Deutscher Rekordexportüberschuss und die üblichen Reflexe

by • 8. November 2013 • PlusvisionenComments (0)881

Der Reflex ist klar: Deutschland exportiere zu viel und solle doch gefälligst die Binnenkonjunktur stärken. So klang es auch jüngst aus den USA.

Aber zunächst zu den Zahlen: Im September hat Deutschland Waren im Wert von 94,7 Milliarden Euro ausgeführt und gleichzeitig Güter in einem Volumen von 74,3 Milliarden Euro eingekauft. Gegenüber dem Vorjahreswerten ist das ein Plus von 3,6 beziehungsweise 0,3 Prozent. Es errechnet sich ein Außenhandelsbilanzsaldo im September von 20,4 Milliarden Euro. Rekord! Nie zuvor war dieser Überschuss höher. Das bisherige Hoch wurde 2008 mit 19,8 Milliarden Euro erzielt.

Deutschland wird in diesem Jahr vermutlich einen Leistungsbilanzüberschuss von knapp 200 Milliarden Euro erzielen. Woanders muss es dafür Defizite geben, die verkraftet sein wollen.

Ja, es ist etwas dran an der Kritik. Tatsächlich sind dauerhafte Überschüsse (ebenso wie Defizite) keine gesunde Entwicklung innerhalb eines Wirtschaftsraums. Und ja, es könnte die Krisenländer weiter belasten.

Zumal ein Blick auf die Target-2-Salden der Bundesbank zeigen, dass Deutschland eine Art Vorfinanzierung seiner Exporte in die Eurozone leistet. Man könnte auch flapsig sagen: Deutschland gibt den Krisenländern Geld, damit diese unsere Waren kaufen können. Mach ein radikaler Kritiker sagt nun: Wir könnten unsere Waren auch genauso gut in der Nordsee versenken. Nun ja. Der Taget-2-Saldo der Bundesbank beträgt derzeit 570 Milliarden Euro (siehe auch Grafik unten). Das ist der Betrag, den uns die Eurozone schuldet. Der Saldo von Italien beträgt minus 233 und der von Spanien minus 269 Milliarden Euro.

Das ist aber allenfalls die halbe Wahrheit.

Im September wurden in die Eurozone Waren im Wert von 35,3 Milliarden Euro exportiert und für 33,0 Milliarden Euro eingeführt. Bei den Neun-Monats-Zahlen stellt es sich so dar: 301,0 zu 300,1 Milliarden Euro (siehe auch Tabelle unten). Ausgeglichen. Wir kaufen somit in erheblichen Maße Vorprodukte in der Eurozone ein.


Überschüsse wurden dagegen mit Ländern der Nicht-Eurozone und Drittländern erwirtschaftet. Neun-Monats-Zahlen der Nicht-Eurozonen-Länder: 165,2 zu 130,5 Milliarden Euro und bei den Drittländern 351,8 zu 239,6 Milliarden Euro.

Dadurch wird deutlich: Produkte „Made in Germany“ sind aktuell in der Welt sehr beliebt, vor allem aufgrund technologischer Überlegenheit gepaart mit immer noch günstigen Lohnstückkosten und trotz eines recht starken Euro. Deutschlands Exporterfolge in der Welt dürften die Eurozone und zum Teil auch die EU eher stützen, da Deutschland aus der Eurozone und auch aus der EU erheblich Waren einführt und so deren konjunkturelle Entwicklung fördert.

Das Argument, den Starken zu schwächen, in der Annahme dadurch den Schwachen zu stärken, erscheint doch ziemlich kurios. Aber gerade die USA haben traditionell mit starken Exportnationen ihre Probleme.

 

Quelle: Statistisches Bundesamt

 

Target2

 

Bildquelle: lichtkunst.73  / pixelio.de


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