Rolf Kuster: Der Trumpf der Aktienmärkte

by • 12. November 2013 • AußenvisionenComments (0)1962

Eine Außenvision von Rolf Kuster, Investmentstratege bei der VP Bank in Liechtenstein. Er analysiert die Aussichten an den internationalen Aktienmärkten.

Das globale Aktienbarometer MSCI World kann auf eine beachtliche Entwicklung zurückblicken. Mit einem Zugewinn von bisher rund 20 Prozent hatten wohl die wenigsten Analysten gerechnet. Zu hoch schienen zu Jahresbeginn die Unsicherheiten bezüglich der europäischen Schuldenkrise, des schwachen US-Arbeitsmarktes sowie einer möglichen harten Landung in China. Heute, rund zehn Monate später, präsentiert sich die Lage deutlich freundlicher. Die markttreibenden Kräfte sind nicht mehr die „Sorgenländer“ Griechenland oder Portugal – mittlerweile interessiert sich der Finanzmarkt fast ausschließlich für die Frage, wann nun die US-Notenbank den Ausstieg aus der als „quantitative Lockerung“ bekannten ultraexpansiven Geldpolitik bekannt gibt. Anleger gewichten derzeit die geldpolitischen Stimulierungsmaßnahmen deutlich höher als die zugrundeliegende volkswirtschaftliche Situation.

Die fundamentale Lage an den Aktienmärkten hat sich trotz des jüngsten Kursanstiegs nur unwesentlich verändert. Das erwartete Gewinnwachstum für 2014 (Nordamerika: plus 10,8 Prozent, Europa: 12,6 Prozent) scheint angesichts rekordhoher US-Margen zwar etwas sehr ambitiös, dennoch könnte die Umsatzseite aufgrund der weltweiten konjunkturellen Erholung durchaus positiv überraschen. Zusehends bremsend wirken jedoch die zwischenzeitlich stark gestiegenen Bewertungen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,9 auf Gewinnbasis der nächsten zwölf Monate ist der Aktienmarkt ordentlich bewertet und liegt nur noch rund 15 Prozent unterhalb des langjährigen Schnitts. Dies bedeutet unter Berücksichtigung des tiefen Zinsniveaus zwar noch ein gewisses Polster, eine klare Unterbewertung ist auf diesem Niveau jedoch nicht mehr gegeben.


Einen Trumpf werden die Aktienmärkte jedoch wohl noch über die nächsten Jahre ausspielen können: den Anlagenotstand. Durch das tiefe und tendenziell steigende Zinsniveau bleiben Anleihen wohl noch über einen längeren Zeitraum unattraktiv.

Regional ergeben sich jedoch durchaus Chancen. Während sich die solide Gewinnentwicklung in Nordamerika zunehmend in einer gestiegenen Bewertung niederschlägt, meiden aufgrund der Schuldenkrise viele Investoren weiterhin den europäischen Markt. Die sichtbaren Fortschritte auf dem Weg der Haushaltskonsolidierung, das Ende der Rezession in der Eurozone sowie positive Überraschungen im makroökonomischen Zahlenkranz könnten zu einem Umdenken führen und europäischen Aktien weiteren Auftrieb verleihen. Ähnlich verhält es sich bei den asiatischen Schwellenländern. Auch sie litten jüngst unter der Zurückhaltung vieler Anleger und weisen derzeit eine relative und absolute Unterbewertung auf. Besonders die Kombination aus tiefem Kurs-Gewinn-Verhältnis und gleichzeitig hohem Gewinnwachstum ist interessant und deutet auf Potenzial hin. Setzt sich die wirtschaftliche Erholung wie erwartet fort, wird sich auch die Risikobereitschaft wieder deutlich erhöhen, was schließlich in eine Outperformance vieler Schwellenländeraktien münden sollte.

 

Bildquelle: VP Bank [bearbeitet]


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