Sinn-voll

by • 14. Mai 2010 • PlusvisionenComments (0)638

Hans-Werner Sinn, Ifo-Chef, gibt der SZ ein lesenswertes Interview zur Euro-Krise. Er spricht darin auch von einer aufziehenden Staatskrise in Deutschland.

Sinn: Ja, die deutsche Staatskrise ist ebenfalls vorprogrammiert. Auch wir liegen mit einer Staatsverschuldung von 74 Prozent gemessen an der Wirtschaftsleistung weit über dem erlaubten Wert von 60 Prozent. Wir laufen ohnehin auf eine größere demographische Krise zu. In zwanzig Jahren sind die deutschen Baby-Boomer, die 1965 geboren wurden, 65 und wollen eine Rente von Kindern, die sie nicht haben. Diese Krise wird durch die Vergemeinschaftung der europäischen Schulden, die nun in der EU beschlossen wurde, wahrscheinlicher.

Upps! Ist der Mann nicht auch Berater der Regierung (bzw. von Frau Merkel) — zumindest hin und wieder? Steht es schon so schlecht um unser Land? Doch so wie es sich liest, könnte es sich noch etwas hinzieh. Zwanzig Jahre Siechtum …

Auch interessant: Die Antwort auf die Frage, wie Axel Weber [Bundesbankpräsident] bei der Entscheidung, Staatsanleihen durch die EZB aufzukaufen, überstimmt werden konnte.


Sinn: Das halte ich für einen ungeheuerlichen Vorgang. Die Ohnmacht Deutschlands ist die Folge eines Konstruktionsfehlers der Eurozone. Unser Stimmrecht entspricht nicht dem Gewicht Deutschlands. Wir zahlen zwar bei weitem das meiste, aber haben in der EZB auch nicht mehr zu sagen als Griechenland. Die Kritik muss sich hier gegen die Politik von Altbundeskanzler Helmut Kohl richten. Er war damals allzu blauäugig. Er hat an das Gute im Menschen geglaubt, anstatt vernünftige Regeln auszuhandeln, die langfristig die deutschen Interessen wahren.

Ich fürchte, der Altkanzler Kohl war in vielen anderen Dingen auch noch viel zu „blauäugig“, um es mal sehr freundlich zu formuliern. Vieles an dem wir in den vergangen Jahren herumlaboriert haben und noch lange dran werkeln werden, geht auf seine Entscheidungen (oder Nicht-Entscheidungen) und die seiner Regierung zurück.


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