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Wie Twitter seine Börsen-Bewertung rechtfertigen kann

by • 6. Februar 2014 • Aktienvisionen, ListenComments (0)1406

Twitter hat Zahlen vorgelegt. Die Börse war enttäuscht. Allerdings: So unmöglich erscheinen die Ziele gar nicht. Ich habe nachgerechnet:

Börsenwert

Vor der Bekanntgabe der Jahresergebnisse wurde Twitter an der Börse mit 37 Milliarden Dollar (27 Milliarden Euro) bewertet. Nebenbei: Die weltweit größte Rückversicherungsgesellschaft, die Münchener Rück hat eine ähnliche Marktkapitalisierung. Aber gut, nachbörslich verlor Twitter knapp 20 Prozent an Wert. Für Twitter ist man somit an der Börse derzeit bereit 30 Milliarden Dollar zu zahlen.

Umsätze

Im vierten Quartal stiegen die Twitter-Umsätze um 116 Prozent auf 243 Millionen Dollar (180 Millionen Euro). Für das Gesamtjahr 2013 kletterten die Erlöse um 110 Prozent auf 645 Millionen Dollar. Bezogen auf den Börsenwert ist Twitter damit mit dem 46-fachen seines Jahresumsatzes bewertet. Um auf eine, sagen wir, 5-fache Umsatzbewertung zu kommen, müssten die Erlöse auf 6000 Millionen Dollar im Jahr steigen, bei gleichem Börsenwert. Das wäre ein Plus von 830 Prozent oder es wäre in den kommenden fünf Jahren ein Wachstum von 56 Prozent pro Jahr notwendig, machbar.

Gewinn

Hier gibt es – leider – noch nicht sehr viel. Der Nettoverlust hat im vierten Quartal 511 Millionen Dollar betragen. Im Gesamtjahr summiert sich der Verlust auf 645 Millionen Dollar. Diese Zahlen sind allerdings durch den Börsengang und damit verbundene Zahlungen verfälscht. Das Betriebsergebnis (Ebitda) lag im vierten Quartal bei 45 Millionen Dollar und 2013 bei 75 Millionen Dollar – immerhin ein Plus, bei deutlichen Steigerungsraten gegenüber dem Vorjahreswerten (18/21 Millionen Dollar).

User

Die Zahl der monatlich aktiven User (MAUs) stieg im vierten Quartal im Jahresvergleich um 30 Prozent auf 241 Millionen. Im Quartalsvergleich steht allerdings nur ein magerer Anstieg von 9 Millionen Nutzern (plus 4 Prozent). Wenig angesichts des Börsengangs. 76 Prozent der MAUs oder 184 Millionen nutzen Twitter mobil, ein Plus von 37 Prozent im Jahresvergleich. Die Klicks auf die Timeline verbesserten sich um 26 Prozent auf 148 Milliarden im vierten Quartal 2013.

Werbeeinnahmen

Die Werbeeinnahmen legten im Jahresvergleich im vierten Quartal um 121 Prozent auf 220 Millionen Dollar zu. 75 Prozent dieser Einnahmen kommen von mobilen Endgeräten. Pro 1000 Klick auf die Timeline kamen Werbeeinnahmen von 1,49 Dollar zusammen, 75 Prozent mehr als im Vorjahr.


Ergo

  • Jeder MAU klickt aktuell im Schnitt 614 mal im Quartal auf die Timeline.
  • Jeder MAU bringt damit 0,92 Dollar in die Werbekasse, im Quartal.
  • Bezogen auf den Gesamtumsatz sind es 1,00 Dollar im Quartal oder 4 Dollar im Jahr.
  • Um auf einen Gesamtumsatz von 6000 Millionen Dollar zu kommen (siehe Beispiel oben), bräuchte man bei gleich Klickrate und Werbepreisen somit 1,5 Milliarden monatlich aktiver Twitterer, ein Plus von 522 Prozent oder 44 Prozent pro Jahr über fünf Jahre hinweg. Wenn man die Twitterer dazu bewegt doppelt so häufig zu zwitschern, dann wäre beispielsweise natürlich nur 750 Millionen Nutzer von Nöten.
  • Klingt nicht unmöglich, zumal wenn man unterstellt, dass es Twitter gelingt mehr Werbung in die Timeline zu packen, ohne das es nervt, höhere Werbepreise zu verlangen, die User zum intensiveren Twittern zu animieren und noch mehr Daten zu lizenzieren.
  • Twitters Strategie: Noch mehr Kooperationen mit Großereignisse wie Super Bowl (25 Millionen Tweets in vier Stunden) oder Olympia und Fernsehsendern. Noch mehr Datenverkauf: Im vierten Quartal brauchte dieser 23 Millionen Dollar ein – plus 80 Prozent im Jahresvergleich.
  • Das große Plus von Twitter: alles ist live.
  • Dick Costolo, CEO von Twitter. “Wir sind die einzige Plattform, die öffentlich und in Echtzeit Gespräche möglich macht und weit verbreitet ist, und ich freue mich auf die vielen Neuerungen, die das Twitter-Erlebnis noch verbessern werden.“
  • Ob das die stolze Bewertung rechtfertigt? Fakt ist, Twitter muss kräftig wachsen – und die anderen wie Facebook oder Google werden auch nicht schlafen.

Chart-Show zum Durchklicken

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Bildquelle: Copyright Tim Trueman (@timtrueman) for Twitter, Inc.


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