Deutschland, Hyperinflation

Deutsche Bank / Commerzbank / Munich Re // Studie: EZB könnte Katastrophe auslösen

by • 9. Juni 2016 • PlusvisionenComments (0)3520

Nichts ist unmöglich, schließlich darf es kosten, was es wolle. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen tendiert gegen Null und wird vermutlich auch bald negativ werden. Die Umlaufrendite erreicht ein neues Tief von minus 0,06 Prozent. Schuldenmachen wird für Deutschland so zum Geschäft, da die Republik für das geliehene Kapital auch noch Geld bekommt. Die Verzweiflung unter den institutionellen Investoren wie Pensionskassen und Lebensversicherungen muss sehr groß sein. [Sollte uns das zu denken geben?] Die Europäische Zentralbank (EZB) begann am 8. Juni auch Unternehmensanleihen am Markt aufzukaufen. Auch dem haftet der Geruch einer Verzweiflungstat an, da die EZB am Markt scheinbar immer weniger Kaufbares zu vertretbaren Zinsen findet. Also steigt man quasi direkt in die Unternehmensfinanzierung ein. [Stellt sich die Frage, wozu man eigentlich noch Geschäftsbanken braucht, wenn das nun EZB-Präsident Mario Draghi erledigt?]

Banken, Versicherungen und Fonds müssen Strafzinsen in Höhe von 0,4 Prozent zahlen, wenn sie Geld, dass sie gerade nicht benötigen bei der EZB parken. Das führt zu kuriosen Überlegungen und Handlungen. Die Münchener Rück (Munich Re) sagte im März, dass sie zweistellige Millionensummen Bargeld und Gold in hauseigenen Tresoren eingelagert hat. „Wir probieren das jetzt einfach mal aus. Daran sehen Sie, wie ernst die Situation ist“, kommentiert Munich-Re-Vorstand Nikolaus von Bomhard ernüchternd. Nun prüft wohl auch die Commerzbank, an der die Bundesrepublik Deutschland derzeit noch mit knapp 15 Prozent beteiligt ist, die Einlagerung von Bargeld in Tresoren [traut man sich selbst nicht mehr?].

Gleichzeitig stagnieren die Staatsschulden in der Eurozone auf hohem Niveau oder haben sogar noch zugenommen. Die wirtschaftliche Entwicklung ist eher mau und die Inflationsrate bewegt sich nach wie vor am Rande einer Deflation. Nun weiß keiner, wie es aussähe, wenn die EZB nicht zu den unorthodoxen [„koste es, was es wolle – whatever it takes“] geldpolitischen Schritten gegriffen hätte, die sie eingeleitet hat, aber dennoch wachsen die Zweifel an der eingeschlagenen Strategie.

Die Deutsche Bank hat nun eine düstere Studie mit dem Titel Die EZB muss Kurs ändern vorgelegt. Darin ist von „extremen geldpolitischen Maßnahmen die Rede, die zu „Fehlallokationen“ in der Wirtschaft führen. Diese lassen sich nur zu immer höheren Kosten beseitigen. Wenn man so weitermache riskiere man die Stabilität der Eurozone.


Die Studie verzichtet scheinbar bewusst nicht auf starke Worte:

Doch auch Notenbanker können auf Abwege geraten. Das passiert ihnen meist dann, wenn sie zu sehr auf das gerade populäre ökonomische Dogma vertrauen. Und wenn sie irren, kann das katastrophale Folgen haben.“

Die Deutsche Bank sieht auch die Gefahr der Stärkung von politischen Extremen durch die aggressive Geldpolitik:

Je länger sie mit ihrer Geldpolitik die erforderliche Katharsis verzögert, desto stärker trägt sie zum Erfolg der Populisten und anti-europäischer Parteien bei, und gefährdet so das gesamte europäische Projekt.“

In der Studie wird selbst der Vergleich mit der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen nicht gescheut als in Deutschland durch das maßlose Drucken von Geld Hyperinflation herrschte und die Wirtschaft in einer schlimmen Depression mit Massenarbeitslosigkeit versank. Letztlich führe diese Entwicklung damals zum Erstarken der Nationalsozialisten.

In den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts glaubte die Reichsbank, sie könne, um die Staatsausgaben zu finanzieren, 2000 Notenpressen Tag und Nacht laufen lassen, ohne die Inflation in die Höhe zu treiben. Etwa zur gleichen Zeit sah die Federal Reserve zu, wie Bankenpleiten mehr als ein Drittel aller Spareinlagen in Amerika vernichteten, weil sie auch in dieser Situation an die Selbstheilungskräfte des Marktes glaubte. Die Weltwirtschaftskrise war das Resultat.“

Aber die Deutsche Bank sieht auch Profiteure der Entwicklung:

„Die Verlierer sind die Sparer, während sich Aktien- und Immobilienbesitzer die Hände reiben.“

Plusvisionen sieht das ähnlich: Auch wenn auf Aktien Kursrisiken lasten, eine Alternative als langfristiges Investment gibt es derzeit nicht. Bei Aktien gibt es noch erkleckliche Dividenden-Zahlungen, während es bei Anleihen kaum noch Renditen gibt und bei Sparkonten demnächst vielleicht noch Gebühren für die Verwahrung drohen. Zudem können Konten schnell gepfändet werden [Zypern]. Aktien sind immerhin verbriete Eigentumsrechte an Unternehmen. Aber ja, auch mit Aktien kann man Geld verlieren, doch vielleicht nicht alles. Bei einer Hyperinflation würden die Kurse nominal in die Stratosphäre steigen.

 

 


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