Jens & Mario // Blankoscheck

by • 14. Januar 2015 • InvestainmentComments (0)1754

Der Hausjurist des Europäische Gerichtshof (EuGH), der Spanier Pedro Cruz Villalón, hat den Weg für umfangreiche Staatsanleihenkäufe – Quantitative Easing – QE – wohl freigemacht. Alles müsse nur “verhältnismäßig” sein und dürfe nicht zu einer direkten Staatsfinanzierung führen. Aber was heißt das schon, verhältnismäßig, ein sehr dehnbarer Begriff. Jens kommt in das Büro von Mario.

Mario: Jens, du siehst aber schlecht aus.

Jens: Warum grinst du so, wenn du das sagst.

Mario: Ich grinse nicht.

Jens: Doch.

Mario: Allenfalls ein bisschen. Ich bin guter Laune.

Jens: EuGH.

Mario: Was ist das? Ein neuer Virus?

Jens: Ein Gericht. Mir kommt es vor wie das Jüngste Gericht. Du weißt es genau.

Mario: Ich liebe diese ganzen Kürzel. EuGH … OMT … LTRO … QE …

Jens: Dieser Generalanwalt, Pedro Cruz Villalón, hat gesagt, du darfst jetzt.

Mario: Ich darf ohnehin alles, gut, es gibt dieses Mandat – aber das Mandat ist groß.

Jens: Vielleicht sollte ich mich mit Papiergeld überschütten und anzünden …?

Mario: Jens … jetzt werde nicht theatralisch … das steht dir nicht. Wenn jemand die Würde für einen großen Auftritt hat, dann bin ich das. Ich, der Retter des Euro, der Retter Europas!


Jens: Mir geht es plötzlich noch schlechter.

Mario: Was war nochmal die Tradition der Bundesbank? [Jens atmet tief durch] Erinnert sich daran noch jemand? Ich habe das Wunder vollbracht.

Jens: Welches Wunder?

Mario: Ich habe der Eurozone einen niedrigen Euro und gleichzeitig niedrige Zinsen beschert. Davon haben wir Italiener jahrzehntelang geträumt. Und nun habt ihr Tedeschi es möglich gemacht.

Jens [stöhnend]: Wir …?

Mario: Ohne euch wäre mir das nie geglückt, ein Euro, der fällt wie ein Stein und fast keine Zinsen auf all die Schulden. Grandezza! Sonst mussten wir uns immer mit hohen Zinsen quälen, wenn wir unsere Lira abgewertet haben. Aber ihr habt uns den teutonischen Nullzins geschenkt. Grazie! Wenn ich in Rom einzöge, die Menschen würden mich zum Staatspräsident machen …

Jens: Oh!

Mario: Aber hier gefällt es mir eigentlich viel besser, in diesem schönen, neuen Türmen.

Irgendwo in den Türmen hört man ein leises Weinen und Mario lässt das Gebäude wieder mit den Geräuschen von Druckmaschinen hintergründig beschallen.


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