Yenomics // Wenn der Yen Japan zum Verhängnis wird

by • 10. Juli 2014 • PlusvisionenComments (0)3381

Hat der japanische Premier Shinzo Abe sein glückliches Händchen verloren? Er war ja Ende 2012 angetreten und dafür auch gewählt worden, endlich die wirtschaftliche Misere Japans zu beenden. Schon seit Anfang der 1990er-Jahre läuft es nicht mehr so richtig gut im Land des Tenno. Spekulationsexzesse am Immobilien- und Aktienmarkt in den 1980er-Jahren hatten Nippon in eine scheinbar endlose Bilanzrezession getrieben. Die Folge waren fallende Preise allenthalben. Doch damit schien Schluss. Shinzo Abe schien das richtige Rezept gefunden zu haben: Er pumpte einfach unglaubliche Summen Geld in die Wirtschaft und versprach zugleich Strukturreformen. Seit April 2013 kauft die Bank of Japan (BoJ) Monat für Monat Staatsanleihen in einem Wert von umgerechnet knapp 60 Milliarden Euro auf. Das zeigte Wirkung: Der Yen verlor gegenüber dem Dollar deutlich an Wert und die Industrie gewann dadurch an Wettbewerbsfähigkeit zurück. Preise und Börse zogen tatsächlich wieder an.

Doch auf Japan lastet auch eine gewaltige Schuldenlast von knapp 250 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt, die irgendwie beglichen werden will. Auch dafür braucht Japan Inflation und Wachstum. Um das Haushaltsdefizit zu mildern, wurde im April dieses Jahres die Mehrwertsteuer von 5 auf 8 Prozent erhöht.

Um dieser Erhöhung zu entgehen wurden offenbar Investitionen vorgezogen. Im März nahmen die Auftragseingänge im japanischen Maschinenbau um 19 Prozent zu. Aber nun der Schock: Im Mai sind sie im Monatsvergleich um 19,5 Prozent eingebrochen.

Tatsächlich ist auch die Inflationsrate durch die Mehrwertsteuererhöhung in Japan deutlich auf 3 Prozent angestiegen. Das dürfte allerdings ein Einmaleffekt bleiben. Angesichts Japans alternder Gesellschaft dürften die Wachstums- und Preissteigerungsraten langfristig eher niedrig bleiben. Bei mehr oder weniger Null dürften auch die Zinsen verharren. Steigende Zinsen kann sich Japan schon allein wegen seiner Staatsverschuldung nicht erlauben.

Die Achillesferse Nippons ist der Yen. Steigt er an, sinkt die Wettbewerbsfähigkeit und die Wirtschaft wird sich noch schwerer tun. Der Nikkei würde vermutlich als Folge merklich absacken – Japans Börsianer verfolgen traditionell akribisch genau den Yen-Kurs.

Was könnte den Yen gegenüber dem Dollar nach oben treiben?


  •  Im Ausland investiertes Geld (Ersparnisse) könnten zur Sicherung des Lebensstandards im Ruhestand (alternde Gesellschaft) wieder zurück ins Land geholt werden. Japan hat 1,2 Billionen Dollar in US-Staatsanleihen angelegt.
  • Die USA könnten ein Interesse an einem niedrigen Dollar-Kurs haben, wenn Tapering (Ausstieg aus den Anleihekäufen) abgeschlossen ist. Der Yen wäre dadurch zwar nicht stärker, würde aber in Relation zum Dollar doch aufwerten.
  • Carry Trades werden geschlossen. Dafür müssen Yen gekauft werden, um die Yen-Kredite zu bedienen.

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