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Russland, Krim, Väterchen Frost und 5 Fakten, die Aktien-Anleger wisssen sollten

by • 19. März 2014 • ETF_ProdukteComments (0)1953

Die Bevölkerung der Krim hat in beim Referendum abgestimmt und entschieden: Die Halbinsel wird von der Ukraine abgespalten und (wieder) Teil der Russischen Föderation. Militärische Gewalt, außer ein paar kleinerer Scharmützel, ist ausgeblieben. Ein Glück, auch wenn die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine noch andauern. Allerdings hat Russlands Präsident Wladimir Putin beteuert, er strebe keine weitere Angliederung von Teilen der Ukraine an Russland an. Ob das so kategorisch gemeint ist, wie es klingt? Der Osten der Ukraine ist durch seine russischsprachige Bevölkerung stark pro-russisch geprägt. An den Börsen ist die Abkühlung der Krim-Krise jedenfalls mit Durchatmen aufgenommen worden und auf den Straßen Moskaus ist Putin für seine Politik gefeiert worden.

Auch die russische Börse hat in den zurückliegenden Tagen deutlich zugelegt (siehe Charts unten). Weicht Väterchen Frost oder ist das lediglich eine Reaktion auf die monatelangen Kursverluste?

5 Fakten zu Russland

Das Problem Russlands ist seine Wirtschaft. Diese ist marode und von der Energiewirtschaft abhängig. Die Einnahmen aus den Gas- und Ölverkäufen machen rund die Hälfte des Staatshaushalts aus und ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zusammenfassend: Läuft es im Energiegeschäft schlecht, leidet das ganze Land.

Russlands Wirtschaft schrammt an einer Rezession vorbei. Eigentlich hatte Putin ein Wachstum von 6 Prozent versprochen. Das wäre auch notwendig, um das Land zu sanieren und den Wohlstand breiter Schichten zu steigern. Stattdessen wird vom Internationalen Währungsfonds (IWF) für dieses Jahr ein Plus von 2 Prozent und für nächstes von 2,5 Prozent erwartet. Erst Ende Januar hat IWF die Prognose von 3 beziehungsweise 3,5 Prozent gekürzt (siehe Charts unten).

Die Investoren flüchten in diesem Jahr und auch schon im vergangen Jahr in Scharen. Allein in diesem Jahr hat der Rubel gegenüber dem Euro gut 10 Prozent an Wert verloren (siehe Charts unten). Um den Rubelverfall und die Kapitalflucht etwas einzudämmen hat die russische Notenbankchefin Elwira Nabiullina kürzlich den Leitzins von 5,5 auf 7 Prozent angehoben. Gleichzeitig wurden Stützungskäufe für fast 9 Milliarden Euro getätigt. Im vergangen Jahr hat die Notenbank knapp 20 Milliarden am Devisenmarkt investiert.


Die sinkende Nachfrage nach Metallen und anderen Bergbauerzeugnissen macht Russland zu schaffen. Die russische Leistungsbilanz erodiert dadurch: Lag der Überschuss 2012 noch bei 75 Milliarden Dollar, sank er laut IWF 2013 auf 61 Milliarden Dollar. In diesem und in nächsten Jahr sollen 52 beziehungsweise 33 Milliarden Dollar sein. Es wirkt ein wenig so, als müsse Russland sein Geschäftsmodell ändern oder zumindest überdenken. In diesem Jahr sollen die Import um 5,6 und die Export um 2,7 Prozent zulegen. Positiv: Sinkt der Leistungsbilanzüberschuss könnten auch die Kapitalabflüsse abnehmen, da die Leistungsbilanz mehr oder weniger durch die Kapitalbilanz ausgeglichen wird.

Die Frage ist, in wie weit all dies bereits in den Kursen am Moskauer Aktienmarkt enthalten ist. Der MSCI Russia Capped Index, gekappt deswegen, weil die Gewichtung pro Emittent auf 20 Prozent begrenzt ist, weist exzellente Kennzahlen auf: Die Dividendenrendite liegt bei 3,5 Prozent und das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei 5,2. Wissenswert: Knapp drei Viertel der Aktien am russischen Markt werden von Ausländern gehalten. Kapital ist scheu. Kommt es erneut zu einer Zuspitzung der Krise, könnte schnell wieder Kapital abfließen. 58 Prozent des Index besteht aus Gas- und Öl-Werten (vor allem Gazprom, Lukoil). 16 Prozent sind Finanzwerte (vor allem Sberbank). Die Deutsche Bank beispielsweise bietet einen nicht-währungsgesicherten (Rubelverluste wirken negativ) ETF auf den MSCI Russia Capped Index an.

Charts zum Durchklicken

FTSE_Russia_190314_01
FTSE_Russia_190314
Euro_Rubel_190314
BIP_Russland_190314
Leistungsbilanz_Russland_Prozent_190314
Leistungsbilanz_Russland_Dollar_190314

 

Bildquelle: Wolfgang Dirscherl / pixelio.de


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