Gold-Referendum in der Schweiz // Eine nicht ganz so glänzende Idee

by • 19. November 2014 • PlusvisionenComments (1)2494

Natürlich die Schweizer. Das Land mit all den Tresoren. Das war schon bei Asterix bei den Schweizern so, als man sich vor den Häschern in Schließfächern versteckt hat. In die Tresore der Schweizer Nationalbank (SNB) soll jetzt auch wieder Gold, so möchte es die Volksinitiative „Rettet unser Schweizer Gold (Gold-Initiative)“. Mindestens 20 Prozent der Notenbank-Aktiva. Das Gold muss zudem in der Schweiz lagern und darf nicht mehr verkauft werden. Die Schweizer stimmen darüber am 30. November ab.

Das Kalkül dahinter: Mit Gold wird alles gut. Gold wird es richten. Gold kann man nicht beliebig vermehren, so wie man Papiergeld beliebig drucken kann. Und wenn erst jeder Franken wieder mit Gold hinterlegt ist, dann werde es sich schon zum Besten für die Schweiz fügen – aber, steht es schlecht um die Schweiz? Das Vertrauen ins Papiergeld und in die Notenbanken hat in den vergangenen Jahren stark gelitten, wohl auch bei den Eidgenossen.

Wobei, man vom Franken wahrlich nicht sagen kann, dass es sich dabei um eine Weichwährung handelt oder das die Schweiz von enormen Preissteigerungen geplagt wäre. Das Schweizer Bundesamt für Statistik (BFS) erwartet für 2014 eine Teuerungsrate von sage und schreibe 0,1 Prozent. Im kommenden Jahr könnte sie dann auf erstaunliche 0,5 Prozent anziehen.

Der Außenwert des Franken war/ist so stabil, dass sich die SNB 2011 sogar genötigt sah, ihn an den Euro zu koppeln. Unter 1,20 Franken darf der Euro nicht sinken, weil man ab da um die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Exportindustrie fürchtet. Die SNB kauft somit immer dann Euro auf, wenn zu befürchten ist, dass dieser unter die 1,20- Franken-Marke rutscht. Gibt es für den Ankauf ein Limit: Nein sagt die SNB. Ein Limit muss es auch nicht geben. Die SNB kann derzeit grundsätzlich so viele Franken drucken wie sie will und dafür Euros kaufen. So lange die Franken im Ausland dankbar abgenommen werden, kein Problem. Aber gerade darum muss sich die Schweiz zurzeit überhaupt nicht sorgen.

Die Bilanzsumme ist, auch durch die Euro-Käufe, auf 522 Milliarden Franken oder umgerechnet 435 Milliarden Euro angeschwollen (Stand Ende September). Die Goldbestände (und Forderungen aus Goldgeschäften) betragen 39 Milliarden Franken oder 7,5 Prozent der Bilanz-Aktiva. Bei einem Ja müsste dieser Anteil auf 20 Prozent ansteigen. Die Notenbank müsste Gold in einem Umfang von mindestens 65 Milliarden Franken hinzukaufen, hat die VP Bank ausgerechnet.


Nun ergeben sich interessante Szenarien:

  • Kauf die SNB das Gold in Franken, dann schafft sie damit auch Geld, was inflationär wirken könnte. Die Inflationsrate könnte ansteigen und der Franken unter Druck geraten. Gut, das kann sich die Schweiz erlauben, könnte sogar gewünscht sein, wenn auch nicht von den Gold-Deckungsfreunden, die ja gerade das Gegenteil dessen erreichen wollen.
  • Kauft die SNB das Gold in Euro, würde vermutlich schnell der Peg, also die Koppelung zum Euro, in Gefahr geraten, weil der Euro gegenüber dem Franken abwerten würde. Die Wechselkursuntergrenze müsste wohl aufgegeben werden. Damit würde auch die Bilanz verkürzt, was den Goldanteil in der Bilanz steigen ließe, da ja kein Gold verkauft werden dürfte.
  • Will die SNB auch künftig die Wechselkursuntergrenze verteidigen und dazu Euro aufkaufen und wird dadurch die Bilanz verlängert, dann muss sie gleichzeitig auch Gold kaufen. Damit das Ganze einen Sinn ergäbe, müsste sie das Gold in Franken kaufen, also Franken drucken. Irgendwann könnte theoretisch fast die gesamte Bilanz wegen des Verkaufsverbots aus Gold bestehen, was gleichzeitig eine Frankenflut auf den Märkten bedeuten würde. Ob dies das Ziel der Gold-Initiative ist?

Die SNB hätte bei einem Ja fünf Jahre Zeit ihre Goldbestände aufzustocken. Dennoch könnte der Goldpreis schon jetzt positiv auf ein Ja reagieren. Die Wechselkursuntergrenze wäre wohl auf Dauer nicht zu halten.

Euro-Franken-Kurs: Nahe der Wechselkursuntergrenze

 

 


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One Response to Gold-Referendum in der Schweiz // Eine nicht ganz so glänzende Idee

  1. Danke für die Gedankenspiele, bei mir verfügbar schon seit 2013, seitdem sich die SNB zum ersten Mal zum Goldreferendum geäussert hat.
    http://snbchf.com/gold/swiss-gold-referendum-2/

    Die Lösung des Dilemmas ist einfach: Euro-Untergrenze weg und zukünftige Inflation vermeiden.
    Die Schweiz produzierte preis-insensitive Waren/Services und erhöht trotz EU-Austerität das Handelsplus mit der Eurozone, u.a. dank “Import” von hoch-qualifizierten Personal aus der EU. Wozu eine Untergrenze?

    Eine mehr differenzierte Darstellung der einzelnen Meinungsgruppen im Referendum hier:
    http://snbchf.com/2014/11/meinungsgruppen-goldinitiative/

    Full Background über den Franken hier:
    http://snbchf.com/chf/

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