Monatsarchiv für Oktober 2009

DAX-Aufwärtstrend in Gefahr

Heute: Die beliebte DAX-Analysedauerstress1
:: Was macht der DAX?
:: Oh je.
:: Warum oh je?
:: Der Aufwärtstrend.
:: Was is mit ihm?
:: Er ist in Gefahr?
:: Ach.
:: Wenn’s jetzt weiter fällt, dann fällt es noch weiter.
:: Hm.
:: Es könnte aber auch ein Pull Back an die Ausbruchslinie der umgekehrten Kopf-Schulter-Formation sein.
:: Hm.
:: Dann wäre eigentlich alles gar nicht so schimm.
:: Ja?
:: Das hieße, kurz zurück und dann wieder aufwärts.
:: Schön, ich liebe Charttechnik.

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Thomas Schumm am 30. Oktober 2009 in Börsianer im Dauerstress

Wachstumstod

Brauchen wir eine neue globale Wirtschaftsordnung? Macht uns die Wirtschaft krank? In Japan brechen immer mehr Menschen bei der Arbeit zusammen – zu viele Überstunden. Für das Schuften bis zur Bahre gibt es dort sogar einen feststehenden Begriff: Karoshi. Doch auch bei uns in Europa tun sich manche Menschen immer schwerer ihr Leben und das Arbeitsleben in einen harmonischen Gleichklang zu bringen. Die Selbstmorde bei der France Telecom könnten ein – freilich sehr krasses – Indiz dafür sein.

Zyniker könnten nun sagen. Arbeit habe schon immer krank gemacht oder war gar tödlich. Wie viele unserer Vorfahren  – besonders die mutigeren – starben wohl bei der Jagd, also der damaligen Hauptbeschäftigung?

Doch sollte unsere Gesellschaft in reifer geworden sein? Vielleicht könnte es sich für uns alle lohnen darüber nachzudenken, mit kleineren Wachstumsraten glücklich oder sogar glücklicher zu werden. [Zumal in den kommenden Jahren das Potenzialwachstum ohnehin geringer ausfallen dürfte.] Im neuen Koalitionsvertrag ist auch viel von Wachstum die Rede und darüber wie glücklich wir wohl alle sein werden, wenn es denn wieder “richtig” anspringen sollte. Um das klar zu sagen: Wachstum ist gut und notwendig, aber muss dem so ziemlich alles untergeordnet werden. Möglich, dass das Streben um immer mehr Wachstum ein Streben der Vergangenheit ist.

Als Lesetipp sei noch die Enzyklika Caritas in Veritate empfohlen.

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Thomas Schumm am 30. Oktober 2009 in Wirtschaftswunder

Retter der Welt

Konjunktur

Ich sage es ja immer: Für den Drang der Amerikaner, Waren hemmunglos zu konsumieren kann man gar nicht dankbar genug sein. Im dritten Quartal ist dadurch die US-Wirtschaft im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent gewachsen, was zugleich der stärkste Anstieg seit zwei Jahren ist. Analysten hatten nur 3,2 Prozent erwartet. Amerika shoppt für die Welt.

Auch am amerikanischen Wohnungsmarkt (privater Wohnungsbau plus 23,4 Prozent)  und der Exportindustrie (hier macht sich wohl der niedrige Dollar bemerkbar) gibt es Anzeichen einer Besserung. Ist es wie immer? Die Welt nölt und jammert und Amerika wächst, obwohl dort eigentlich alles so schlecht sein soll? Alles wird gut. Alles wird gut?

Na ja, da gibt es freilich die Sache mit dem den zwei Billionen, die in die US-Wirtschaft gepumpt wurden. Gäbe es trotz dieser “Konjunkturspritze” keinen Aufschwung, wäre das doch sehr sehr bedenklich. So bleibt abzuwarten, was passiert, wenn die Hilfsprogramme auslaufen. Schon jetzt wird ja darüber spekuliert, ob dann – sollte die Konjunktur schwächeln – einfach neue Programme aufgelegt werden, vermutlich auf Pump, weil Geld ist ja keines mehr da.

Und in Deutschland: Die Zahl der Arbeitslosen geht im Oktober überraschend deutlich zurück. Es wäre schön, wenn Deutschland nur mit einer kleinen “Beschäftigungsdelle” davonkäme. Aber der eigentlich Lakmustest dürfte mit dem massenhaften Auslaufen der Kurzarbeit erst noch bevorstehen.

Dennoch: Die Börse jubelt. Der DAX steigt nach fünf verlustreichen Tagen wieder an. Wir freuen uns mit Amerika.

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Thomas Schumm am 29. Oktober 2009 in Konjunktur-Wundertüte

Gewinnwarnung bei SAP

SchaemdichUm knapp acht Prozent bricht die Aktie von SAP heute ein. Im dritten Quartal lief es gar nicht gut beim Softwarekonzern. Die Jahresprognose wird gesenkt. Dabei hatte jüngst Konkurrenzt Oracle die Erwartungen übertreffen können. SAP blieb mit seinen Quartalszahlen hinter den Analystenprognosen zurück. Dabei hatte Vorstandschef Leo Apotheker Besserung gelobt. Vor allem die schleppende Nachfrage in Japan und China macht SAP zu schaffen. Die Aktie sollte man vorerst wohl meiden. Ein Fall für die Schämecke.

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Thomas Schumm am 28. Oktober 2009 in Schämecke

Nervosität

Die Börsen-Nachrichten: Plötzlich ist sie wieder da, die Nervosität unter den Börsianern. Ganz besonders Bank-Aktionäre scheinen verunsichert. Ausgangspunkt war eine angekündigte Kapitalerhöhung des niederländischen Finanzkonzerns ING. Die Aktie verlor zeitweise 20 Prozent. Die Aktien von Banken und Versicherungen zog es danach meist deutlich ins Minus (die Münchener Rück ist da eine kleine Ausnahme). Aus zudem auf die Stimmung drückte: In den USA soll es wieder mit den Immobilien nicht so gut laufen.

Letztlich ist es vermutlich wieder so wie immer. Es werden Gründe zum Verkaufen gesucht. Hat man dann (scheinbar) welche gefunden, wird verkauft, weil man ohnehin verkaufen wollte. Gerade die Finanzwerte sind halt schon vorher gut gestiegen. Der Markt will nach unten, einstweilen.

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Thomas Schumm am 26. Oktober 2009 in Die Börsen-Nachrichten

Schwarzer Freitag

Vor 80 Jahren krachte es an der Wall Street gewaltig. Heute geht es – trotz leichter Kursverluste – deutlich ruhiger zu. Vor einem Jahr war die Situation dagegen angespannter. Die Welt bangte, dass sich 29 wiederholen könnte. Dank dem entschlossenen Krisenmanagement der Regierungen blieb die Kernschmelze des Finanzsystems allerdings aus (schön so!). Dennoch ging es mit den Kursen noch eine Weile abwärts (nachdem sie in den Monaten zuvor schon kräftig absackten). Hat die Welt seit den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts etwas gelernt? Ja und nein.

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Thomas Schumm am 23. Oktober 2009 in Folge dem Geld

Dollar Down

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Ist der Dollar so etwas wie ein sicherer Hafen? Es scheint so. Während der Hochzeiten der Finanzkrise kehrte er zu alter strotzender Stärke zurück. Seitdem diese aber nicht mehr tobt und die Aktienmärkte steigen, schwächelt der Greenback. Ein wenig komisch ist das schon, schließlich werden die USA in diesem Jahr voraussichtlich ein Bugdet-Defizit von knapp 14 Prozent aufweisen und die dortige Notenbank druckt Geld als gäbe es kein Morgen. All das ist schon länger bekannt, auch schon, als der Dollar noch stieg – und spricht nicht unbedingt für die Theorie eines sicheren Hafens.

Dennoch scheint an dem Gedanken etwas dran zu sein, denn wieso sonst fällt nun der Dollar. Weil Greenbacks in zu großer Zahl gedruckt werden? Warum steigen aber dann nicht die Zinsen in den USA? (Gut, das könnte daran liegen, dass die US-Notenbank US-Anleihen aufkauft, aber sicher nur zum Teil.)

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Thomas Schumm am 21. Oktober 2009 in Folge dem Geld

140000000000

Es läuft. Es läuft. Keine Bange. 140 Milliarden Dollar Boni wollen 23 große Banken, Hedge Fonds und Vermögensverwalter der Wall Street in diesem Jahr wohl ausschütten. Das sind sogar 10 Milliarden Dollar mehr als im Rekordjahr 2007 (noch vor der großen Krise – oder gab es überhaupt eine Krise?).

Zur Erinnerung: Noch im vergangenen Jahr überlegten wir zu dieser Zeit, ob wir nicht einen Banker zu uns nach Hause zu Weihnachten einladen sollten – aus Mitleid über sein garstiges Schicksal. Wir haben es dann gelassen und all die strauchelnden Banken weltweit mit Staatsgeld (das noch bezahlt werden muss – wer übernimmt das eigentlich?) vor dem Zusammenbruch gerettet.

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Thomas Schumm am 15. Oktober 2009 in Folge dem Geld

NanoRepro

Wenn Homer Simpson seine verbliebenen Spermien einzeln begrüßt, ist das tragisch-komisch. Überlicherweise gibt es ja (hoffentlich) noch etwas mehr zu zählen. Demnächst schon (wohl noch in diesem Jahr) können Männer in Deutschland selbst einen Fruchtbarkeitstest machen – Zuhause und diskret. “FertiQUICK” heißt das Produkt aus dem Hause NanoRepro. Damit trifft das Unternehmen den Zeitgeist. Heimdiagnostik wird zunehmend populärer. Bereits im Portfolio des Unternehmens befinden sich der Schnelltest für den Eisprungtest der Frau, OvuQUICK, der Schwangerschaftstest GraviQUICK sowie der Getreideunverträglichkeitstest GlutenCHECK. Weitere innovative Heimtests befinden sich in der Entwicklungspipeline.

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Thomas Schumm am 14. Oktober 2009 in Fresh Money Buys

Goldrausch

Gold BullionGold glänzt, ohne Zweifel. Bald täglich steigt der Preis für das Gelbe Metall und alle Welt fragt sich: warum? Nun, das probate Argument lautet derzeit: Die Notenbanken haben viel Liquidität zur Rettung des Systems in eben dieses gepumpt und werden für diese laxe Politik schon demnächst die Quittung bekommen. Sprich, die Inflationsraten werden drastisch ansteigen und unser schönes Papiergeld immer wertloser machen.

Einziger Schönheitsfehler dabei: Die Zinsen steigen nicht so recht, wie es es tun sollten, wenn die Finanzwelt Inflationsgefahren befürchten würde. Siehe auch “Fallende Zinsen“.

Also, was bleibt dann: Die Nachfrage? Gut, die Konjunktur zieht an, aber von Gold wandern nur etwa zehn Prozent in die industrielle Produktion. Die Schmuckindustrie? Jörg Zeuner, Chefökonom der VP Bank, geht davon aus, “dass die Nachfrage nach Gold aus der Schmuckindustrie eine untergeordnete Rolle spielt – auch wenn die Hochzeitssaison in Indien anläuft”.
Hm? Klar, der Dollar. An seiner Stellung als Reservewährung wird immer mehr herumkritisiert. Das sorgt nicht gerade für Vertrauen. Sicher ein Grund.
Ein zweiter – und womöglich der entscheidende – geht in ähnliche Richtung. Gold wird von den Investoren als Versicherung gehen den totalen Zusammenbruch der Finanzsysteme (Meltdown) angesehen. Investoren, die so denken, können Gold kaufen (und den Goldpreis nach oben treiben) und zugleich in (Staats-)anleihen investieren und so die Zinsen niedrig halten.

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Thomas Schumm am 13. Oktober 2009 in Folge dem Geld

Fallende Zinsen

Was ist bloß mit den Zinsen los? Alle Welt sagt ja: Jetzt, jetzt, müssen sie steigen. Aber? Sie fallen eher. Dabei drucken die Notenbanken weltmeisterlich Geld und schütten dies über dem dem wackligen Finanzsystem aus. Auf das sich dieses stabilisiere und sich jeder Geld nehme oder bekomme und dieses zum Wohle der Wirtschaft wieder ausgebe. Von Inflationsgefahren will an den Anleihenmärkten offenbar niemand etwas wissen.

Von einer Konjunkturerholung auch nicht. Gute Konjunkturdaten (aus Deutschland etwa) oder gute Unternehmensmeldungen (Philips, Alcoa) werden an den Rentenmärkte beharrlich ignoriert. Dort rechnet man anscheinend eher mit einer Deflation, also fallenden Preisen. Die derzeitige Konjunkturerholung wäre für diese Gruppe somit eine zwischenzeitliche Angelegenheit.

Wo liegen die Gründe für die fallenden Zinsen?

1.
Sind es die Notenbanken (sprich die Fed), die massenhaft US-Treasuries kauft und damit die Preise stützt?
2.
Fehlt es an sicheren Anlagealternativen, sodass auch Staatsanleihen mit Mini-Rendite ins Depot gelegt werden?
3.
Bereiten sich die Rentenmärkte auf einen neuerlichen Konjunktureinbruch vor? (Die Deflation ist noch nicht ausgestanden.)
4.
Irren die Rentenmärkte?
5.
Ist so viel Liquidität da, dass etwas eben auch an die Rentenmärkte geht?

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Thomas Schumm am 12. Oktober 2009 in Folge dem Geld

Deutsches Exportmodell

Oh ooooh! Im August sind überraschend die deutschen Exporte gesunken. Zuvor gab es drei Anstiege. Die konnten allerdings die tiefe Kerbe, die die Weltwirtschaftskrise in die deutsche Exportindustrie geschlagen hat nicht zukitten. Im Jahresvergleich August 2008 zu August 2009 bleibt ein Minus von 20 Prozent. Es wird noch eine ganze Weile dauern – anziehende Weltwirtschaft hin oder her – bis dieser Rückgang wieder wettgemacht ist.

Deutschland tut deshalb sicher gut daran, sein bisheriges Geschäftsmodell (viel in Ausland verkaufen und dem Ausland dafür Kredite gewähren) zu überdenken. Es sollte mehr im Inland investiert werden und darüber nachgedacht werden, wie man Deutschland generell für Investoren attraktiver macht.

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Thomas Schumm am 09. Oktober 2009 in Konjunktur-Wundertüte