Sparschwein, Sparen

Fondsgebundene Rentenversicherung // Geld möglichst effektiv verbrennen

by • 19. Januar 2016 • Cash Test DummyComments (0)2277

Von unserer Partnerseite Progress Finanzplaner

Einkauf liegt der Gewinn, weiß der gute Kaufmann. Das gilt überall. Auch und vor allem beim Abschluss von Versicherungen und Anlegen von Geld. In diesem Beitrag bringen wir ein wenig Licht ins Dunkel bei den Kosten von Versicherungen oder genauer bei der Altersvorsorge.

Seit Jahren predigen Politiker und Branchenvertreter, dass die private Altersvorsorge immer wichtiger wird und dass die private Rentenversicherung als Ergänzung zur gesetzlichen Rentenversicherung unverzichtbar ist. Schließlich ist die Privatwirtschaft ja auch viel effizienter, also günstiger als das bürokratische Monster gesetzliche Rentenversicherung. Aber ist das wirklich so?

Als besonders sinnvoll wurde jahrelang die fondsgebundene Rentenversicherung erachtet. Die (unbestreitbare) Sicherheit der privaten Rentenversicherung mit ihren jahrzehntelangen Garantien in Verbindung mit den großartigen Renditechancen der Börsen.

Wer so ein Produkt abgeschlossen hatte, dachte sich: Jawohl, richtige Entscheidung! Schließlich hat der Vermittler ja auch gezeigt, wie viel Geld da über den Zinseszins und die tolle Anlagestrategie (Best golden absolut return premium) im Laufe der Zeit zusammenkommt. Ach ja und Steuern sparen kann man dabei auch!

De Ernüchterung folgte schleichend. Die jährliche „Wert“-Mitteilung wurde zum jährlichen Auslöser einer mittelschweren Depression. Die prognostizierten Werte haben mit der Realität offenbar nichts zu tun. Um Begründungen oder besser Ausreden(?) waren die Verkäufer nicht verlegen: schlechte Börsenzeiten, Kosten, Schlussüberschüsse, Sie müssen das langfristig betrachten usw.

Seit einigen Jahren sind die Versicherungen verpflichtet, ihre Kosten „offenzulegen“. Damit soll es dem Verbraucher ermöglicht werden, die Angebote vergleichen zu können. Genau so gut könnt ihr an den Weihnachtsmann glauben.

Die grusligen Wertmitteilungen haben relativ wenig mit schlechten Börsenzeiten als vielmehr mit der Kreativität im Ausweis der Kosten der Versicherungen zu tun. Warum?

Die Kosten für eine fondsgebundene Rentenversicherung bestehen aus zwei Komponenten: die Versicherungs- und die Fonds- beziehungsweise Kapitalanlagekosten.

Die Versicherungskosten sind einerseits die Abschlusskosten (Provisionen und die Kosten im Zusammenhang mit dem Abschluss) und andererseits die Verwaltungskosten. Die gesamten Abschlusskosten liegen bei bis zu 25 Prozent der gesamten Beitragssumme, diese werden aber nicht in den vielen Angebotsblättern aufgezeigt. Dagegen wirken die etwa 4,5 Prozent für den Vermittler mickrig. Hinzu kommen die jährlichen Verwaltungskosten. Diese können auch schon mal bis zu 20 Prozent des laufenden Beitrags ausmachen.

Diese Zahlen können noch mit etwas Aufwand ausfindig gemacht werden. Richtig spannend (und teuer) wird’s bei den Kapitalanlagekosten.

Eigentlich ist die Sache auch hier ganz einfach. Es gibt einen einheitlichen Standard, der die Kosten aufzeigen soll. Die sogenannte Total Expense Ratio (TER). Das ist eine Prozentangabe, wie viel sich die Kapitalanlagegesellschaft (KAG) jährlich vom Guthaben einverleibt. Diese liegt bei Aktienfonds im Schnitt bei 1,6 Prozent pro Jahr. Allerdings verschweigt die TER drei Positionen: den Ausgabeaufschlag (die Provision), die Transaktionskosten (beim Umschichten) und die Performance-Gebühr (für besonders gute Leistungen des Fondsmanagers). Der Ausgabeaufschlag liegt bei etwa 5 Prozent der Beitragssumme. Die Transaktionskosten sind höchst unterschiedlich. Je häufiger umgeschichtet wird, desto teurer wird’s. Mit rund 1,5 Prozent sollte man kalkulieren.


Die Prozentzahlen klingen erstmal wenig. Doch die Krux ist, dass diese „paar“ Prozente jedes Jahr vom gesamten Vermögen abgezogen werden! Egal ob der Fonds Gewinn oder Verlust macht.

Um das greifbarer zu machen, haben wir ein Beispiel.

Anleger K möchte 150 Euro pro Monat für seine Rente anlegen. Bis zur Rente hat er noch 38 Jahre Zeit. Auf anraten seines Versicherungsonkels schließt er eine fondsgebundene Rentenversicherung bei einem deutschen Versicherer ab, der das Geld in einen großen französischen Aktienfonds anlegt. Aus dem Produktinformationsblatt (PIB) lassen sich die Versicherungskosten näherungsweise ermitteln. Was das PIB definitiv verschweigt, sind die Fondskosten. Doch diese lassen sich über das Factsheet (Informationsblatt) näherungsweise herausfinden. Als Rendite des Fonds nehmen wir einfach die durchschnittliche Rendite des DAX der vergangenen 35 Jahre: 8 Prozent.

Um aufzuzeigen, wie sinnlos so eine fondsgebundene Rentenversicherung eigentlich ist, spielen wir zwei Varianten durch: eine ohne Kosten (was in der Realität nicht funktioniert, denn alles hat einen Preis) und eine mit (näherungsweise) allen Kosten.

Tabelle_fondsgebundene_Rentenversicherung

Die „paar“ Prozente machen also bei diesem Beispiel über 217.000 Euro aus. 217.000 Euro, die in die Tasche der Versicherung, der Kapitalanlagegesellschaft und des Vermittlers wandern. Und wie verteilt sich das jetzt? Die Versicherung bekommt etwa 6.500 Euro, davon erhält der Vermittler 2.700 Euro. Großer Gewinner in dem Spiel ist die Fondsgesellschaft, die im Laufe der Zeit 208.000 Euro einstreicht. Nach Kosten ergibt sich somit eine Rendite von etwas mehr als 2 Prozent. Davon gehen dann noch mal Steuern ab. Das zeigt, dass man nicht versuchen sollte Steuern zu „sparen“, sondern Kosten. Wenn wir bei diesem Beispiel noch den Kaufkraftverlust berücksichtigen, hat Anleger K Geld verbrannt/verloren.

Ilustration_fondsgebundene_Rentenversicherung

Quelle: Progress Finanzplaner

 

Bildquelle: S. Hofschlaeger / pixelio.de

 

 


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