Irischer Wein

by • 18. November 2010 • PlusvisionenComments (0)904

Erst Griechenland, jetzt Irland. Die Iren werden es ohne Hilfe nicht schaffen. Außer: Sie lassen den Euro Euro sein oder was dann davon übrig ist. Wobei die irische Situation eine ganz andere ist als in Griechenland. Griechenland hat ein Wettbewerbsproblem verbunden mit jahrelangem Schendrian. Irland hingegen war kürzlich noch der “irische Tiger” mit einer boomenden Konjunktur mit sensationellen Wachstumsraten. Und hier beginnen die irischen Probleme: Es wurde gebaut und gebaut und gebaut … Und mit Immobilien spekuliert und spektuliert und spekuliert … Und alles auf Pump und nochmal auf Pump und nochmal auf Pump … Ein Klassiker, der wie endet? Richtig! Mit einer ebenso klassischen Bankenkrise. Irlands Banken ist aufgrund ihrer laxen (Immobilien-)Kreditvergabe wohl alle mehr oder weniger pleite. Die zur Sicherheit hinterlegten Immobilienwerte schmelzen dahin wie irische Butter in der Sonne. Übrigends: Auch deutsche Banken sind richtig groß in Irland engagiert.

Der irische Staat sprang ein und stützte die heimischen Banken, worauf gleich ein neues Problem entstand: Die Banken brauchten derart viel Geld, dass nun der irische Staat völlig überschuldet ist. Zunächst müssen auch wir Deutsche (und auch die Engländer) dem Iren dankbar sein, dass sie den Banken so edelmütig zur Seite gesprungen sind, denn hätten sie die Banken bankrott gehen lassen, hätten auch hierzulande einige Banken ernste Probleme.


Was könnte Irland nun tun, schließlich müssen die Schulden vom Hof:

1.
Seine Schulden der EZB verkaufen. So wie die Fed die US-Schulden kauft. Diese werden den irgendwann (zusammen mit den anderen bis dahin aufgekauften Euro-Schulden inflationiert).

2.
Sparen tüchtig weiter und versuchen ihre Schulden abzukleckern und riskieren auch noch eine Konjunkturkrise, wie sie sich bereits andeutet. Das dürfte lange dauerun und auf Dauer wird die Bevölkerung da wohl nicht mitmachen.

3.
Fragt bei der EU nach Hilfen nach. Motto: Heh, die Bankenkrise geht nicht nur uns etwas an. Ja, vermutlich müssen wir alle zahlen. [siehe auch 1.]

4.
Die Iren gehen zum Pariser Club und vereinbaren, dass zum Beispiel 50 Prozent der Schulden gestrichen werden [geht das eigentlich in der Eurozone?]. Auch so wären wir wieder dabei, da die HRE dann vermutlich wieder ganz viel Steuergelder bräuchte.

Wie man es dreht und wendet: Es kein irisches Problem, sondern unser aller Problem.


Related Posts

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Simple Share Buttons