Carmignac-Analystin Haiyan Li-Labbé // Aktien-Markt China // Auf Erfolgskurs trotz neuer Normalität

by • 19. Dezember 2014 • AußenvisionenComments (0)1207

Eine Außenvision von Haiyan Li-Labbé, China Analystin bei der Fonds-Boutique Carmignac Gestion. Ihr aktueller Ausblick für die chinesische Wirtschaft und Chinas Aktien-Markt.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht machen sich die Anleger um den Wachstumstrend in China große Sorgen. Für die chinesischen Behörden scheint die Parole „die neue Normalität“ zu lauten. Im Gegensatz zu dem hohen Wachstum der Vergangenheit bedeutet dies unserer Einschätzung nach für die kommenden Jahre eine offizielle Wachstumsrate von 5 bis 7 Prozent. Wir gehen jedoch davon aus, dass das reale Wachstum in China aktuell bereits sehr niedrig ist und eher bei 3 bis 4 Prozent als bei den 7 bis 8 Prozent liegt, die von der Regierung in Aussicht gestellt worden sind. Ein guter Indikator hierfür ist der Stromverbrauch, der pro Jahr um 2 bis 3 Prozent ansteigt.

Warum aber gibt die Staatsführung höhere Zahlen heraus? Eine Erklärung dafür könnte der Fokus der chinesischen Regierung auf die soziale Stabilität sein, die der nahezu wichtigste wirtschaftspolitische Richtwert ist. In den Jahren 2008 und 2009 setzte die Staatsführung im Kampf gegen die hohe Arbeitslosigkeit auf umfassende Ankurbelungsmaßnahmen. Seit 2008 hat sich die demografische Struktur Chinas aber grundlegend verändert, denn die Bevölkerung wird immer älter, während der Anteil der Erwerbstätigen sinkt. So ist die Beschäftigungssituation mit einer Arbeitslosenquote von 4,5 Prozent inzwischen wieder sehr solide. Es mangelt sogar an qualifizierten Arbeitern, und die chinesischen Fabriken müssen die Löhne um 10 Prozent pro Jahr erhöhen, weil die Zahl der Arbeitnehmer zwischen 20 und 40 Jahren zurückgegangen ist. Deshalb befürchtet die Regierung in dieser Gesellschaftsschicht auch keine soziale Instabilität. Dank der niedrigen Rohstoffpreise – allen voran der Energiepreise – stellt aber auch die Teuerung zurzeit kein Problem dar, so dass die Inflation der Verbraucherpreise moderat bleiben sollte. So freuen wir uns über die kürzlich angekündigte, erste Zinssenkung seit Juni 2012. Für die nächsten Monate erwarten wir noch weitere monetäre Lockerungsmaßnahmen wie zusätzliche Zinssenkungen sowie eine Reduzierung der Mindestreservequoten und -sätze. Ein solcher Lockerungszyklus würde chinesischen Aktien zugute kommen.


Die Tendenz chinesischer Aktien war in der Vergangenheit eng mit dem Wirtschaftswachstum des Landes korreliert. Die immens hohe Kreditvergabe hat Liquiditätsblasen und Überschusskapazitäten entstehen lassen, die bei den Unternehmen jedoch nicht zu Profitabilitätssteigerungen geführt haben. Wegen der jüngsten Reformen (die sich insbesondere auf Firmen in Staatsbesitz konzentriert haben), der internen Kontrollen sowie der Bekämpfung der Korruption sollte die Profitabilität staatlicher Unternehmen in den nächsten Jahren aber ansteigen. Die Gründe dafür werden eine höhere Effizienz der Firmenleitungen, eine geringere Verschwendung von Ressourcen sowie ein Abbau der Überschusskapazitäten innerhalb der Industrie sein. Zuletzt waren in diesem Zusammenhang bereits einige ermutigende Verbesserungen zu beobachten.

Zu den Branchen, die wir aufmerksam beobachten, zählen in erster Linie die Sektoren Automobile, Konsumgüter sowie fehlbewertete Unternehmen. Am Markt für A-Werte gibt es zudem eine Vielzahl von Ineffizienzen, die attraktive Anlagechancen in den Sparten Pharma, Medien, IT und Umwelttechnik eröffnen.

 

Bildquelle: Carmignac Gestion

 


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