Russland, Babuschka

Russland // Der Bär wankt gewaltig

by • 15. Dezember 2014 • ETF_ProdukteComments (0)2803

Update vom 16. Dezember: Die russische Notenbank hat den Leitzins um 6,5 Prozentpunkte auf 17 Prozent angehoben. Was anfangs zu glücken schien, den Rubel zu stabilisieren, ist schon wieder verpufft. Gegenüber dem Dollar verliert die russische Währung derzeit knapp 6 Prozent und liegt bei 68 Rubel. Im Vergleich zum Euro gibt der Rubel gut 7 Prozent auf knapp 86 Rubel nach. Für die russische Wirtschaft stellt die Leitzinserhöhung eine extreme Bürde dar.

Es wird ernst. Hedgefonds haben sich nun intensiver des russischen Rubels angenommen. Allein im vergangenen Monat hat der Rubel im Vergleich zum Euro damit knapp 40 Prozent an Wert verloren. Erst am vergangenen Donnerstag sah sich die russische Notenbank genötigt, den Leitzins auf von 9,5 auf 10,5 Prozent anzuheben. Genützt hat das wenig – aber wer weiß, wo der Rubel ohne diese Erhöhung notieren würde.

Der amerikanische Kongress hat nun angekündigt weitere Sanktionen gegen Russland prüfen zu wollen. Das nahmen Trader als willkommenen Anlass die Bereitschaft der russischen Notenbank zu testen, den Rubel zu verteidigen. Dieser Druck hat heute zu einem Minus beim Rubel von 8,5 Prozent geführt. Gegenüber dem Dollar erreichte er ein neues Tief von gut 63 Rubel und gegenüber dem Euro von annähernd 79 Rubel. Immer mehr Rubel werden verkauft, welche die Notenbank gegen wertvolle Devisen wieder einsammeln muss. Die Reserven schmelzen dadurch schneller ab, als russischer Wodka die Kehle runterrinnt. 80 Milliarden Dollar hat die russische Notenbank in diesem Jahr schon für das Projekt Rubel-Reverse ausgegeben. Der Fremdwährungsschatz hat dadurch auf 416 Milliarden Dollar abgenommen.

Abgestoßen werden auch russische Staatsanleihen. Die Rendite der 10-Jährigen kletterte um 11 Basispunkte auf 13,11 Prozent. Nur gut, dass die russischen Staatsschulden mit 16 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt recht übersichtlich sind.

Bei diesem Verlust-Reigen dürfen Aktien nicht fehlen. Mit ihnen ging es im Dezember bislang um 23 Prozent abwärts. Heute in der Spitze um rund 9 Prozent. Da nützen auch rekordniedrige Bewertungen nichts, wenn demnächst mit einem Zusammenbruch der russischen Wirtschaft gerechnet werden muss. Der Rubelverfall und der sinkende Ölpreis belasten die Konjunktur arg. Muss die Notenbank die Leitzinsen noch weiter erhöhen als ohnehin schon, um den rollenden Rubel zu stoppen, könnte die Wirtschaft bald völlig zum Stillstand kommen. Erholung ungewiss.


Als nächstes sieht die klassische Abfolge von Währungskrise Kapitalverkehrskontrollen vor. Die Höchststrafe für Investoren und Anleger. Auch das dürfte ein Grund für den beschleunigten Absturz sein. Motto: schnell noch raus, bevor nichts mehr geht. Der russische Bär ist wirtschaftlich stark ins Wanken gekommen. Es wird einen mächtigen Rums in Russland geben, wenn er stürzt und aufkommt.

Nur sehr verwegene Anleger wagen derzeit eine Aktien-Investment in Russland, beispielsweise via Indexfonds (ETF).

Russische Aktien: Abwärts

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Rubel: Immer neue Tiefs

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Quelle: Bloomberg

 

Bildquelle: Alexandra Bucurescu_pixelio.de


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