Röhre, abwärts

Die glorreichen 15 :: Plusvisionen ETF Musterdepot // Konjunkturknick

by • 12. August 2014 • ETF MusterdepotComments (0)7334

Strategie-Update vom 12. August 2014: Konjunkturknick

Die Börsen fallen nicht ursächlich wegen der Krisen in der Ukraine, im Gaza-Streifen oder im Irak, sondern Kurse geben nach, weil die Furcht vor einer wirtschaftlichen Abschwächung über das Parkett wabert. Im Umkehrschluss bedeutet das, solange die Konjunktur läuft gibt es keine nachhaltige Korrektur. Nun knickt der DAX weg. Droht also eine schwächere Wirtschaftsentwicklung oder gar ein Konjunktureinbruch? Die jüngsten Daten zur deutschen Wirtschaft waren nicht gerade erfreulich. Auftragseingänge, Industrieproduktion und ifo Konjunkturindex waren zuletzt schwach. Es war der dritte Rückgang in Folge. „Auch der Ausblick auf den zukünftigen Geschäftsverlauf fiel erneut weniger optimistisch aus. Die geopolitischen Spannungen belasten die deutsche Wirtschaft“, diagnostiziert das ifo Institut. Ähnlich sieht es bei den ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland aus. Sie fallen im August 2014 deutlich. „Es handelt sich um den achten Rückgang in Folge und den stärksten Einbruch seit Juni 2012. Schlechter stand der Indikator zuletzt im Dezember 2012“, analysiert das ZEW. Der Rückgang der Konjunkturerwartungen dürfte vor allem damit zusammenhängen, dass die anhaltenden geopolitischen Spannungen mittlerweile spürbare Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft zeigen. Hier schließt sich wieder der Kreis.

Keine rosigen Aussichten, auch nicht für die Eurozone. Bislang galt Deutschland als das Zugpferd im Euroraum und hat dadurch die Konjunktur in anderen Eurostaat gestützt. Dort plagt man sich mit Reformen, hoher Arbeitslosigkeit und Schuldenabbau. All diese Probleme hat Deutschland (derzeit) nicht. Die Reformen hat Kanzler Gerhard Schröder mit seiner Agenda 2010 durchgeführt, die Arbeitslosigkeit ist erträglich und der deutsche Haushalt steht, auch dank extrem niedriger Zinsen, sehr gut da. Woher kommt somit die Verunsicherung? Die Exportnation Deutschland ist abhängig von der Konsumfreue andere Länder. Doch wenn in zu vielen Winkeln der Erde Kriegslärm zu hören ist, sinken rasch die Orders und damit kauft auch Deutschland wieder weniger Vorprodukte in der Eurozone ein – gefährlich.

Die Erholungen in Spanien oder Portugal beispielsweise bleiben fragil, große Länder wie Italien und Frankreich drohen in eine Rezession zu kippen. Eigentlich müsste dort kräftig reformiert und Schulden abgebaut werden, was auch Wachstumspunkte kosten würde, so aber wird gezögert, was ebenso lähmend auf die Wirtschaft wirkt.

Selbst die Deutsche Bundesbank hat nun höhere Löhne gefordert. Die Überlegung dabei: Der Konsum soll so angekurbelt und so die Exportabhängigkeit gemildert werden. Inflation ist dabei kaum zu fürchten, da es angesichts reichlich freier Kapazitäten noch genügend Raum für Produktivitätssteigerungen gibt. Steigende Löhne in Deutschland wären so eine Art kleine Konjunkturpaket für die Eurozone. Die Bundesbank möchte mit diesem Vorschlag aber sicher auch möglicher Forderungen nach einem Quantitative Easing (QE), dem Kauf von Anleihen am Primärmarkt ohne Sterilisierung, zuvorkommen, die sicher lauter werden, wenn es mit der Konjunktur in der Eurozone nicht mehr so gut läuft. Lange dürfte es auch nicht dauern, bis an die Bundesregierung Ideen herangetragen werden, angesichts der hervorragenden Haushalts- und Zinssituation, doch etwas mehr für die Konjunktur zu tun.

Ergo: Das Wachstum in Deutschland wird sich abschwächen, aber es bleibt bei einem Plus. Die Eurozone wird unter diesem Rückgang leiden, weshalb die Geldpolitik eher lockerer als straffer werden wird. Auch Deutschland wird seine Haushaltsspielräume nutzen müssen. Den DAX sollte das vor dem Absturz bewahren, zumal die Kapitalmarktzinsen weiter fallen dürften. Derzeit sieht es so aus, als sei der Dow Jones attraktiver. Konjunkturelle Sorgen hat auch der Nikkei. Das Wachstum ist im zweiten Quartal durch die Mehrwertsteuererhöhung am 1. April von 5 auf 8 Prozent um 1,7 Prozent eingebrochen – die Abenomics scheinen aus dem Tritt geraten zu sein. Der japanische Index sollte jedoch weiter von einer ultralockeren Geldpolitik befeuert werden. Aktien, vor allem mit attraktiven Dividendenrenditen bleiben ein fester Depotbestandteil, gerade im Hinblick auf die recht expansive Geldpolitik der wichtigsten Notenbanken. Gold und Silber bleiben wohl im Seitwärtstrend. Sie bräuchten Inflation, aber woher soll diese ohne einen knackigen Aufschwung kommen? Rohöl kann selbst vom Krieg im Gaza-Streifen und dem Bürgerkrieg im Irak nicht recht profitieren (wie auch Gold als traditioneller Krisengewinnler). Womöglich hat Rohöl seinen Zenit, vor dem Hintergrund der wachsenden Bedeutung von erneuerbaren Energien und enormer Umweltbelastungen durch das verbrennen fossiler Energieträger (China), dauerhaft überschritten.

Depot-Report vom 29. August 2014: +8,30 Prozent. Hier abrufen.

Musterdepot

Grundsätzlich gilt:

Geldanlage sollte kein Hobby sein, weil Hobbys oft kostspielig sind. Geldanlage sollte einfach und transparent sein. Die Depotanteil sind (zunächst) festgelegt. Steigt eine Position deutlich an und erhöht so seinen Depotanteil, wird verkauft, bis die Gewichtung wieder stimmt. Das klingt langweilig, ist aber effektiv (siehe Hobby).

Aktien haben einen besonderen Reiz. Sie stellen Produktivvermögen dar. Mit diesem Kapital kann etwas entstehen, Lebensverbesserndes, Lebensrettendes, Lebenserhaltendes, Arbeit und Auskommen wird geschaffen. Es geht etwas voran und der Investor wird Miteigentümer. Bei Anleihen können auch Investitionen (etwa bei Unternehmensanleihen) finanziert werden, allerdings durch Fremdkapital. Der Anleger wird Gläubiger und nicht Miteigentümer. Dagegen liegt ein Edelmetall wie Gold nur einem Safe und schafft dadurch keine neuen Werte, diese sind allerdings teilweise vorher für die Exploration und das Schürfen entstanden.

Risikohinweis: Natürlich beinhaltet das Musterdepot keinerlei Empfehlungen oder gar Handlungsanweisungen. Auch stellt das Musterdepot keine Empfehlung dar, das Portfolio eins zu eins oder auch nur ähnlich zu replizieren. Jeder Anleger sollte selber wissen, was er kauft und verkauft.

 

Bildquelle: lichtkunst.73  / pixelio.de

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