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Leid und Freud der Russland-Krise

by • 16. Dezember 2014 • ListenComments (0)1865

Eine Idee setzt sich durch
Auch die Notenbank konnte sie mit einer Leitzinserhöhung von 10,5 auf 17 Prozent nicht aufhalten. Trader haben sich entschieden den russischen Rubel, angesichts möglicher neuer Sanktionen, in den Keller zu handeln. Es herrschte blanke Panik an den Märkten. Der Rubel befand sich gegenüber Euro und Dollar zeitweise im freien Fall und erreichte neue Tiefststände.

Wirtschaft leidet
Ohnehin wird für Russland im kommenden Jahr mit einer Rezession mit einem Minus von 0,8 Prozent gerechnet. Und nun eine Leitzinserhöhung von 10,5 auf 17 Prozent! Der Abschwung wird wohl noch deutlich tiefer ausfallen. An der Aktien-Börse in Moskaus wird das sichtbar. Vom Top aus gerechnet haben die Kurs dort in diesem Jahr bereits 60 Prozent verloren. Mit der Wirtschaft werden wohl auch die Unternehmensgewinne einbrechen.

Konsumenten müssen konsumieren
Die Russen wollen schnell noch ihren Rubel loswerden, eher er gar nichts mehr wert sein könnte. Deshalb: Schlange stehen bei Ikea. Durch den Rubel-Verfall werden ausländische Waren für die Russen immer teurer. Apple hat bereits im November die Preise um 20 Prozent angehoben. Für viele Russen könnte Importiertes bald unerschwinglich werden. So bekommt man ein Volk auch dazu seine Ersparnisse aufzulösen. Wäre vielleicht ein Beispiel für die Eurozone?

Die Leiden der Oligarchen
Es gibt Schlimmeres. Fällt der Rubel weiter in diesem Tempo, dürfte der Skiurlaub in St. Moritz in diesem Jahr ausfallen und stattdessen im Kaukasus stattfinden. Dort soll es ja auch herrlich sein. Und im Sommer geht es dann ans Schwarze Meer – mehr gibt der Rubel nicht mehr her.

Sturm auf die Banken
Werden nach den Kaufhäusern von den Russen die Banken gestürmt, um die Ersparnisse (so sie noch vorhanden) abzuheben? Derzeit sieht es nicht so aus. Aber der Zeitpunkt scheint näher zu rücken.

Russland ist nicht pleite
Russland hat derzeit einen äußerst soliden Staatshaushalt. Gerade einmal 16 Prozent beträgt das Defizit zur Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandprodukt). Neuverschulden gibt es quasi nicht. Zudem sitzt Russland noch auf einem Devisenschatz von 416 Milliarden Dollar. Es waren schon mal mehr. 80 Milliarden Dollar wurden bereits zur Stützung des Rubels verpulvert, ohne damit eine große Wirkung zu erzielen. Dennoch könnte der Staat leicht die 130 Milliarden Dollar übernehmen, die im kommenden Jahr von den Privatunternehmen refinanziert werden müssen. Letztlich unterscheidet sich die Situation deutlich von der von 1998.


Der Rauch und der Öl-Preis
Solange der Öl-Preis fällt, wird auch der Rubel unter Druck bleiben. 40 Prozent der Einnahmen Russlands kommen aus dem Ölgeschäft. Wobei Russland das Öl spottbillig fördert, während das Fracking-Öl der Amerikaner erst bei rund 70 Dollar profitabel ist. Was vor allem beunruhigt ist die Geschwindigkeit mit der der Öl-Preis fällt. Aber der Öl-Preis wird auch wieder steigen, kurzfristig zumindest. Langfristig ist die Frage, ob es schon so etwas wie einen Peak-Oil-Price gab, aufgrund sinkender Nachfrage durch alternative Energiequellen und sparsamere Produktionsmethoden. Wenn sich der Rauch gelegt hat, könnte der niedrige Öl-Preis durchaus positiv für die Weltwirtschaft sein.

Sturz-Rubel wirkt positiv auf die Einnahmen
Klingt kurios, aber Russland profitiert in gewisser Hinsicht vom Rubel-Absturz. Der russische Staat (faktisch) verkaufen sein Öl in Dollar und tauscht die Einnahmen dann in Rubel. Momentan bekommen Russland immer mehr Rubel für seine erlösten Dollar. So viel, dass dies sogar die Verluste durch den gesunkenen Öl-Preis ausgleicht. Was will man mehr und vielleicht will man daher den Rubel gar nicht stärken?

 

Bildquelle: Wolfgang Dirscherl / pixelio.de

 

 


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