In den vergangenen Monaten haben wir gejammert, gebangt und uns beim Zusehen der Talkshows zum Thema Wirtschaftskrise (sehr zahlreich) die Augen rot geheult, so traurig war das mit der Konjunktur, insbesondere mit der deutschen. Doch nun wird alles anderes, doch nun wird alles gut. Schon zum vierten Mal in Folge steigt das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, der Ifo-Index. “Es scheint, dass die Wirtschaft wieder Tritt fasst”, erklärte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. “Es scheint”, sagt der konjunktur-gestrenge Herr Sinn, aber immerhin. Ich fühle mich jedenfalls gleich viel besser. Es geht aufwärts. Im zweiten Halbjahr wird es wieder Wachstum geben, ein kleines, aber immerhin.
Bleibt noch das Problem der vermutlich zunehmenden Arbeitslosenzahlen. Aber vielleicht fällt auch hier der Anstieg nicht so deutlich aus. Und da wären natürlich noch die Banken. Das sind die, die zur Rettung vom Staat Milliardensummen bekommen haben (weil systemrelevant), die aber das mit dem systemrelevant irgendwie anders verstanden haben müssen, eher im Sinne von: Erhaltung des eigenen Systems und nicht des gesamten Wirtschaftssystems, weshalb die Banken von der Notenbank zur Verfügung gestellte Geld lieber wieder bei der Notenbank anlegen, anstatt systemrelevant Kredite an Unternehmen zu vergeben, die danach nachfragen und wofür sie, die Banken, die Milliardensummen von uns Steuerzahlern eigentlich bekommen haben. Aber trotzdem, heute lasse ich mir die Laune nicht verderben.
Thomas Schumm am 24. Juli 2009 in Konjunktur-Wundertüte
Gut, wer dieser Tage noch ein paar Reiche hat (diese sind ja auch ärmer geworden). Diese werden gebraucht, um die Finanz- und Wirtschaftskrise noch maroder gewordenen Staatsfinanzen zu sanieren. Die Einführung einer Vermögenssteuer und die Erhöhung der Grundsteuer sollen die Kassen wieder füllen. Zur Erinnerung: Beides sind Bestandssteuern, das heißt, egal, ob etwas dazu kommt, es wird besteuert. Notfalls bis zur bitteren Neige, bis also nichts mehr da ist. Mitunter wird das auch Enteignung genannt. Besonders bitter kann das für einige Häuslebesitzer werden, die ihre “eigenen” Vier Wände auf Pump finanziert haben. Sie gelten wegen der Reihenhaushälfte als reich und müssten höhere Grundsteuern zahlen und gleichzeitig ihren Kredit abstottern. Könnte happig werden.
Vielleicht sollte man stattdessen darüber nachdenken Top-Einkommen höher zu besteuern. Etwa ab einer Millionen mit 70 Prozent oder so. Oder man sollte nochmal über der Erbschaftssteuer grübeln. Ist es sinnvoll, wenn eine Gesellschaft Dynastien fördert? Bringt ihr das etwas? Oder sollte für jede Generation der Anreiz bestehen, etwas zu schaffen und nicht nur vererbt zu bekommen?
Bei einer Vermögenssteuer werden auch diejenigen bestraft, die sehr leistungsfähig sind, bei Erben muss sich das erst noch herausstellen.
Thomas Schumm am 23. Juli 2009 in Wirtschaftswunder
Ja, glaube ich’s denn! Die T-Aktie steigt tatsächlich und das schon seit Tagen. Heute um mehr als einem Prozent. Findet hier am Ende so etwas wie eine Bodenbildungen (wie die Techniker sagen) statt? Folgen dem tiefen Absturz nun bessere Zeiten? Zu hoffen wäre es (auch ich habe ein paar T-Aktien im Depot). Uninteressant ist die T-Aktie nicht. Immerhin verspricht sie eine Dividendenrendite (vorausgesetzt, die Dividende in Höhe von 78 Cent wird auch im kommenden Jahr gezahlt, was keineswegs sicher ist, schließlich gibt es das ein oder andere Problemchen) von gut neun Prozent. Und telefoniert wird auch in Krisenzeit (oder da sogar noch mehr). Wichtig: Nicht vergessen den Risikohinweis zu lesen.
Thomas Schumm am 22. Juli 2009 in Fresh Money Buys
Dringend! Frau Schickdanz leidet! Sehr! Die Quelle-Erbin hat ihre Milliarden durch Unfähigkeit verzockt. Jetzt droht der Rauswurf aus ihren Villen in St. Moriz, an der Cote d’Azur oder in Hersbruck (“nur” Franken). Sie lebe von 600 Euro im Monat. Das müsse man sich mal vorstellen … Gehe zum Italien nebenan zum Pizzaessen. Unglaublich. Wenn sich die Gute das noch leistet, kann es doch auch noch nicht so schlimm sein. Und das Allerschlimmste: “Ich bekäme mit meinen 65 Jahren nicht einmal Rente”, jammert die Madeleine. Das ist immer die Stelle (ich lese die Nachricht immer und immer wieder), an der ich zu weinen beginne, so tief bin ich gerührt und erschüttert. Wer schert sich eigentlich um meine Aktienverluste.
Das sind wahre Schicksale. Vielleicht sollte man unter den Quelle- und Karstadt-Mitarbeitern eine Kollekte für die Frau starten. Die Resonanz wäre sicherlich überwältigend angesichts eines drohenden Arbeitsplatzverlustes, dauerhafter Arbeitslosigkeit, Hartz IV, Zwangsversteigerung des noch nicht abbezahlten Eigenheims. Wer spendet in solch einer Notsituation nicht gerne. Zumal das Geld an diejenige fließen würde, die zu einem Großteil für den Schlamassel verantwortlich ist. Also Volk, gebt was ab von eurem Reichtum, auch und gerade in der Finanzkrise, für notleidende (Ex-)Milliardäre.
Vergelt’s Gott!
Thomas Schumm am 20. Juli 2009 in Wirtschaftswunder
Ja, auch Krisen haben ihre Gesichter. Gute. Schlechte. Verknitterte (Stand jetzt, vermutlich, aufgrund der Zeitdauer). Abgetakelt. Usw. “Die Krise verändert ihr Gesicht – sie ist nicht weg”, sagt Pimco-Chef Mohamed El-Erian. Er ist Teil des “Triumvirats” (Barron’s) zu dem auch noch Anleihen-Legende Bill Gross und Paul McCulley gehören. [Der Allianz-Tochter und Anleihen-Spezialistin haben Anleger rund 800 Milliarden Dollar anvertraut und die drei lagen mit ihren Prognosen und Taten (Pimco Total Return Bond Fonds) in den vergangenen Jahren der Krise ziemlich gut.]
Aber zurück zu den Gesichtern des El-Erian. “Wir haben keine Krise im Systems, sondern eine Krise des Systems, ” verkündet er. Kleiner geht es nicht. Deshalb bleibt er auch “geduldig und defensiv”, auch weil die Weltgemeinschaft insgesamt langsamer wachsen werde und es werde, wegen der zunehmenden Staatsverschuldung, auch höhere Inflationsraten geben.
Was soll man mit so einer Einschätzung anfangen, an einem Tag, an dem der DAX mal eben wieder über die 5000er-Marke geguckt hat? Erneute Panik? Alles verkaufen? Ich würde mal sagen: In der Tat geduldig bleiben (wie immer übrigens an der Börse). Vielleicht kann es sich auch lohnen, die ein oder andere Depotpositionen dahingehend zu überprüfen (ohne Hektik), ob sie vielleicht nicht doch zu risikoreich …
Thomas Schumm am 17. Juli 2009 in Folge dem Geld
Jetzt auch MAN. Die Münchner investieren in China. 25 Prozent und eine Stimme kaufen sie an Sinotruk, dem größten chinesischen Hersteller von Nutzfahrzeugen. Gut so. MAN gibt Gas. Die Druckmaschinensparte MAN Roland ging zum größten Teil an einen Finanzinvestor und vom Großaktionär VW wurde das LKW-Geschäft in Südamerika übernommen. Chef Hakan Samuelsson baut den Konzern konsequent um und konzentiert sich immer stärker auf LKWs. Das Unternehmen ist sozusagen auf Spur.
Der Aktie tut das durchaus gut. Sie steigt, derzeit zumindest (heute auch). Den Chart könnte man so deuten, als sei der Kurs jüngst aus einer Konsolidierungsformation nach oben ausgebrochen, was positiv ist.
[Leser sollten auch den Risikohinweis beachten. Danke.]
Thomas Schumm am 16. Juli 2009 in Fresh Money Buys
:: Schön.
:: Was schön?
:: Du fragst noch? Die Börse natürlich.
:: Und?
:: Immerhin drei Prozent plus heute.
:: Und?
:: Und. Und. Und. Ich freu mich halt.
:: Warum?
:: Uuuuuääääh. Meine Aktien steigen. Deshalb.
:: Fallen ja eh wieder.
:: Ach …
:: Ja.
:: Und deshalb darf ich mich nicht freuen, oder?
:: Schon, aber man muss halt auch an die Zukunft denken.
:: Und da fallen wieder die Kurse?
:: Ja.
:: Und warum?
:: Darum halt. Weil sie immer irgendwann fallen. Und wegen der schlechten Konjunktur.
:: Schlechte Konjunktur war gestern. Heute will die Börse nach oben. Aufwärts. Alles wird gut.
:: Ich mag keine Aktien.
:: Dann lass es halt.
Thomas Schumm am 15. Juli 2009 in Börsianer im Dauerstress
Puuuh! Geschafft. War’s das mit der Wirtschaftskrise?
Schön wäre es.
Die Anzeichen sind durchaus ermutigend – zumindest heute.
Da wären:
- Goldman Sachs verdient offenbar (fast) schon wieder so glänzend wie in den allerbesten Zeiten. Im zweiten Quartal hat die US-Bank einen Gewinn von 2,7 Milliarden Dollar ausgewiesen (3,4 Milliarden Dollar wären es ohne die Vorzugsdividenden gewesen). Die Einnahmen betrugen 13,8 Milliarden Dollar.
- Die US-Banker denken bereits darüber nach, sich wieder satte Gehälter zu gönnen. Eigentlich sollte das doch der Vergangenheit angehören… Aber wir wollen mal nicht so sein, zum Wohle aller. Obwohl darüber noch zu reden sein wird.
- BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson sieht “ermutigende Signale” und für die ersten sechs Monate 2010 “echtes Wachstum”. Die BMW-Aktie haussiert.
- Die Amis kaufen wieder Autos. Gut so. Die US-Einzelhandelsumsätze sind im Juni unerwartet stark um 0,6 Prozent gestiegen.
- Die Anleihenmärkte in Deutschland geraten unter Druck, wodurch die Renditen steigen. Umlaufrendite: 3,09 Prozent. Das heißt doch, dass der Markt wieder besseren konjunkturellen Zeiten entgegen blickt.
Was vergessen? Sollte eigentlich reichen, oder? Wann hat es zuletzt eine solche Litanei guter Nachrichten gegeben? Lange her. Freuen wir uns.
Muss man sich deshalb Gedanken um die Börse machen? Ein wenig schon. Sell on good News, heißt es doch. Allerdings darf die Frage gestattet sein, ob dies wirklich schon die guten Nachrichten sind? Wie dem auch sei. Die Börse steigt. Sie hat immer recht. Manchmal auch mit dem Gegenteil.
Thomas Schumm am 14. Juli 2009 in Konjunktur-Wundertüte
Blond ist heute gut für ein Kursplus von drei Prozent im DAX. Ja, Frau Meredith Whitney, die populäre freie Analystin aus den USA ist blond und hält zurzeit die Aktien von Goldman Sachs besonders aussichtsreich. (Frau Whitney sieht doch aus wie Frau Melanie Griffith zu ihren besten Zeiten, oder?)
Endlich wissen wir, was wir an unseren blonden Frauen haben. Ist das jetzt chauvinistisch? Frauenfeindlich? Nein. Schließlich hat das “Buy” von Frau Whitney den ganzen Markt nach oben gezogen, was ein Grund zur Freude für uns alle ist (oder alle Aktienbesitzer ist).
Fraglich ist allerdings, ob es wirklich die Studie von Frau Whitney war, die derart Kauflaune verbreitete. Aber einen Grund muss es ja geben, wenn der Markt nach oben will. Doch lassen wir das. Freuen wir uns darüber, dass es nach oben geht. Egal, wer den Anlass dazu liefert, hauptsache sie ist blond.
Noch ein paar Fragen zum Nachdenken:
- Hätte die Börse auch auf eine Frau mit schwarzen Haaren (wahlweise brünett) derart positiv reagiert?
- Brauchen wir mehr blonde Analystinnen, um aus dieser unsäglichen Wirtschafts- und Finanzkrise herauszukommen?
- Wer fragt eigentlich nach der Haarfarbe von männlichen Analysten?
Thomas Schumm am 13. Juli 2009 in Die Börsen-Nachrichten
Ja, es ist soweit. Nun ist es offiziell. Deutschland bekommt seine Bad Bank. Der Bundestag hat es verabschiedet. Klingt doch gut. Aber auch irgendwie nach Seifenoper. Gute Banken, schlechte Banken. Ist auch irgendwie so. Schließlich sind die schlechten Banken ja eigentlich gute Banken, weil sie ja alles retten sollen. Die guten schlechten Banken nehmen all die toxischen Wertpapiere (sie wissen schon: Collateralized Debt Obligations, Credit Default Swaps und so) auf, die früher einmal (gedankenvolles schmachtendes ach …) gut waren und infolge der Finanzkrise schlecht wurden – oder kam es zur Finanzkrise, weil die Wertpapiere schon früher schlecht waren? Über diese Frage werde ich nun in Klausur gehen. Bis dahin.
Thomas Schumm am 03. Juli 2009 in Die Börsen-Nachrichten
:: Wie stehen wir jetzt? Neeeeiiiin, ich will es gar nicht …
:: Im DAX minus drei Prozent und ein bisschen was.
:: Schlimm.
:: War ja nur eine Frage der Zeit.
:: Klugscheißer.
:: Die Amis kaufen keine Autos mehr, im Juni sind die Verkäufe eingebrochen, die laufen jetzt, wegen Öko und so.
:: Ach, wegen Öko und so …
:: Die Amis sind doch jetzt auch alle arbeitslos, na ja, fast alle jedenfalls und Kalifornien und Schwarzenegger sind pleite.
:: Und deshalb machen sie jetzt auf Öko, oder was?
:: Wenn sie sonst schon nix zu tun haben.
:: Ähhm …?
:: Wir sind auch alle arbeitslos.
:: Wir?
:: Die Europäer.
:: Schlimm das alles.
:: Wenigstens bleiben uns unsere Schulden.
:: Schön.
:: Jetzt minus 3,5 im DAX.
:: Klugscheißer.
Thomas Schumm am 02. Juli 2009 in Börsianer im Dauerstress
Die dereinst so stolze Branche des deutschen Maschinenbaus scheint sich aufzulösen. Die Aufträge brechen in unverminderter Geschwindigkeit weg. War es im April ein Minus von 58 Prozent (im Vergleich zum Vorjahr), ging es im Mai nochmals um 48 Prozent abwärts. Schon im April wurde laut im Maschinen-Wald gepfiffen: Schlimmer kann es ja nicht werden, nun geht es wieder aufwärts. Jetzt klingt es so: ” Bei den Auswirkungen der Krise haben wir das Schlimmste wohl noch nicht gesehen.” [Also: Ran Frau Bundeskanzlerin und Herr Außenminster (Kanzlerkanditat), hier könnte sich ein großes Betätigungsfeld eröffnen.]
Eine interessante Studie zum Thema Dauer und Heftigkeit von Banken- und Immobilienkrisen haben die Autoren Carmen M. Reinhart und Kenneth S. Rogoff unter dem Titel The Aftermath of Financial Crises (Entwurf) vorgelegt. Danach lässt sich der Absturz in der Regel 1,9 Jahre Zeit und das Bruttoinlandsprodukt sinkt in dieser Phase um 9,1 Prozent. Gleichzeitig steigt die Staatsverschuldung in den ersten drei Jahren nach einer Bankenkrise um durchschnittlich 86 Prozent (die vielen Hilfspakete). Auch unangenehm: Die Arbeitslosigkeit steigt im Schnitt 4,8 Jahre um 7 Prozentpunkte.
Thomas Schumm am 01. Juli 2009 in Konjunktur-Wundertüte