18 Aussagen von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zu Geld, Schulden und Eurozone

by • 17. Februar 2014 • Listen, PlusvisionenComments (0)1930

Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank, bleibt seiner Linie treu und steht ganz in der Tradition der Deutschen Bundesbank. Aber er ist auch selbstkritisch: “Die von mir kritisch gesehene Ankündigung der EZB, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen von einzelnen Mitgliedstaaten zu kaufen, hat zweifellos zur Beruhigung der Finanzmärkte beigetragen. Das solle aber nicht davon abhalten, über den “richtigen Weg” nachzudenken.

Eine Zentralbank, die nicht zur Einlösung von Banknoten gegen Edelmetall verpflichtet ist, kann Geld quasi aus dem Nichts schaffen. Deshalb brauche es vor allem Vertrauen, Vertrauen in das Stabilitätsversprechen.

Weidmann zitiert aus Goethes Faust: „Ich schaffe, was ihr wollt, und schaffe mehr”, verspricht Mephisto dem von Geldnöten geplagten Kaiser. Dank der wundersamen Geldschöpfung habe sich der Kaiser seiner Schulden entledigen und es kam zu einer wirtschaftlichen Blüte, letztlich aber zu Inflation und schließlich zur Zerstörung des Geldwesens.

Tatsächlich sei die Geschichte des Geldes und insbesondere die Geschichte des Papiergeldes eine Geschichte der Inflation. Zu groß sei meist die Versuchung, mit der Notenpresse die Taschen des Souveräns zu füllen.

Es sei kein Wunder, dass die schlimmsten Inflationen im 20. Jahrhundert stattfanden. Von 56 Episoden von Hyperinflation, die weltweit gezählt wurden, seien 54 im 20. Jahrhundert gewesen.

Weidmann zitiert den österreichischen Dichters Johann Nepomuk Nestroy: “Die Phönizier haben das Geld erfunden. Aber warum so wenig?” Die Antwort ist, weil sich das Problem der Knappheit nicht lösen lasse, indem man das Geld vermehrt.

Der Euro sei, wie versprochen, eine stabile Währung.

Die Einführung des Euro brachte den früheren Hochzinsländern einen deutlichen Zinsrückgang. Durch diesen Vertrauensvorschuss der Anleger und den Wegfall des Wechselkursrisikos sei reichlich Kapital unter anderem von den Kernländern des Euro-Raums wie Deutschland und Frankreich in die Peripherie wie Irland, Spanien und Griechenland geflossen. Leider sei dabei viel Geld für den privaten Wohnungsbau oder für den Staatskonsum verwendet worden, was sich als wenig produktiv erwiesen habe.

Die Krise im Euro-Raum sei mehr als eine Staatsschuldenkrise. Sie sei auch eine Zahlungsbilanzkrise und eine Bankenkrise.

Von der Verschuldung gingen gravierende Risiken aus: Schon König Friedrich I in Preußen habe Schuldenmacher von einer Generalamnestie ausgenommen.


Weidmann zitiert Walter Eucken: “Wer den Nutzen hat, muss auch den Schaden tragen.”

Eine Fiskalunion dürfe nicht einfach nur die Gemeinschaftshaftung ausweiten.

Extremfall müssen auch Staatsinsolvenzen möglich sein, ohne dass dadurch aber Kettenreaktionen ausgelöst würden und das Finanzsystem vor dem Zusammenbruch stehe.

Der Anpassungsprozess sei in vollem Gang. Einige Länder seien weiter als andere. Für alle Länder gelte, dass Licht am Ende des Tunnels erkennbar sei.

Der Schlüssel zur Bewältigung der Krise im Euro-Raum liege bei der Politik, nicht bei den Notenbanken.

Die von Weidmann kritisch gesehene Ankündigung der EZB, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen von einzelnen Mitgliedstaaten zu kaufen, habe zweifellos zur Beruhigung der Finanzmärkte beigetragen.

Das Eurosystem habe sich mit seiner Ankündigung, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen einzelner Staaten kaufen zu wollen, in den Grenzbereich ihres geldpolitischen Mandats vorgewagt.

Auch in den derzeit besonders schwierigen Zeiten sollte die Geldpolitik nicht die Reaktion der Finanzmärkte zum Maßstab ihres Handelns machen. Denn sonst würde sie möglicherweise zum Gefangenen der Märkte und dabei Gefahr laufen, bewährte Grundsätze über Bord zu werfen.

Für Weidmann ist es wichtig, Sorge dafür zu tragen, dass die extrem niedrigen Zinsen kein Dauerzustand werden. Zumal von der Niedrigzinspolitik auch Risiken ausgingen, die mit der Zeit wüchsen. Lebensversicherer täten sich zunehmend schwerer zugesagte Garantierenditen zu erwirtschaften. Außerdem bestehe die Gefahr, dass es zu Blasen an den Finanzmärkten komme und so die Saat für die nächste Finanzkrise gelegt werde.

Je mehr sich Politik und Finanzindustrie an das billige Geld gewöhnt habe, je mehr die Geldpolitik als Ersatz für politisches Handeln oder die Anpassung der wirtschaftlichen Strukturen gesehen werde, je mehr die Preise an den Finanzmärkten aufblähen, desto schwieriger werde der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik.

 

Redetext: Deutsche Bundesbank
Bildquelle: Deutsche Bundesbank [bearbeitet]


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