Goldman-Sachs-Anleihenstratege Yacov Arnopolin: Der Liquiditätssuperzyklus hat seinen Zenit überschritten

by • 14. März 2014 • AußenvisionenComments (0)1784

Eine Außenvision von Yacov Arnopolin, Stratege im Anleihenteam bei Goldman Sachs Asset Management in London. Seine Einschätzung für die globalen Anleihenmärkte in diesem Jahr. Die Fixed-Income-Experten Rachel Golder und Iain Lindsay haben bei der Erstelltung des Ausblicks mitgewirkt.

Wir meinen, dass es 2014 so weitergehen wird, wie 2013 geendet hat. Ein lang anhaltender und möglicherweise signifikanter Zinsanstieg in den USA ist wahrscheinlich. Zunächst dürfte dieser Trend zu höheren Zinssätzen für Unruhe sorgen. Wir gehen aber davon aus, dass er mehrere Jahre andauern könnte. Eine Normalisierung der Zinsen an den Rentenmärkten anderer großer Volkswirtschaften in Relation zu den USA könnte auf sich warten lassen. Allerdings glauben wir, dass die Zinsen dort in den meisten Fällen langfristige Tiefstände erreicht haben oder sich in der Nähe solcher Tiefstände befinden.

Wir bevorzugen auf Wachstum ausgerichtete Rentenpapiere und meiden solche, die stärker von der Liquidität abhängig sind. Global betrachtet ist die Geldpolitik nach wie vor sehr locker. Da die US-Notenbank aber ihre Anleihekäufe sukzessive zurückfährt, hat der „Liquiditätssuperzyklus“ seinen Höhepunkt sicherlich schon überschritten. Wir sind zurückhaltend in Bezug auf Papiere, die unmittelbar von der Stimulierung durch die Fed profitiert haben. Dazu gehören US-Staatsanleihen und von US-Hypothekeninstituten begebene, hypothekarisch besicherte Papiere (MBS).

Wir glauben, dass sich die Rücknahme des Quantitative Easing auf andere Anlageklassen weniger auswirken wird; denn die Märkte hatten Zeit, sich anzupassen, und die Fed betont, dass die Drosselung ihrer Anleihekäufe nicht mit Zinserhöhungen zu verwechseln ist. Nach den vorsichtigsten Prognosen der für die Geldpolitik Verantwortlichen ist 2016 mit einer ersten Zinserhöhung zu rechnen. Doch wir meinen, dass ein unerwartet schneller Rückgang der Arbeitslosigkeit die Fed schon viel früher zum Handeln zwingen könnte. Wir glauben, dass es wahrscheinlich 2015 die ersten Zinserhöhungen geben wird, und unserer Meinung nach überwiegt das Risiko, dass es eher früher als später dazu kommen wird.

Ein durch steigende Zinssätze geprägtes Umfeld hat erhebliche Konsequenzen für Anleger am Rentenmarkt. Traditionelle Rentenportfolios, die sich auf das Zinsänderungsrisiko konzentrieren, besitzen gegenwärtig möglicherweise nicht mehr dieselben Vorzüge wie in der Vergangenheit. Aktiv gemanagte und „flexible“ Rentenportfolios können zur Minderung dieses Risikos beitragen.


In Bezug auf Investment-Grade-Unternehmensanleihen sind wir neutral positioniert. Denn wir sehen einerseits solide Fundamentaldaten und andererseits eine nahezu angemessene Bewertung dieser Papiere. Die Fundamentaldaten zu Unternehmensanleihen sind nach wie vor solide. Sie basieren auf hoher Ertragskraft der Unternehmen, reichlich vorhandener Liquidität und auf einem knappen Angebot an Anleihen hoher Qualität.

In High-Yield-Anleihen sind wir moderat übergewichtet. Die Renditen auf High-Yield-Papiere haben sich zu Beginn dieses Jahres erfreulich entwickelt, diese profitieren von einem breit angelegten Zinsrückgang sowie von hohen Mittelzuflüssen. Unsere Risiken haben wir in letzter Zeit etwas zurückgefahren. Grund hierfür ist die Sorge, dass die Situation in der Ukraine die Volatilität am Markt erhöhen könnte. Allerdings lassen niedrigere Renditen, aufwärts tendierende Zinssätze und die zunehmende Bereitschaft von Unternehmen, aktionärsfreundliche Maßnahmen zu ergreifen, 2014 im Vergleich zu früheren Jahren bescheidenere Renditen erwarten. Trotz der erfreulichen Entwicklung seit Jahresanfang gehen wir im weiteren Verlauf dieses Jahres von einer schwächeren Performance aus und prognostizieren nach wie vor jährliche Renditen von 5 bis 6 Prozent auf High-Yield-Anleihen aus den USA und Europa.

Im Bereich Schwellenländeranleihen sehen wir auf breiter Basis rasch zunehmende Anlagechancen bei Hart- und Landeswährungs- sowie Unternehmensanleihen. Nach den jüngsten Marktbewegungen sind die Anleihemärkte vieler Schwellenländer immer noch überverkauft, und es werden düstere Szenarien eingepreist, die unserer Meinung nach vermutlich nicht eintreten werden. Die jüngste Verkaufswelle bei auf Hartwährungen lautenden Staatsanleihen gibt Anlegern einen mehr als ausreichenden Ausgleich für Ausfallrisiken. Letztere sind unserer Meinung nach angesichts der niedrigen Schuldenstände (in Prozent des BIP) vieler Schwellenländer weiterhin gering. Letztlich bieten Schwellenländeranleihen im Vergleich zu anderen Segmenten des Rentenmarkts überzeugende Renditeaussichten.

Bildquelle: GSAM

 

 


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