache einmal ganz anderes genähert. Durchaus hörenswert und mit Witz.

F. A. Hayek zum Geld:
“Wir werden niemals Inflation verhindern können, solange wir der Regierung nicht das Monopol der Geldausgabe wegnehmen. Regierungen haben uns niemals gutes Geld gegeben, ja die Begründung für das Geldausgabemonopol der Regierungen war noch nicht einmal die, sie würden uns gutes Geld geben, sondern immer nur die, sie bräuchten es zu Finanzierungszwecken. Das Ergebnis war, daß wir zweitausend Jahre lang ein Monopol hatten, das niemand in Frage gestellt hat. Wenn wir also eine freie Gesellschaft erhalten wollen, müssen wir die Demokratie neu gestalten und der Regierung das Geldausgabe-Monopol nehmen.”
J. M. Keynes zur Langfristigkeit von Theorien:
“Langfristig sind wir alle tot.”
Thomas Schumm am 05. Februar 2010 in Wirtschaftswunder