Tee, Beutel

Einen im Tee

by • 14. Oktober 2013 • BörsenvisionenComments (0)1028

Es gibt ja diesen schönen Spruch: Einen im Tee haben oder, als Variante, ganz schön einen im Tee zu haben. Er bedeutet nichts anderes als betrunken beziehungsweise sturzbetrunken zu sein. In den USA gibt es bekanntlich die Tea Party. Auch das klingt nett und vergnüglich, ist aber tatsächlich alles andere. Bei der Tea-Party-Bewegung handelt es sich in der Regel um nationalistische, rechte, von der eigenen Idee trunkenen (besoffenen) Gesinnungstäter, die offenbar auch nicht davor zurückschrecken einen Staat zu ruinieren, um ihre Interessen durchzusetzen. Kommt ihnen das bekannt vor? Richtig, Deutschland hat hinlänglich Erfahrung mit einer empathiefreien braunen Brut.

Seltsamerweise bezeichnet sich die Tea Party gerne als libertär. Auch wenn damit ein extrem freiheitliches Denken umschrieben wird, beinhaltet auch libertär die Reife der Verantwortung. Alles andere ist allenfalls infantil bis hin zu faschistisch.

Mir sind auch die Ziele dieser Bewegung nicht klar: Warum die Steuern drastisch kürzen? Warum das Staatsdefizit drastisch abbauen? Warum Sozialleistungen auf ein Nichts herunterfahren? Warum Demokratie schleifen? Warum keine Krankenversicherung? Warum kein Verbot von halbautomatischen Waffen? Gibt es da jeweils einen Selbstzweck oder eine höhere (sinnvolle) Idee? Die vollkommene Abschaffung eines Gemeinwesens? Will man damit dann auch gleich, mit überbordendem Sendungsbewusstsein, die ganze Welt beglücken? Ich bin immer skeptisch bei Leuten, die mir verklickern wollen, wie es (moralisch) richtig zu laufen hat.

Die Tea Party beruft sich gerne auf jene Bostoner Tea Party im Jahre 1773 mit der sich die amerikanischen Kolonien von ihren britischen Kolonialherren loszusagen begannen. Damals ging es aber um die Gründung eines Staats und nicht um die Vernichtung. Aber vielleicht verstehe ich das als Europäer und Deutscher auch alles nicht – oder gerade dann?


Am 17. Oktober soll die Schuldengrenzen in den USA erreicht sein. Kommt es dann zu keiner Einigung zwischen Demokraten und Republikanern über den Haushalt und die Gesundheitsreform, könnte Amerika tatsächlich das Geld ausgehen. Die Vereinigten Staaten könnten dann Zahlungsunfähig sein. Eine Staatspleite. Auch amerikanische Staatsanleihen könnten dann nicht mehr bedient werden. Allerdings gibt es ein Gesetz, das bestimmt, dass die Zinsen von Staatsschulden vor allem anderen bedient werden müssen. Zahlungsausfälle auf Anleihenzinsen könnte das hinauszögern.

Die Tea-Party-Leute wollen einer Anhebung des Schuldenlimits nur dann zustimmen, wenn die Gesundheitsreform gekippt wird. Präsident Barack Obama ist nur zu Gesprächen bereit, „wenn dem amerikanischen Volk keine Schusswaffe an den Kopf gehalten wird“.

Eine US-Staatspleite undenkbar? Hoffen wir es. Die Auswirkungen wären unübersehbar für die Welt, daneben nähme sich die Lehman-Pleite vermutlich recht klein aus – ein Zusammenbruch des gesamten Finanzwesens nicht ausgeschlossen.

Aber an den Märkten herrscht Ruhe. Ein gutes Zeichen. Gold tendiert heute gut behauptet, wie auch der Euro gegenüber dem Dollar. Die Aktienkurse stagnieren. Man geht von einer Einigung aus – noch.

 

Bildquelle: Christian Riedel  / pixelio.de (bearbeitet)


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