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Günstige Wohnungen in deutschen Boomregionen bleiben knapp

by • 7. Dezember 2015 • ServiceComments (0)1076

Ein Gastbeitrag von Franz Netter

Erfolg ist eine Frage der Definition. Deshalb wird Bundesbauministerin Barbara Hendricks die jüngst verkündeten Ergebnisse des Bündnisses für bezahlbares Wohnen und Bauen sicher als Erfolg betrachten. Doch kann der 10-Punkte-Plan das Angebot an preiswerten Mietwohnungen schnell erhöhen? Zweifel scheinen angebracht: Denn bei den Vorschlägen geht es vor allem um Änderungen im Bauplanungsrecht, die erst nach langwierigen Gesetzgebungsverfahren umgesetzt werden können. Schneller könnten die Steuervorteile wirken, die Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble plant: Von 2016 bis 2018 soll es eine Sonderabschreibung von bis zu 10 Prozent jährlich für neu errichtete Wohngebäude geben.

Aber: Diese Vergünstigung möchte er auf Regionen beschränken, in denen aktuell Wohnungsknappheit herrscht, und nur dann einführen, wenn die Bundesländer die Grunderwerbssteuer in diesem Zeitraum nicht anheben. Bis diese Bedingungen ausverhandelt und in Gesetzesform gegossen sind, werden sicher einige Monate ins Land gehen. Dabei fehlen in den begehrten Ballungsräumen schon jetzt Hunderttausende von Wohnungen. Und die Knappheit wird durch die Zuwanderung noch verschärft.

Deshalb steigen die Preise in einigen Regionen schnell. Beispielsweise in München, wie der kürzlich veröffentlichte Quartalsbericht des Gutachterausschusses zeigt. In den ersten neun Monaten 2015 wurden Einfamilienhausgrundstücke im Schnitt um etwa 15 Prozent teurer. Die Preise für Eigentumswohnungen kletterten ebenfalls zügig.

Quelle: Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Bereich der Landeshauptstadt München, Quartalsbericht 3/2015

Quelle: Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Bereich der Landeshauptstadt München, Quartalsbericht 3/2015

Für den Aufschwung auf dem deutschen Häusermarkt gibt es gute Gründe. Zum einen sind Wohnimmobilien trotz hoher Preise dank niedriger Zinsen erschwinglich. Eigennutzer mit 30 Prozent Eigenkapital müssen für Zins und Tilgung kaum mehr als die vergleichbare Nettokaltmiete berappen. Zum anderen haben konservative Investoren kaum eine Alternative zu Anlageimmobilien. Für Sparguthaben und Staatsanleihen bester Bonität gibt es schon jetzt kaum Zinsen. Mittelfristig drohen Anlegern sogar Negativzinsen wie in der Schweiz.


Kein Wunder, dass die Aktienkurse von Profiteuren des Wohnungsbooms wie Vonovia oder Patrizia immer neue Hochs erklimmen. Doch die Luft ist nach einer Vervielfachung der Börsenwerte binnen weniger Jahre dünn geworden. Aktionäre müssen daher mit heftigen Kursschwankungen rechnen. Schließlich sind Tagesverluste selbst bei Blue Chips aus dem DAX von fünf Prozent nicht ungewöhnlich, wie der vergangene Donnerstag gezeigt hat.

Spezialwerte aus dem Wohnimmobiliensegment wie Sedlmayr (Börsenwert 1,5 Milliarden Euro) oder GAG Immobilien (Börsenwert 420 Millionen Euro) reagierten dagegen kaum auf die EZB-Enttäuschung.

 

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Bildquelle: Peter Smola  / pixelio.de

 


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