Monatsarchiv für August 2009

Huuuch!

Und das gerade jetzt, wo man sich so an die Krise gewöhnt hatte. Wo man sich eingerichtet hatte. Wo es so kuschelig wurde mit der Krise. Jetzt. Ist. Sie. Vorbei. Plötzlich. Beim Aus-der-Krise-kommen sind wir sogar schneller als die Amis. Hat das die Krise verdient, dass wir sie so arglos wegschupsen? Die Wirtschaft wächst im zweiten Quartal um 0,3 Prozent (im Quartalsvergleich). Experten und Volkswirte hatten eigentlich ein Minus von 0,3 Prozent erwartet.

Etwas anderes haben wir nicht erwartet,  dass die Auguren bei ihrer Prognose schon wieder daneben liegen. Auch die Krise kam ja scheinbar aus heiterem Himmel. Jetzt kriecht halt die Sonne (heh, es gibt sie noch), zack, hinter Gewitterwolken hervor.

Aber darf man darüber jubeln? Auch in Deutschland? Auch in Wahlkampfzeiten, in denen jeder Retter sein will.
Na ja. Experten warnen vor Euphorie … Eine gute Nachricht?

Also, wo stehen wir:

  • Lager wurden abgebaut (klassischer Rezessionsauslöser) und werden vermutlich wieder aufgebaut. Bedeutet mehr Bestellungen.
  • Unternehmen haben Kosten reduziert, was gut für die Gewinne ist. Allerdings fallen die Preise, was auf die Marge drückt, aber möglicherweise wieder durch ebenfalls sinkende Einkaufpreise ausgeglichen werden kann.
  • Die US-Konsumenten hinterlassen eine Nachfragelücke, die so rasch nicht geschlossen werden dürfte.
  • Und da haben wir noch ein klizekleines Problem mit den Staatshaushalten nach der Bankenrettung, was höhere Steuern und Abgaben bringen könnte.

Ergo: Es bessert sich, aber nur langsam.

Und trotzdem: Gute Zahlen tun einfach gut. Die Börse freut’s auch. Plus ein Prozent im DAX heute.

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Thomas Schumm am 13. August 2009 in Wirtschaftswunder

Systemisch

Ist gibt Dinge (Begriffe), die mag ich nicht mehr hören. Mein derzeitiger Favorit: systemrelevant. Warum? Weil: 1. Damit inzwischen eigentlich gemeint ist, dass jemand Kohl will, für die er nicht gearbeitet hat (Steuergelder). 2. Was ist das eigentlich systemrelevant? Sollte es in unserer guten alten (sozialen) Marktwirtschaft nicht möglich sein, dass eine Bank pleite geht, ohne dass wir gleich den totalen Untergang fürchten müssen. Ich finde ja. Sozusagen als Katharsis. Dann gäbe es auch kein Gezänk um Abfindungen, Gehaltsfortzahlungen (Georg Funke, Ex-Chef HRE, klar steht wohl im Vertrag, ist aber dennoch unglaublich) Boni bei Pleitebanken. Bank zu. Kein Geld mehr da. Aus. Basta. Solange die Kundeneinlagen kollektiv abgesichert sind, wäre das die beste Lösung. Immerhin sieht dann auch alle Welt, dass es Konsequenzen hat, wenn man etwas verbockt (was für die allermeisten von uns gilt).

Deshalb bin ich mir auch nicht sicher, ob es ein gutes Signal ist, wenn demnächst die Deutsche Bank Sal. Oppenheim übernimmt. Ohne ein Bankenexperte zu sein, aber irgendwie drängt sich mir der Zusammenhang aus: je größer, desto systemrelevant.

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Thomas Schumm am 07. August 2009 in Wirtschaftswunder

Deutschlandplan

Kaum hat F.W. Steinmeier seinen Deutschlandplan verkündet, da geht es auch schon aufwärts. Das zeigt wiedereinmal, dass die Wirtschaft, das Land, ja wir alle positive Visionen brauchen. Die Orderlage in der deutschen Industrie ist überraschend gut. Im Juni gingen 4,5 Prozent mehr Aufträge als im Vormonat (preis- und saisonbereinigt) ein. Schon nimmt man von den Volkswirten ein vernehmliches “die Rezession ist zu Ende” wahr. Es ist schön. Jetzt kann der Sommer kommen. Danke F.W.

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Thomas Schumm am 06. August 2009 in Wirtschaftswunder