EZB Draghi löst Mini-Crash im DAX und Höhenflug im Euro aus

by • 3. Dezember 2015 • MarketwatchComments (0)1278

„Wir machen mehr, weil es funktioniert und nicht, weil es nicht funktioniert.“ Das ist Draghi Notenbanker-Sprech. Logik? Na ja, ach lassen wir das. Viel soll hat viel helfen. Den Aktien-Märkten hat es nicht geholfen.

Mario Draghi hat aus Sicht der Märkte nicht geliefert, so muss man wohl sagen. Die Börsen sind beleidigt. Der Euro schnellt nach oben (er hatte sich in den vergangenen Wochen wohl etwas zu früh und vor allem zu überschwenglich gefreut) – und was macht der DAX dann üblicherweise? Richtig. Er fällt und zwar deutlich, zeitweise um 3 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Einlagenzins auf -0,3 Prozent gesenkt. Das heißt: Banken (und Fonds) müssen für ihr geparktes Geld noch mehr Strafe zahlen. Die EZB möchte, dass dieses Geld als Kredite vergeben wird, um damit die Wirtschaft zu beleben und auch die Inflation wieder nach oben zu bringen.

Was Draghi zudem gemacht hat: Er hat das Anleihekaufprogramm, als Quantitative Easing (QE), das Drucken von Geld, sogar zeitlich verlängert, nun bis März 2017, ein Plus von sechs Monaten, aber er hat eben nicht im Volumen der einzelnen Kauf-Tranchen aufgestockt. Und sofort sind alle Billig-Geld-Junkies auf Turkey – man verlangt nach immer höheren Dosen.

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn: „Noch mehr zu tun, ist angesichts der starken, bislang schon sichtbaren Effekte übertrieben. Es stärkt den Verdacht, dass es der EZB statt um Preisstabilität um die Rettung maroder Staaten und Banken geht.“

Bis auf EON und RWE rauschen alle DAX-Aktien in den Kurs-Keller. Aber diese beiden Werte sind bereits auch in den vergangenen Wochen schon stark gefallen.

Wie geht es nun weiter? Heute ist zweifellos die Verzweiflung groß, aber davon abgesehen hat sich nicht viel an der Situation an den Börsen verändert. Weltweit ist das Wachstum moderat, immerhin. Die Notenbanken werden deshalb ihre sehr lockere Geldpolitik fortsetzen, von einer echten Straffung ist nicht auszugehen. Letztlich wird das auch die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) nicht tun, auch wenn sie im Dezember einen homöopathischen Zinsschritt nach oben machen wird. Auch die USA können sich keine Leitzinsen von 2, 3 oder gar 5 Prozent leisten.


Ja, die EZB wurde nicht noch lockerer als sie ohnehin schon ist. Die Märkte sind (sehr) verwöhnt, was eine gewisse Gefahr darstellt. Und ja, der Mini-Cash hat ein wenig was kaputt gemacht. Die Börsen-Träume werden nun nicht mehr in ganz hohe Regionen wachsen, aber das muss nicht schlecht sein. Draghi verliert seinen Nimbus als Meister der Märkte. Ein Teil seiner Getreuen hat sich heute bereits abgesetzt. Draghi muss an seinem Image arbeiten.

PS
Bei 10.500 Punkten ist im DAX noch ein Gap (Kurslücke). Vielleicht macht sich der DAX nun daran diese zu schließen.

Sehenswert auch: CASINO OPEN – die Börsen Show mit Analysen zur EZB-Entscheidung.

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Bildquelle: ECB / Flickr

 


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