Oh Janet! Die ewige Ankündigung einer Leitzinserhöhung

by • 18. September 2015 • Plusvisionen, VideosComments (0)1805

Oh Janet! [sieh mir das Kumpaneske nach, aber du bist uns allen ja so vertraut] Du, Vorsitzende der amerikansichen Notenbank Federal Reserve (Fed), hast es nicht getan, nicht die US-Leitzinsen angehoben, obwohl wir uns doch alle so sehr nach Normalität sehnen. Normalität an den Finanzmärkten. Aber dort ist nichts mehr Normal oder normal ist, dass es so ist wie es ist. Es gab so ein stilles Hoffen. Vielleicht jetzt, nach neun Jahren? Neun Jahre sollten doch genug sein. Da wurden zum letzten Mal die Leitzinsen in den USA angehoben und seit der Lehman Brothers Pleite stehen sie bei Null. Die Welt kann sich seitzdem für Nichts verschulden. Das sollte/soll die Konjunktur auf Trab bringen. Gut, sie läuft auch wieder, doch es gibt Einschläge, diesmal aus China und aus Brasilien oder den Schwellenländern (Emerging Markets) generell. Und keiner weiß so recht, was passiert, wenn die Zinsen wieder steigen sollten. Die Furcht vor einem neuen Absturz, vermutlich dem finalen, weil dann die Hilfsmittel verbraucht oder stumpf geworden sind, ist riesig.

Wir brauchen all das billige Geld, wir lieben es, auch wenn es unvernünftig ist und wir keine Krise mehr wollen, eigentlich, paradox, du ahnst das. Die Schuldenberge sind ohnehin viel zu gewaltig, als dass die Zinsen merklich steigen dürften. Wenn, dann bliebe es mehr bei symbolischen (homöopathischen) Dosen. Aber seit gestern wissen wir, auch hier ist offenbar Vorsicht angebracht. Die vier großen Notenbanken der Welt (Federal Resvere, Europäische Zentralbank, Bank of Japan und die Peoples Bank of China) schätzen die Wirtschaftswelt noch immer (oder schon wieder) als zu fragil ein, um wieder einen Preis (Zins) für das Geld verlangen zu können. Haben wir uns nicht schon daran gewöhnt? Wir werden uns wohl daran gewöhnen müssen.


Du hast uns auf Oktober oder Dezember vertröstet. Schon seit zwei Jahren geht das so: demnächst werden die Zinsen steigen … Aber wer weiß schon, was im Dezember wieder ist. China ist eine Black Box. Wir ahnen, dass es dort schlechter sein könnte als es die offiziellen Nachrichten kundtun. Ein neuer Krisen-Tsunami könnte von dort über die Welt rollen. Eine US-Leitzinserhöhung könnte das Beben dazu sein. Geld würde plötzlich aus den Schwellenländern abgezogen werden, die Konjunktur dort würde noch mehr leiden und die Nachfrage nach chinesischen Gütern könnte noch mehr gedrückt werden. Nein, du willst das nicht.

Der Euro ist wieder gestiegen und eröffnet der Europäischen Zentralbank (EZB) neue Möglichkeiten ihr Quantitative Easing (QE) auszuweiten. Dein Kollege Mario Draghi könnte die Druckpresse noch schneller laufen lassen (wegen Griechenland und der Flüchtlingskrise) und so zumindest die europäische Wirtschaft befeuern. Auch in Japan und China drucken sie (verzweifelt) Geld, um die Wirtschaft zu stützen. Passt dazu eine US-Leitzinserhöhung. Nein.

So langsam macht sich der Gedanke breit, dass es kein Zurück zur alten Normalität mehr geben könnte. Und aus ZIRP (Zero Interest Rate Policy – Nullzinspolitik) wird bald NIRP (Negative Interest Rate Policy – Negativzinspolitik) oder NIRP steht dann für Normal Interest Rate Policy. Künftig muss vielleicht die (ewige) Ankündigung einer Leitzinserhöhung reichen.

Die besten Tweets zur US-Leizinsentscheidung

 

Bildquelle: Federal Reserve [bearbeitet]

 


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