Ein starker Euro und die Bundesbank

by • 13. März 2014 • BörsenvisionenComments (0)1663

Heute schob sich der Euro gegenüber dem Dollar bis nahe an die Marke von 1,40 Dollar heran. Erstaunlich. Eigentlich sollte der Euro (gegenüber dem Dollar) längst auf dem absteigenden Ast sein – zumindest hatten das die Auguren zu Jahresbeginn so prognostiziert. Ihr Hauptargument: In den USA straffe die Notenbanken (Fed) ihre Geldpolitik und in Europa müsse diese, wegen der zu vermutenden schwachen wirtschaftlichen Entwicklung, auf absehbare Zeit locker bleiben. Tatsächlich präsentiert sich der Euro stabil, mit leichter Tendenz nach oben.

Der Anstieg des Euro ist umso bemerkenswerter, als dass in der Ukraine/auf der Krim/in Russland ein Konflikt schwelt. Führer einmal wäre darauf die natürliche Reaktion der Devisenhändler die Flucht in den Sicheren Hafen Dollar gewesen. Gilt inzwischen der Euro als sicherer? Am heutigen Nachmittag gab der Euro dann wieder seine Tagesgewinne ab und rutschte in Minus. Truppenbewegungen an der ukrainischen Grenze waren der Grund. Aber selbst in dieser Situation hielt er sich recht wacker.

Gründe, die für den Euro sprechen:

Tapering hin oder her, offenbar verfolgt die Fed nach wie vor eine laxere Geldpolitik als die Europäische Zentralbank (EZB). Wäre dem nicht so, stünde der Dollar inzwischen deutlich höher. Ein deutlicher Hinweis darauf könnte auch sein, dass die Summe der Fed-Bilanz nach wie vor anwächst, während die der EZB abnimmt.

Die Zweifel an der wirtschaftlichen Erholung in den USA sind doch größer als gedacht. Die jüngsten US-Konjunkturdaten waren auch nicht so, um in ungehemmten Jubel auszubrechen. In diesem Fall würden sich Investoren andere Anlageziele suchen und die Nachfrage nach Dollars würde abnehmen. Im Februar war davon aber kaum etwas zu merken: State Street Global Advisors registrierten einen Kapitalzufluss zu US-ETFs (Exchange Traded Funds) von 19,3 Milliarden Dollar. In der gleichen Zeit flossen in europäische ETFs lediglich 8,5 Milliarden Dollar.


Die Gesundung der Eurozone schreitet schneller voran als gedacht, auch wenn noch viel zu tun ist. Die EZB muss vielleicht gar nicht mehr tun, als sie ohnehin schon tut. Wichtig werden in diesem Zusammenhang die Teuerungsraten in den Eurozone bleiben. Geht es weiter Richtung Deflation oder beschleunigt sich wieder der Preisanstieg.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann heute auf der Bilanzpressekonferenz:

Bei realistischer Betrachtung ist es zu früh, bereits das Ende der Staatsschuldenkrise auszurufen. Um die Krise und ihre tiefer liegenden strukturellen Ursachen tatsächlich dauerhaft zu überwinden, sind weiterhin erhebliche Anstrengungen und ein langer Atem nötig … Alles in allem dürfte die konjunkturelle Gangart in Deutschland nach der Beschleunigung im Jahresverlauf 2013 auch im laufenden sowie im kommenden Jahr weiter anziehen.

Interessant auch die Ausführungen der Bundesbank zu den TARGET2-Forderungen. Das sind jene Forderungen, welche die Bundesbank an die EZB hat oder etwas flapsig ausgedrückt, jenes Geld, das wir anderen Euro-Staaten leihen, damit sie unsere Waren kaufen. Im vergangen Jahr sind diese Forderungen um rund ein Fünftel auf 510 Milliarden Euro gesunken. Der Rückgang zeigt eine gewisse Normalisierung innerhalb der Eurozone. Allerdings bleibt der Saldo der bislang zweithöchste in der Bundesbankbilanz. Heute stünden die TARGET2-Forderungen für 64 Prozent des gesamten Bilanzvolumens von 801 Milliarden Euro. 2007 lagen die Forderungen noch bei 71 Milliarden Euro oder 15 Prozent des damaligen Bilanzvolumens von 484 Milliarden Euro.

Fazit: Fundamental ist es schwierig eine klare Richtung für den Euro-Dollar-Kurs auszumachen. Es bleiben zwei Kranke auf dem Wege der Genesung. Mal ist es da besser, mal dort. Die Charttechnik spricht derzeit eher für den Euro.

Chart-Analyse zum Durchklicken

Euro Dollar - Tageschart

Euro Dollar - Tageschart

An der oberen Begrenzungslinie des kurzfristigen Aufwärtstrends angestoßen.

Euro- Dollar - Tageschart

Euro- Dollar - Tageschart

Der mittelfristige Aufwärtstrend ist nach wie vor intakt.

Euro-Dollar - Wochenchart

Euro-Dollar - Wochenchart

Im Langfristchart an einem Kreuzwiderstand angekommen.

 

 

Bildquelle: Bundesbank


Related Posts

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Simple Share Buttons