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Wachstumsbeschleunigung durch dynamische Kapitalmärkte

by • 10. April 2014 • PlusvisionenComments (0)1526

Ohne Kapital kann keine Wirtschaft wachsen. Wird Geld gehortet, nichts investiert und auch keine Kredite vergeben, kommt das Wirtschaftsleben recht schnell zum Erliegen, dass zeigte sich eindrucksvoll im Herbst 2008. Dynamische Kapitalmärkte sind deshalb ein wichtiger Wachstumstreiber, nicht nur für die europäischen Volkswirtschaften. Gerade in Zeiten, in denen Banken bei der Kreditvergabe immer zurückhaltender werden, können die Kapitalmärkte einspringen und Geld zur Verfügung stellen und so die Stabilität des Finanzsektors erhöhen. Das ist ein Ergebnis der Studie „Capital Markets and Economic Growth – Long-Term Trends and Policy Challenges„, die vom Verband für Alternative Investments (AIMA) in Auftrag gegeben wurde.

Christoph Kaserer, Professor für Kapitalmarktforschung an der Technischen Universität München, der gemeinsam mit Marc Steffen Rapp, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Philipps-Universität Marburg, die Studie erstellt hat:

Eine Vergrößerung der europäischen Kapitalmärkte um ein Drittel führt zu einer langfristigen Steigerung des Wirtschaftswachstums um rund ein Fünftel.

Länder wie Deutschland, Frankreich oder Italien, in denen die Unternehmensfinanzierung traditionell stark über Kreditmärkte erfolgte, profitieren von einer Ausweitung der Kapitalmarktfinanzierung besonders stark, weil dort die Bereitstellung zusätzlicher langfristiger Finanzmittel überdurchschnittliche Wirkung entfaltet.

In Deutschland, wo die Börsenkapitalisierung seit dem Jahr 2000 im Durchschnitt bei rund 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) lag, könnte das Wirtschaftswachstum durch einen Anstieg der Börsenkapitalisierung auf 80 Prozent des BIP dauerhaft um gut 30 Prozent (1/3) erhöhen.

Im Vergleich dazu liegt die Börsenkapitalisierung in Ländern mit kapitalmarktbasierter Unternehmensfinanzierung durchschnittlich bei 117 Prozent des BIP. Das macht im Umkehrschluss deutlich, dass sich in Deutschland durch einen Ausbau der Kapitalmarktfinanzierung noch erhebliche Wachstumspotenziale realisieren lassen.


Kapitalmärkte könne zudem auch eine Kontrollfunktion haben. In Ländern mit starker kapitalmarktorientierter Finanzierung wie Großbritannien oder Holland nehmen unabhängige institutionelle Investoren, wie Hedgefonds oder Investmentfonds, aktiver Einfluss auf die Unternehmensführung als in Ländern, in denen die Finanzierung traditionell stark über Banken erfolgt. Das kann zu Effizienzsteigerungen beitragen.

Nachteil: Durch institutionelle Investoren können auch strategische Unternehmensentscheidungen blockiert werde, um kurzfristig die Erträge zu steigern. Zwischen Kapitalgebern und Unternehmen kann es zu Friktionen kommen. Ein Beispiel ist die verhinderte Fusion der Deutschen Börse mit der Londoner Börse durch einen Hedgefonds. Die Deutsche Börse ringt noch heute um eine passende Strategie. Allerdings darf gefragt werden, ob die Fusion tatsächlich besser oder der Preis eines Zusammenschlusses doch zu hoch gewesen wäre? Wie hätte sich der Aktienkurs nach einer Fusion entwickelt? Ist eine Fixierung auf den Shareholder Value sinnvoll oder sollte man besser den Stakeholder Value betrachten?

Marc Steffen Rapp:

Langfristig gibt es einen Trend zur Konvergenz zwischen dem traditionell bankenbasierten System der Unternehmensfinanzierung wie zum Beispiel in Frankreich oder Deutschland und dem traditionell kapitalmarktbasierten System wie in Großbritannien oder den Niederlanden. Insgesamt haben die Kapitalmärkte als Finanzierungsquelle für Unternehmen in allen europäischen Ländern deutlich an Bedeutung gewonnen, während das Wachstum der Kreditmärkte wesentlich geringer war.

Fazit: Eine Vertiefung der Kapitalmärkte, neben der traditionellen Bankenfinanzierung erscheint nicht nur unter Wachstumsaspekten sinnvoll. Wann immer es zusätzliches Geld für neue, innovative Ideen gibt, ist das gut. Eine allzu deutliche Fokussierung auf Kapitalinteressen birgt jedoch auch Gefahren.

 

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