Mario Draghi. Quelle: EZB [bearbeitet]

EZB-Erkenntnisliste: Ohayou Europa

by • 9. Januar 2014 • Listen, PlusvisionenComments (0)1234

Nein, der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hat die Anwesenden zur Pressekonferenz nicht mit einem japanischen „Guten Morgen“ begrüßt. So weit ist es dann doch (noch) nicht. Japanische Verhältnisse sieht Mario Draghi auch nicht.

Die Erkenntnisliste der EZB-Pressekonferenz:

1.
Wenn wir in Europa derzeit keine japanischen Verhältnisse mit fallenden Preisen über einen langen Zeitraum, sprich Deflation, haben, bekommen wir sie noch? Im Dezember war die Inflationsrate auf 0,8 Prozent gefallen. Für dieses Jahr erwartet die EZB Preissteigerungen von durchschnittlich 1,1 Prozent und 2015 von 1,3 Prozent. Das ist weit unter den angepeilten 2 Prozent. Daran wird sich nach Einschätzung der EZB auch nicht viel ändern: „Wir haben wohl eine längere Periode niedriger Inflationsraten vor uns. Danach dürfte die Inflation wieder bis auf knapp unter 2 Prozent anziehen“. Könnte gut sein, dass sich die EZB höhere Preissteigerungsraten wünscht.

2.
Was, wenn die Preis unerwartet noch weiter fallen? Die EZB „beobachtet die Entwicklung sehr genau und ist bereit, alle verfügbaren Instrumente einzusetzen“. Was heißt das? Die Leitzinsen sind nahe Null. Wieder mehr Anleihenkäufe? Negative Zinsen? Mit diesen würden Banken für ihre Einlagen bei der EZB „bestraft“ und sollten dadurch bewegt werden, es der Wirtschaft zur Verfügung zu stellen.

3.
Deflation, also sinkende Preise, Löhne und so weiter, ist für Länder wie Griechenland, Spanien, Portugal, Italien(?) ja durchaus gewollt, um diese Länder auf den internationalen Märkten wieder wettbewerbsfähig zu machen. Deswegen die Sparprogramme (Austerität).


4.
Unangenehm ist allerdings, dass sich in einem deflatorischen Umfeld Schulden nicht so gut abbauen, eigentlich gar nicht, sie werden sogar in aller Regel mehr wert. Um Schulden abzubauen braucht es Wachstum und Inflation. Für das laufende Jahr geht die EZB von einem wirtschaftlichen Plus von 1,1 Prozent und im kommenden Jahr von 1,5 Prozent aus. Wirtschaftliche Risiken bestünden laut EZB eher auf der „Abwärtsseite“.

5.
Das alles sind schlechte Nachrichten für Sparer. Die Zinsen werden wohl auf absehbare Zeit sehr sehr niedrig bleiben.

6.
Für die europäischen Aktienmärkte dürften das tendenziell gute Neuigkeiten sein, da das Geld weiter sprudeln sollte. Unangenehm ist jedoch ein Deflationsszenario mit niedrigen Wachstumsraten. Ohne Wachstum keine Unternehmensgewinne und damit vermutlich auch keine Kursgewinne, da das ja (auch) abgezinste künftige Unternehmensgewinne sind.

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Deflationsgespenst in der Eurozone

 

Bildquelle: Europäische Zentralbank [bearbeitet]


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