Markt-Mechanismen

by • 19. Mai 2010 • BörsenvisionenComments (0)670

Was war das denn heute an den Börsen? Die Reaktion, dass die Bafin in Deutschland Leerverkäufe auf bestimmte Finanzaktien, europäische Staatsanleihen und Kreditausfallversicherungen (CDS) verboten hat? Kleine beleidigte Börse, du … Angeblich seien die Märkte geschockt durch den deutschen Alleingang, über dessen Sinnhaftigkeit man doch sehr zweifel muss. Es stünde um Europa noch schlechter als ohnehin schon angenommen, wurde munter interpretiert. Die deutschen Regierenden seien von blanker Panik getrieben. Letzteres könnte stimmen. In Sachen Finanzen wirkt „Berlin“ wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen, mit Verlaub.

Etwas mehr Ruhe, Gelassenheit und Souveränität täte sicherlich nicht nur den Märkten gut. Nicht Leerverkäufe und CDS‘ sind Schuld an der Misere — sie haben sie allenfalls verstärkt –, sondern das unglückliche hantieren mit „Rettungspaketen“ und „Rettungsmaßnahmen“. Inzwischen haben die Märkte die Politik dort, wo sie sie haben wollten: in der Ecke. Noch dazu wurden Verträge verletzt (jedes EU-Land ist für seine Finanzen selbst verantwortlich — kein Bail out) und die Reputation der EZB beschädigt (Staatsanleihen kaufen).


Und: Die Märkte verhalten sich vor dieser Kulisse keineswegs irrational („Wolfsrudel“). Risiken werden neu bewertet (was auch eine Aufgabe der Märkte ist) und die Preise entsprechend angepasst. Wenn griechische Anleihen kein Anleger mehr haben will, dann dürfte dies einen Grund haben, oder? Den Anpassungs-Mechanismus will die Politik — weil zu unbequem? — aber anscheindend außer Kraft setzen.

Heute wurden deutsche Staatsanleihen gekauft und der Euro hat sich wieder deutlich berappelt. Ansonsten ist so ziemlich alles an Aktien gefallen, was nur fallen konnte. Auch Gold wurde gegeben. Begründung: Deutsche Staatsanleihen gelten nach wie vor als Hort der Sicherheit. Bei Euro und Gold war nach der Hysterie eine Gegenreaktion überfällig. Die Konsolidierung bei Aktien ist noch nicht ausgestanden.


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