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Fintechs // Kooperationspartner oder unliebsame Konkurrenz?

by • 9. September 2016 • FinTech // CrowdComments (1)2370

Banken stecken aktuell in einem Dilemma: Ihre Geschäftsvolumina schwinden, ihre Margen nehmen ab. Andererseits haben sie mit steigenden Kosten zu kämpfen. Hinzu kommt das Aufkommen einer Vielzahl an Fintech-Unternehmen. Oftmals bieten diese Leistungen des Banken-Kerngeschäfts, wie beispielsweise Geldanlage, Kreditvergabe und Zahlungsverkehr, zu wesentlich besseren Konditionen an als Banken.

Wie ambivalent sich die Finanzwelt beim Thema Fintech verhält, zeigte sich beim Weltwirtschaftsforum 2016 in Davos: Einerseits loben die Banken die innovativen Ansätze der neuen Branche, sehen sie andererseits aber auch als existenzielle Bedrohung an. Sie befürchten, dass vor allem die Smartphone-affine Kundschaft, die ihre finanziellen Transaktionen überall ausführt, in Scharen zu den Fintech-Unternehmen überläuft. Der rasche Erfolg der jungen Branche scheint ihnen Recht zu geben.

Außerdem enthüllten die Banker in Davos ein bis dahin streng gehütetes Geheimnis: Viele Kreditinstitute haben bereits riesige Summen in die vermeintliche Konkurrenz investiert. Die Digitalisierung einzelner Geschäftsfelder soll nicht nur die Leistungen der Banken insgesamt verbessern und für die Kundschaft kostengünstiger machen, sondern auch die Gesamtkosten der Kreditinstitute senken helfen.

Was sind Fintech-Unternehmen? Fintech ist die Abkürzung für Financial Technology und bezeichnet Unternehmen, die ihre Finanzdienstleistungen mithilfe digitaler Technologien anbieten. Sie offerieren ihren Service in der Regel kostengünstiger als Banken und sind vor allem für Kunden interessant, die viele Transaktionen via Mobilgerät vornehmen. Die meist jungen Start-ups sind auf einen Bereich des Banken- oder Versicherungswesens spezialisiert.

Potenziale der Fintech-Branche: Verschiedene Banken investieren bereits in die Fintech Start-ups. Diesen Weg ging beispielsweise die Santander Bank, als sie einen 100 Millionen Euro Venture-Capital-Fonds auflegte. Auch andere Banken stecken horrende Summen in die technologisch überlegene Konkurrenz.

Der Beweggrund hierfür liegt vor allem an der Palette an Leistungen, die Fintech-Unternehmen international anbieten. Dazu zählen:

  • die Vermittlung erfolgreicher Start-ups an finanziell potente Investoren
  • das Anbieten von Payment-Lösungen für Internetshop-Betreiber
  • die Vermittlung privater Darlehen
  • die Verwaltung langfristiger Geldanlagen

Beispiele erfolgreicher Fintech-Unternehmen: Auch in Deutschland gibt es viele finanzorientierte Startups. Diese verfolgen genauso wie ihre ausländischen Vorbilder Geschäftsmodelle mit unterschiedlichen Ansätzen. Drei heterogene Beispiele werden im Folgenden näher ausgeführt:


Vexcash
Die Berliner Vexcash ist seit 2012 am Markt. Anbieter von Kleinkrediten mit kurzer Laufzeit, die bis zum nächsten Gehalteingang vergeben werden. Die Kreditsummen liegen zwischen 100 und 3.000 Euro und die Laufzeit kann zwischen 7 und 30 Tagen variieren. Der Vexcash-Kredit ist zudem besonders für diejenigen geeignet, die wegen ihres durchschnittlichen Schufa-Scores von herkömmlichen Banken keinen herkömmlichen Kredit erhalten.

Der potenzielle Kreditnehmer legitimiert sich über Videoident und kommt nach Wunsch sogar innerhalb weniger Stunden an die benötigte Summe. Somit ermöglicht das Fintech-Unternehmen seinen Kunden temporäre finanzielle Engpässe kurzfristig und transparent zu überbrücken.

Myfeelix
Myfeelix ist eine App an, die ihrem Besitzer die persönliche Finanzplanung erleichtert. Sie verwaltet eine Vielzahl von Finanz- und Versicherungsverträgen und gibt Tipps, welche Risiken die Verträge beinhalten, wo der Nutzer Geld sparen kann und welche Verträge letztlich überflüssig sind. Ändert sich seine finanzielle Situation, gibt Myfeelix sinnvolle Hinweise, wie seine Verträge geändert werden müssen.

Die App weist rechtzeitig auf Kündigungsfristen und Vertragsverlängerungen hin und hilft bei der Suche nach der individuell passenden Krankenversicherung oder dem kostengünstigsten Stromanbieter. Der Vertrag wird ohne Makler-Vertrag direkt via App abgeschlossen.

Scalable Capital
Die 2016 gegründete Münchner Scalable Capital Vermögensverwaltung bietet eine Vermögenverwaltung zu niedrigen Kosten und ohne Mindest-Laufzeit an. Voraussetzung, sein Vermögen dort investieren zu können, ist eine Mindesteinlage von 10.000 Euro. Scalable Capital legt das investierte Geld in global diversifizierte ETFs der Anlage-Kategorien Anleihen, Aktien, Rohstoffe und Immobilien an und richtet sich dabei nach der persönlichen Risiko-Bereitschaft des Investors.

Umschichtungen und Reinvestitionen werden dementsprechend und unter Berücksichtigung der jeweils aktuellen Marktentwicklung vorgenommen. Das Fintech-Unternehmen erledigt sämtliche Formalitäten wie Depot-Eröffnung, Auswahl der Wertpapiere etc. für den Kunden.

 

Fazit: Die Fintech-Branche befindet sich im stetigen Wachstum. Das Potenzial ist hier noch lange nicht ausgeschöpft. Auch in Deutschland wurden bereits eine Vielzahl erfolgsversprechender Startups gegründet. In Zukunft stellt sich die Herausforderung, dass traditionelle Banken und Fintech-Unternehmen Kooperationen eingehen, damit beide Seiten voneinander profitieren können.


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