Time is Money // Schnell ein paar Fragen an The Forecaster Martin Armstrong zu Banken, Euro, Crash, Verschwörung und Ponzi

by • 18. Mai 2015 • Time_is_MoneyComments (1)3041

Martin Armstrong ist „The Forecaster“, der Seher. Mit seinem magischen Pi-Code, einem aus Wetterzyklen und historische Konjunkturdaten gegossenen Algorithmus, will er die Börsen prognostizierbar gemacht haben. Beim 1987er Zusammenbruch, beim Absturz des japanischen Nikkei 1989 und bei der Russland-Krise 1998 will Armstrong das gelungen sein. Doch dann wird er verhaftet und kommt für zwölf Jahre hinter Gitter. Wegen eines Schnellballsystems (Ponzi-Scheme) sagen die einen, er sagt, weil sie den Source Code seiner Formel wollen.

Time is Money. Effiziente Antworten sind gefragt, schließlich geht es um Wirtschaft und Geld.

Ist die Welt berechenbar?
Immer wieder erleben die Menschen, dass sich die Geschichte wiederholt. Es ist wie ein Drama von Shakespeare: Die Geschichte ist all die Jahrhunderte gleich, aber die Schauspieler wechseln. Deshalb ist es eine Frage nach den sich wiederholenden Mustern.

Sind Menschen berechenbar?
Als Individuen besitzen wir einen freien Willen und können aus unseren Fehlern lernen. Gemeinsam unterliegen wir dem Herdentrieb. Als Person können wir entscheiden, ob wir Teil dieser Herde sein wollen oder nicht. Panik an den Finanzmärkten ist wie eine Herde Zebras. Ein Zebra am Rand sieht einen Löwen und fängt an zu laufen. Der Rest der Herde beginnt mitzulaufen, obwohl sie keinen Löwen sieht. Wir verhalten uns identisch. Legen sie eine Person auf den Gehweg und lassen sie diese Person in den Himmel starren. Viele Menschen werden denken, dass er verrückt ist. Aber vielleicht fünf Menschen werden auch nach oben blicken – und eine Menge wird sich bilden, die versuchen wird herauszufinden, was dort oben zu sehen ist.

Sind Sie ein moderner Alchemist, so wie sie von Charles Mackay in seinem Buch „Madness of Crowds“ beschrieben worden sind?
Nein. Das ist nicht mein Ansatz. Das ist das Problem. Wenn eine Krise entsteht hat jeder eine Meinung, aber keiner fragt, ob die Lösung schon früher einmal versucht worden ist. Hat sie funktioniert? Wir können die Zukunft nicht mit einer persönlichen Meinung vorhersagen. Was wir tun ist, wir füttern den Computer mit allem, was wir haben und er bildet Korrelationen. Er verknüpft die Welt. Kriege entstehen nur, wenn die Wirtschaft schwächer wird – nie, wenn die Menschen fett und glücklich sind. Der Wahnsinn der Massen ist der Herdentrieb. Das Problem ist, dass sich niemand darum kümmern möchte, weil wir gerne in einer wahnhaften Welt leben, in der wir machen können, was auch immer wir wollen – und keiner zurückblickt.

Was halten Sie von Kondratjew?
Schon immer wurden Wirtschaftszyklen erforscht. Und jeder Wirtschaftswissenschaftler von Bedeutung hat erkannt, dass es Zyklen gibt. Jeder hat auf seine Art versucht diese zu beseitigen. Marx mit dem Kommunismus, Keynes durch staatliche Eingriffe, Schumpeter versuchte die Zyklen durch Innovationswellen zu erklären. Das Automobil hat das Pferd ersetzt, das Internet wird kleine Geschäfte zerstören, die Waren verkaufen.

Gibt es einen Random Walk Down Wall Street, also gibt es täglich eine 50-50-Chance für steigende oder fallende Kurse?
Absolut nicht. Das ist eine Theorie von jemanden, der nicht erkannt hat, wie es funktioniert. Wenn alles zu zufällig ist, wie konnte ich dann in den vergangenen 30 Jahren so viele Veränderungen in der Welt vorhersagen? Natürlich kann es Glück gewesen sein oder Zufall. Aber es gibt viele Hinweise, dass es hinter dem Chaos eine verborgene Struktur gibt. In dem meisten anderen Wissenschaftsfeldern muss man beweisen, dass ein Theorie passt, in der Wirtschaft gibt es den Gewinn für die schönest Theorie.

Widerspricht es nicht der Logik, dass eine vermeintlich sichere Prognose an der Börse eintritt?
Der Aktienmarkt steigt durch Kapital, das geparkt werden will. Es ist töricht anzunehmen, dass Geld nur dann in Aktien fließt, wenn es der Wirtschaft gut geht. Geld wechselt zwischen Aktien und Anleihen, je nachdem, was die Marktteilnehmer gerade für ein Szenario favorisieren.

Können wir alle mit Quants [quantitativen Analyse-Systeme] reich werden?
Es geht nicht darum reich zu werden. Es geht um die Gestaltung unserer Gesellschaft. Wir machen es ständig verkehrt und das provoziert Unruhen und Krieg. In Europa haben sie eine verlorene Generation unter den Jugendlichen und niemand macht sich die Mühe zu fragen, ob das derzeitige Denkschema womöglich falsch ist.


Sie gelten als Crash-Prophet oder Nostradamus der Märkte …
Ich bin kein Prophet. Das ist jemand, der ein Vision hatte oder tatsächlich Prophet ist. Wir sehen uns die Daten an und sagen lediglich, dass dieses oder jenes passieren wird, wenn das gemacht wird. Wir treten in eine Phase ein, wo Regierungen und nicht die Aktienmärkte crashen werden. Die Regierungen haben den Wohlstand der Menschen verschwendet und sind unfähig Lösungen zu finden oder sich selbst zu hinterfragen. Einstein sage einmal, dass man eine Lösung nicht mit dem gleichen Denkmuster finden kann, dass die Problem hat entstehen lassen. Wir bewegen uns womöglich auf einen Totalitarismus zu. Gordon Brown aus Großbritannien etwa, befürwortet die Abschaffung von Bargeld zugunsten von elektronischem Geld, sodass eine Regierung alles überwachen kann – das ist die gleiche Denkweise sie die von Karl Marx. Wenn wir nicht die Geschichte analysieren, sind wir dazu verdammt, sie zu wiederholen. Wer die Geschichte kennt, ist dazu verdammt, die Mehrheit dabei zu beobachten, wie sie ihre Dummheiten wiederholt.

Mögen Sie Gold?
Die Rolle von Gold hat sich gewandelt. Jeder sollte einige Münzen haben. Aber man kann nicht eben mal mit einem Koffer voller Gold in ein Flugzeug hüpfen. Regierungen verfolgen überall das Geld. Deshalb wird Gold nach dem Oktober deutlich ansteigen, aber es ist nicht so, wie es aussieht.

Glauben Sie als Amerikaner, dass wir den Euro brauchen?
Der Euro ist so konstruiert, dass er scheitern muss. Die Schulden hätten schon zum Start abgebaut werden müssen. Das hätte ein stabile Währung und Konkurrenz zum Dollar geschaffen. Es gab nie eine Schuldenkonsolidierung und das wird Europa zerreißen. Der Dollar funktioniert durch eine gemeinsame Sprache und die einheitliche Kultur und nicht weil es eine Währung ist. Wenn sie jemanden in Europa fragen, wer er ist, wir er antworten: Deutscher, Franzose, Italiener … Keiner wird sagen, dass er Europäer ist.

Mögen Sie den Dollar?
Der Dollar wird steigen, weil der die Währung geworden ist. Aber auch das wird zu einem Ende kommen. Wenn man den Dollar als Reservewährung nutzen will, muss man innenpolitische Ziele weltweit exportieren. Am Ende wird es eine elektronische Währung mit einem Währungskorb als Basis geben.

China wird …?
… die USA als größte Volkswirtschaft ablösen. Aber es wird noch bis 2032 dauern bis China auch der größte Finanzmarkt der Welt sein wird.

Ein Crash ist …?
… eine Anpassung; nichts wird ausgenommen sein, Aktien nicht, Immobilien nicht, Gold nicht, Kunst nicht, Regierungen nicht. Dieses Mal wird es vor allem die Regierungen treffen, seit die Zinsen negativ sind.

Sie investieren in …
… private Anlageobjekte, um Regierungen und Staatsanleihen zu entkommen.

Ponzi oder Source Code?
Die Vorwürfe gegen mich waren ein Witz. Es ist unmöglich eine Milliarde Dollar bei einer Bank verschwinden zu lassen und niemand weiß, wo sie ist. Es war die Bank, die sich schuldig bekannte und das Geld zurückzahlen musste. Es ist Propaganda und der Versuch mich zu diskreditieren, während die Banken der Gesellschaft schaden zufügen und ungeschoren davonkommen. Der Blick auf die Fakten zeigt, wie absurd die Vorwürfe waren. Ich musste nichts bezahlen. In meinem Plädoyer habe ich lediglich den Japanern nicht gesagt, dass die Bank das Geld zur eigenen Bereicherung genommen hat – nicht ich. So lange man abtut, was ich getan habe, werden sie gewinnen und die Gesellschaft kommt nicht voran und macht immer wieder den gleichen Unsinn. 1999 sagte ich, dass die Banken alles manipulieren. Sie sagten, das sei falsch. Jetzt wurden sie dabei erwischt wie sie vom Libor bis zu den Währungsmärkten alles manipulieren. Ich weiß was kommt, lass sie und die Geschichte wird sich wiederholen wie sie es immer macht.

 

Der Film „The Forecaster“

Bildquelle: The Forecaster / Alan Attridge Copyright FP [bearbeitet]


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One Response to Time is Money // Schnell ein paar Fragen an The Forecaster Martin Armstrong zu Banken, Euro, Crash, Verschwörung und Ponzi

  1. tobias sagt:

    Toller Artikel und endlich mal etwas leicht Verständliches zu diesem Thema! Werde das auch an Freunde und Kollegen weitergeben. Danke!

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